Das Kunstmuseum Bonn startet eine Reihe zum Rheinischen Expressionismus. Dessen bekanntester Vertreter ist August Macke. Neben ihm wirkten jedoch auch weniger bekannte Knstler, deren Werke nun das Museum im halbjhrlichen Wechsel prsentiert.

Unter diesen weniger Bekannten nimmt Hans Thuar eine besondere Stellung ein: 1887 in Treppendorf im Spreewald geboren und 1892 mit der Familie nach Kln bergesiedelt, freundet er sich 1897 mit Macke an, der in der Nachbarschaft wohnt. Bis zu dessen Tod im Jahre 1914 pflegen beide eine sehr enge Freundschaft, die besonders Thuar derart in seinem knstlerischen Schaffen beeinflut, da er nach Mackes Tod sechs Jahre lang nicht malt.

Ein Leben in schwierigen Zeiten

Die 20er Jahre sind fr ihn ambivalent: eine bedeutende Schaffensphase fllt in die Jahre 19201926, von 1926 bis zum Ende der 30er Jahre hingegen enstehen nur wenige Bilder. In dieser Zeit schlgt Thuar, der 1899 bei einem Unfall die Beine verloren hat, einen kaufmnnischen Weg ein: Eine erfolgreich eingeklagte Unfallrente nutzt er als Kapital fr eine Tankstelle, ein Caf und einen Laden. Er befat sich mit Aromatherapie und stellt Salben und Heilmittel her.

Wirtschaftliche Stabilitt kann er jedoch dadurch nicht erlangen, Krankheiten und Existenzsorgen plagen ihn und seine Familie. 1936 steigt seine Frau mit einem eigenen Geschft ins Kunstgewerbe ein, was sich zwar erfolgreicher gestaltet, Thuar selbst jedoch, der mit im Geschft ttig ist, nicht ausfllt. 1938 kann eine Reise ins bayerische Voralpenland kurzzeitig seine knstlerische Produktivitt wiederbeleben, bevor sie in den Kriegsjahren wieder nahezu zum Erliegen kommt.

1943 entstehen seine letzten Bilder. Nachdem sein Haus in Ramersdorf 1944 durch Bombentreffer zerstrt worden ist, wird er nach Thringen evakuiert. Unmittelbar vor seiner Rckreise stirbt er am 24.Oktober 1944 in Langensalza.

Eigener Charakter in drei Schaffensphasen

Thuars uerst bewegtes Leben spiegelt sich in seinem Werk wider, das man in drei groe Schaffensphasen glieder kann: Die erste fllt in die Zeit der Freundschaft mit Macke. Wie dieser nutzt er hauptschlich Motive aus der Natur, doch zeichnen sich seine Bilder durch eine ausgesprochene Dichte in Farben und Formen aus. Es sind entschlossene Linien, die den Bildern fast schon strenge Klarheit und Struktur verleihen.

Darber hinaus ist eine Orientierung am Fauvismus unbersehbar, wie auch Anlehnungen an Kandinsky mglich sind, was die Ausstellung am Beispiel des Bildes Kopf eines Trken (1911) zeigt.

Immer wieder scheint in den Werken durch, da die Beschftigung mit knstlerischen Strmungen der Zeit in Thuar arbeitet. Besonders die zweite Schaffensphase, die in die 20er Jahre fllt, sticht mit kubistischen Elementen hervor. In dem Bild Raddampfer unter der Brcke (1923) treffen diese sich besonders beeindruckend mit seiner strengen Linienfhrung. Im Verbund mit einer Motivbearbeitung, die den Rahmen des Bildes nachgerade sprengen will, sorgt diese Liaison fr Dynamik und packende Dramatik; der Kairos ist genauso extrem wie przise gefat, was den Betrachter beinahe vor der Gewalt des Abgebildeten zurckschrecken lt.

Die dritte Phase ist die Sptphase der Jahre 1935 bis 1943. Hier lassen sich naturnah gestaltete Motive wie einige Stilleben finden, die sich deutlich von seinen frhen reinexpressionistischen Werken abheben. Aber auch Rckgriffe auf bereits Durchlaufenes finden statt; das Gemlde Blhender Flieder (1938) stellt hier zweifelsohne einen der knstlerischen Hhepunkte seines Lebens dar.

Seine letzten Bilder jedoch sind wiederum naturah und stilistisch deutlich abgegrenzt. Sie zeigen vor allem eine der Zeit und den Umstnden, in denen Thuar lebte, entsprechende Dramatik und wirken auf den Betrachter in ihrer Bedrohlichkeit beinahe ausweglos.

Entschlossenheit nur im Werk

Da Hans Thuar heute mitunter sehr przise portraitiert werden kann, ist unter anderem seinem Enkel Dr. Til Macke zu verdanken. Zur Erffnung der Reihe ermglichte er aufgrund seiner familiren Beziehung zu August Macke (seine Mutter Thuars Tochter war mit Mackes jngerem Sohn Wolfgang verheiratet) anhand von persnlichen Erinnerungen einen tieferen Einblick nicht nur in das Leben und das Schaffen seines Grovaters, sondern beleuchtete auch das knstlerische Umfeld des Expressionismus unter interessanten Aspekten.

So entstand zusammen mit den gezeigten Werken das Bild eines Knstlers, der in der historisch komplexen ersten Hlfte des zwanzigsten Jahrhunderts nicht nur blo arbeitete, sondern fr und in seiner Kunst lebte und litt. Gerade seine frhen Werke tuschen nmlich durch die Entschlossenheit der Formen, Farben und Kontraste leicht darber hinweg, da Thuar uerst sensibel und zeitlebens von Selbstzweifeln und Krisen geplagt war.

Das Kunstmuseum will ab Mitte nchsten Jahres die Reihe zum Rheinischen Expressionismus mit Werken von unter anderem Paul Adolph Seehaus, F.M. Jansen, Heinrich Nauen, Franz Seraph Henseler und Heinrich Campendonk fortsetzen.


www.kunstmuseum.bonn.de.


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