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Die Postmoderne ist vorüber. Unweigerlich ist das erkennbar an der Unbefangenheit, mit der zeitgenössische Künstler ihre Arbeiten in ganz neue Kontexte stellen, die vor fünfundzwanzig Jahren noch Gegenstand kontroverser Debatten waren und scheinbar unsausweichliche Fragestellungen aufwarfen.

Dieser Umstand hat der Kunst neue Wege eröffnet, die für ihre Entwicklung von größter Wichtigkeit sind. Die Museen allerdings konfrontiert das mit der Tatsache, daß ein bislang nur unzureichend überschaubares Feld zeitgenössischer, geradezu neuer Kunst existiert, auf das die Öffentlichkeit nur in geringem Maße schauen kann: denn die Fülle in privaten Sammlungen ist enorm und speist sich eben nicht nur aus den Werken der vergleichsweise wenigen international bekannten und gefragten Künstler.

Ein Dialog zwischen privaten Sammlern und öffentlichen Museen scheint notwendiger denn je. Denn entwickelte sich hier ein allzu gespanntes Verhältnis oder verhärteten sich die Fronten – große und noch unzureichend erschlossene Bereiche der Kunst gingen verloren, versänken im internationalen Kunstmarkt und wären dem offenen kulturellen Leben entzogen.

Es entstünde enormer Schaden, denn Deutschland ist ein sehr gutes Pflaster für viele richtungsweisende Künstler, die mitunter in „eingeweihten Kreisen“ hohes Renommee genießen.

Dieses Potential, das in privaten Sammlungen sozusagen schlummert, in Wohnzimmern reicher Sammler aus Übersee verschwinden zu lassen, wäre eine Katastrophe für die hiesige Kulturlandschaft, besonders für die öffentlichen Museen.

In doppelter Hinsicht das Verborgene beleuchten

Kurator Reinhold Schumacher hat aus 15 Sammlungen (12 deutsche, zwei schweizerische und eine französische) insgesamt 145 Werke von 57 Künstlern zusammengetragen, um der Öffentlichkeit Einblicke in die aktuelle Kunstlandschaft abseits und auch jenseits der öffentlichen Sammlungen zu geben.

Damit verfolgt die Ausstellung eine doppelte Absicht: Zum ersten zieht sie mit zahlreichen Arbeiten aus den Jahren nach 2000 eine Bilanz der Kunst des ersten Jahrzents des neuen Jahrhunderts, um vor diesem Hintergrund erkennen zu können, in welche Richtung die Kunst geht.

Gerade im Rückblick auf die Kunst des frühen 20. Jahrhunderts ist diese Bilanz interessant. Damals haben Künstler innerhalb nur weniger Jahre die Malerei sozusagen neu erfunden. Die Frage stellt sich also, ob vergleichbare Strömungen auch im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts festzumachen sind.

Zum zweiten zeigt die Ausstellung eindrucksvoll die Stärke der deutschen Sammlungen. Sie spiegelt die Stärke der deutschen Künstler allgemein wider, wenn auch viele von ihnen der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt sind.

Das zeigt gleichsam, daß privaten Sammlungen nicht nur ein hohes Potential innewohnt, sondern daß sie auch in der Lage sind, die öffentlichen Museen zu entlasten, was für das ganze Land wichtige kulturelle Arbeit darstellt.

Die Öffnung der Sammlungen, ein Offenlegen ihrer Bestände und die umfangreiche Kooperation mit Museen garantieren, daß diese Arbeit auch Früchte tragen kann.

Grenzenlose vielfalt im begrenzten Raum

Die Ausstellung konzentriert sich auf Sammlungen aus der weiteren Region. Das allein dokumentiert, wie groß die sammlerische Vielfalt schon in einem recht überschaubaren geographischen Raum ist. Ein erster Eindruck von der enormen Vielfalt der Arbeiten nimmt sich hier bereits beinahe grenzenlos aus.

So gibt es neben Malerei Rauminstallationen, Collagen, Photographien, Filme, Skulpturen und Performances zu sehen. Und so ungewöhnlich und provozierend die einzelnen Werke mitunter auch sein mögen: die Ausstellung zeigt alles, nur keine platte Abfolge von Kunstwerken, die dem Druck nach dem immer Spektakulärerem nachgeben und ein aufmerksamkeitheischendes Medienpotpourri entwerfen, das doch allerorten den Betrachter schon längst nicht mehr begeistern kann.

Das macht die Schau beinahe ungewohnt beruhigend, wenn es auch aufwühlende Arbeiten gibt: So entführt die Rauminstallationen „Die besten Jahre“ von Birgit Brenner aus dem Jahre 2008 in die Welt eines beklemmenden „Lebensfilmes“ voller Gewalt und Ausweglosigkeit.

Die an Goya angelehnten Miniaturen „Great Deeds Against The Dead“ von Jake und Dinos Chapman von 1994 hinerlassen einen Nachgeschmack aus Faszination und Befremden, ebenso die Installation eines skurril-obskuren Behandlungszimmers „Operation Rose“ von Gelitin von 2004.

Magnet und Highlight für Kunstinteressierte

Mit dem wegweisenden wie auch so dringend notwendigen Konzept von „Neugierig?“ wird die Bundeskunsthalle zum Anziehungspunkt für Kunstinteressierte aus einem weiten Umfeld sein.
Gleichzeitig begründet die Ausstellung eine neue Reihe, in deren Fokus aktuelle Kunst aus der weiteren Region stehen wird.

Vom 29. Januar bis zum 2. Mai ist „Neugierig?“ zu sehen. Sie bildet für den Köln-Bonner Raum eines der kulturellen Highlights dieses Jahres überhaupt.
Mit Blick auf die Campus-web-Serie Das „Kulturjahr“ im Köln-Bonner-Raum ein weiterer Beweis dafür, daß in diesem Jahr nicht nur zwischen Wupper und Ruhr Kultur großgeschrieben wird.


Weiteres zur Ausstellung.

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