Meissen eine kleine Stadt an der Elbe, mitten im Freistaate Sachsen. Und weltberhmt. Hier wird es hergestellt, das Meissner Porzellan, das seit nunmehr 300 Jahren auf der ganzen Welt als filigrane und wertvolle Kunstwerke bewundert und geschtzt wird.

Anlsslich dieses runden Geburtstages zeigt das Museum fr Angewandte Kunst in Kln die Ausstellung Meissen. Barockes Porzellan in Kln. Am Samstag, den 23. Januar, fand die Erffnung statt, auf den Tag genau 300 Jahre nach der Grndung im am 23. Januar 1710.

Die Resonanz war schon jetzt auergewhnlich: Rund 300 Leute drngten sich in den Festsaal des Museums und lauschten den Klngen Bachs sowie den Begrungsworten von Klns Oberbrgermeister Jrgen Roters. Auch er zeigte sich positiv berrascht von dem regen Interesse und wnschte, dass es anhalten mge.

Nach einer kurzen Einfhrung in die Geschichte und das Handwerk der Porzellanmanufaktur Meissen seitens der Kuratorin Patricia Brattig war es dann endlich soweit: die Ausstellung ffnete erstmals ihre Tren fr die ffentlichkeit.

Einmal Barock, erster Klasse

Es folgte eine Reise in die Vergangenheit. Schon beim Betreten des ersten Raumes strahlt einem der schsische Kurfrst August der Starke entgegen, der 1710 die Grndung der Manufaktur initiierte. Doch nicht nur er strahlt, der gesamte Raum scheint zu glnzen, denn von allen Seiten leuchten dem Betrachter kleine Schtze entgegen.

Rund 300 Exponate wurden zusammengetragen, dank einem Sammlerehepaar aus dem Rheinland. Dabei wurde bewusst nicht versucht, ein allumfassendes Bild der gesamten Manufaktur-Arbeit wiederzugeben, sondern man spezialisierte sich auf wenige Teilbereiche, die mit exquisiten Exemplaren vorgestellt werden.

Alltag und Traum stehen nebeneinander

Natrlich findet man hier auch Tafelservice und Dekor, doch ist dies in Meissen nicht einfach nur Geschirr. Es sind kleine Kunstwerke, fein verziert, mal farbig bunt, mal klassisch golden.

Die Motive sind so vielfltig wie die Formen: Die Verehrung von Mythengestalten wie Nymphen und Amor hat sich im Dekor niedergeschlagen, die exotischen Vorstellungen der Europer von gerade entdeckten Welten wie Amerika und Asien knnen beim Nachmittagstee bewundert werden.

Verschnrkelte Mosaiken oder aufsprieende Blten zieren Terrinen und Teller, dazwischen wuseln kleine Kfer herum. Und wenn man genau hinsieht, kann man gar einen kleinen Belzebub erblicken, der schelmisch aus einem Versteck hervorlugt.

Wohin man sich auch wendet, erreicht ein Glitzern die Augen. Die kleinen Zier-Accessoires, Galanterien genannt, verzaubern mit einer Farben- und Formenvielfalt, wie sie ihresgleichen sucht.

Landschaftsszenen im Wandel der Jahreszeiten, Jagd- und Hafenszenen, geheime Liebestreffen, kurz gesagt: ein Abbild der europischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts wurde auf Schnupftabakdosen gebannt.

Die unglaubliche Differenziertheit der einzelnen Szenen verlangt genaues Hinblicken, will man alle Details erhaschen. Abhilfe sollen Spiegel verschaffen, die offenbaren, was auf den ersten Blick verborgen bleibt: selbst die Bden wurden nicht von der Zierde ausgespart. Ebenso wie jede andere Flche wurden sie mit Portraits, Genreszenen und Ornamenten bedacht.

Das Zusammentreffen mit der Gesellschaft

So faszinierend diese auch zur Nutzung geeigneten Porzellane wirken mgen, so sind sie doch nicht das Highlight der Ausstellung. Denn das sind die Figuren. Seit ihrer Grndung fertigt die Meissner Porzellanmanufaktur auch reine Kunstobjekte an, die an Virtuositt und Einzigartigkeit nur schwerlich zu bertreffen sein drften.

Niemals gleicht eine Figur der anderen, auch wenn manche lediglich in verschiedenen Ausformungen erscheinen. Doch selbst diese Reihenwerke unterscheiden sich erheblich voneinander. Ist die eine ganz in Wei belassen, trumpft die andere umso farbenfroher auf oder wurde mit einem Detail mehr oder weniger versehen.

Als Vorlage diente wie bei den Verzierungen auf Galanterien und Geschirr die bessere Barock-Gesellschaft: Abbilder feudaler Personen wie eine adrette Grfin mit Mops und Dienermohr oder Ausprgungen der Commedia dellarte in Form von Harlekinen, Pantalonen und Colombinen. Kleine Engelchen und Allegorien, wie zum Beispiel die Personifizierung der vier Jahreszeiten, entfhren in alte Traumbilder.

Daneben finden sich jedoch auch jene Typen wieder, die nur dienende Funktionen in der Adelswelt erfllten: Kesselflicker, Fischhndler, Kaufmannsfrau, ja sogar den Bettler und den trunkenen Bauernburschen kann man bewundern.

So hat man irgendwann vergessen, in welcher Zeit und in welchem Umfeld man sich befindet. Beim Verlassen der Ausstellung kommt ein befremdliches Gefhl auf. Es erscheint wie das Erwachen aus einem zauberhaften Kindertraum.

Von Kitsch oder Nippes, wie der Klner es nennt, kann bei diesen Meisterwerken der Porzellan-Manufaktur aus Meissen keine Rede sein. Vielmehr kann man als Besucher brillante Kunst bewundern, die das Bild einer ganzen Epoche widerspiegelt und an Schnheit und Eleganz kaum zu bertreffen ist.



Weitere Informationen auf der Homepage des Museums fr Angewandte Kunst Kln.

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