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Die Liste der Kulturschaffenden, die unter dem Regime zu leiden hatten und schlußendlich ihre Heimat verlassen mußten, ist lang. Schriftsteller, Liedermacher, Schauspieler und bildende Künstler finden sich hier. Doch war die DDR trotz Zensur kein kulturfreies Land. Und „Ost-Künstler“ waren nicht immer nur systemkonform. Ihr Aufbegehren mußte jedoch subtiler sein, als es die oftmals hochstilisierten künstlerischen „Revolten“ im Westen sein konnten. Doch wirkungslos waren sie deswegen nicht. Und mitunter finden sich auch Parallelitäten zwischen West und Ost.

Einheitsstil und leiser Widerstand

Im Bereich der bildenden Kunst ist hüben wie drüben die Aufarbeitung der gemeinsamen Vergangenheit ein nur allzu drängendes Thema der Nachkriegszeit. Hier läßt sich beiderseits der Grenzen zunächst der Rückblick auf das ausmachen, was zur Zeit der Nazi-Herrschaft nicht sein durfte. Und auch die Absage an eine reine „Lust-Kunst“, die nur um ihrer selbst willen existiert, wird in Ost und West gleichermaßen artikuliert. Allerdings gibt in der DDR schnell der „Sozialistische Realismus“ den Ton an und nimmt die Kunst in die Pflicht: Ideologiekonform soll sie sein, keinen Zweifel daran lassen, daß das Arbeiter-und-Bauern-Ideal zum letzten Glück auf Erden führt.

Dieser „Einheitsstil“ prägt genauso Musik, Literatur und Architektur. Trotz einer gewissen Liberalisierung in den 70er Jahren kontrolliert der Staat seine Kulturschaffenden: Sie können sich nur systemkonform organisieren, und wer wann ins Ausland darf, entscheidet letztlich ein staatliches Organ („Künstler-Agentur der DDR“). Und laut DDR-Verfassung hat die Kultur auch einen eindeutigen Auftrag: sie soll den Sozialismus fördern. Folglich ist zumindest die „offizielle“ Kunst offensichtlich diesem Zweck verhaftet.

Dennoch kommen Kontakte zum Westen zustande. Einflüsse, die die westliche Kunst prägen, greifen zwar mit bis zu zwanzig Jahren „Verpätung“, aber sie sind unübersehbar. Und bei näherem Hinsehen zeigt sich auch in so manchem „sozrealistischem“ Gemälde die ein oder andere entschieden kritische Nuance. Widerstand auf leisen Sohlen eben.

Das weite Feld der „Ost-Literatur“

Ein in vielen Bereichen noch unbekanntes Gebiet ist die DDR-Literatur. Bis 1989 siedeln zahlreiche Literaten vom Osten in den Westen über (so z.B. Reiner Kunze und Sarah Kirsch). Andere jedoch bleiben, obwohl ihre Bücher nicht publiziert werden dürfen. Im Westen hingegen werden sie gelesen. Ihre Rezeption als dezidierte „Ost-Schriftsteller“ ist jedoch nicht eindeutig; hier liegt für zukünftige Literaturwissenschaftler immer noch ein weites Feld brach.

Die Rolle der Schriftsteller, die im Osten bleiben und schreiben dürfen, ist ebenfalls noch nicht vollständig durchleuchtet. Sie alle als regimekonform abzustempeln wird ihnen nicht gerecht. Sie können sich in gewissem Grade mit dem System arrangieren und stehen dem Sozialismus und seinen Zielen zumeist durchaus nicht ablehnend gegenüber. Das macht sie aber andererseits nicht zwingend zu Totalitärsozialisten. Ganz im Gegenteil: viele verpacken ihre Regimekritik in ein literarisches Gewand, wodurch sie für die Zensur oftmals nicht mehr zu greifen sind. Darüber hinaus bringt der Westen nicht jedem, der letztlich doch übersiedelt, größeren Erfolg.

Aversion von Staats wegen

Neben jedoch auch strikten literarischen Tabuzonen ist in der DDR der Bereich der religiös motivierten Kultur stark eingeschränkt. Das atheistische politische System, in dem offiziell Religionsfreiheit herrscht, sieht sich besonders durch die evangelischen Kirchen politisch herausgefordert. Hier entsteht eine offene Front.

Im Gegensatz dazu gibt es mit der katholischen Kirche weniger Konflikte. Naturbedingt bezieht sie kaum politische Positionen, sondern ist um Widerstand gegen die totalitäre Ideologie als solche bemüht. Selbstredend leiden beide Konfessionen gleichermaßen unter Repressalien, die eine christliche Kultur oft in den äußersten Privatbereich und sogar in den Untergrund drängen. Das fördert zwar ökumenisches Potential, grenzt aber den sakral-kulturellen Bereich aus der Gesellschaft nahezu vollständig aus.

Ein differenziertes Bild

Die DDR ist kulturell sicherlich nicht so vielseitig gewesen wie der freie Westen. Jedoch war sie vielschichtig. Vieles ist aber noch unerforscht und kann nur undeutlich nachgezeichnet werden. Gerade durch die Medien wird oftmals nur ein unscharfes Bild vermittelt. Hier gibt es noch viel zu tun, da viele Fragen noch beantwortet werden müssen und vieles noch darauf wartet, mit der nötigen wissenschaftlichen Sachlichkeit betrachtet zu werden. Denn jenseits aller voreingenommenen Sichtweisen, egal welcher Blickrichtung, ist das kulturelle Bild der DDR deutlich differenzierter, als man es vielfach gerne glauben möchte.

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