Mit der heute startenden Franz-Ackermann-Ausstellung ist das Bonner Kunstmuseum in Teilen selbst zu einem Kunstwerk geworden. Die fr die Ausstellung genutzten acht Rume dienen nicht blo als Kulisse fr die Werke des international renommierten Knstlers, sondern sie prsentieren sich selbst als solche. Somit wird die Ausstellung zu einer Sammlung von Unikaten, da die Arbeiten zwangslufig an Ort und Zeit gebunden sind.

Das ist durchaus im Sinne des Knstlers: Die Kunst Ackermanns baut in bedeutendem Mae auf seinen eigenen Reiseerfahrungen auf. In Form von Aquarellen Mental Maps hlt er Eindrcke und Bilder bereister Orte fest, thematisiert aber dortige Eigenheiten und auch soziale wie kulturelle Zustnde ebenfalls in seinen groen Installationen.

Physische versus geliehene Erfahrung

Diese Installationen wirken dann ihrerseits auf den Betrachter. Und: sie wirken ganz konkret, an Ort und Stelle, wodurch sie die unbedingte physische Erfahrung fordern. Wer beispielsweise das Werk Leben und Sterben im und gleichzeitig mit dem gesamten Raum F nicht erlebt hat, wird es nie wieder so erfahren knnen, wie es hier mglich ist.

Die Mischung zwischen Abstraktem und Konkretem in Ackermanns Malerei und als Element der Installationen, bewutes berfrachten in Farbe und Form sowie die Vereinnahmung des konkreten Raumes all das berfordert den Betrachter beinahe. Unwillkrlich sucht er nach Haltepunkten der Realitt, an die er sich klammern kann. Es entsteht eine Vielschichtigkeit, die sich nicht mehr ausloten lt.

Mitunter werden die Werke zu Spiegeln einer globalen Realitt, die unzhlige Facetten besitzt. Artefakte und farblich-formale Bezge zu realen rtlichkeiten sind in die Bilder und Installationen integriert. Das alles ist erlebbar, aber schwer ersehbar: der Eindruck, den die Rume und Werke Ackermanns vermitteln, lt sich nicht digitalisieren und verschicken, selbst Schilderungen werden nahezu unmglich.

Ein Schrei als Antwort?

Beim Gang durch die Ausstellung fllt es demnach schwer, den Begriff Malerei angemessen zu finden. Viel passender scheint der Begriff Collage. Aber auch er trifft es nicht richtig. Eher illustriert Ackermann seine Werke mit ihnen selbst: Video- und Diainstallationen, rotierende Gemlde und umgehbare Skulpturen in diesem wahrhaft bunten Potpourri schreit einerseits die Kunst nach Raum und explodiert aus sich heraus, andererseits ist sie medial gebunden und erhlt dadurch greifbare Aussage und Sinnflligkeit.

Damit wird deutlich, da die Kunst der Postmoderne sich selbst berlebt hat und nicht nur zu neuen Ufern aufbrechen will, sondern auch mu, um nicht als bloe Dekoration zu verstauben. Somit antwortet Ackermann auf Fragen, die genauso vielfltig sind wie die Zeit, aus der sie sich ergeben.

Seine Antworten sind vielleicht nicht ausreichend. Doch in mindestens einem Punkt sind sie zweifelsfrei richtig: Die Zukunft der Kunst ist alles, nur nicht eindimensional.

Die Ausstellung luft bis zum 21. Februar 2010.

Mehr Informationen unter www.kunstmuseum.bonn.de.

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