Liegender Akt
   
 

Mdchen mit schwarzer Schrze
   
Ein Schwein und eine Perle, so beschrieb Beatrice Hastings Amadeo Modigliani bei ihrem erstes Treffen. Die Pariser Korrespondentin und Schriftstellerin der Londoner Zeitung The New Age, mit brgerlichem Namen Emily Alice Haigh, fhrte in den Jahren 1914 bis 1916 eine recht turbulente und von Drogen und Alkohol dominierte Liebesbeziehung mit Modigliani. Doch nicht nur Beatrice Hastings wird innerhalb der Ausstellung in den Wandtexten zitiert, so entwickelten der Kurator Christoph Vitali, der Intendant Robert Fleck und die Projektleiterin Susanne Kleine eine Wanddekoration aus Zitaten von Zeitgenossen, bzw. engen Freunden Modiglianis, welche sein Oeuvre auf eine ganz neue Art belebt, und zudem die Legendenbildung, die kurz nach seinem Tod begannen, um das sehr schlecht dokumentierte Leben des Knstlers voll und ganz bedient.
Denn diese ausgewhlten Aufzeichnungen seiner Freunde, Lebensgefhrtinnen oder auch berhmter Schriftsteller, wie Adolphe Basler (Kunstschriftsteller 1876-1951) oder Charles-Albert Cingria (Schriftsteller 1883-1945) bieten eine ganz andere Sichtweise auf die hufig doch recht groflchig gemalten Portrts und Skizzen.

Auf diese Weise wird ein Blick nicht nur auf die meist weiblichen Modelle erffnet, welche einem hufig verschlossen erscheinen, da der Maler sie vorwiegend ohne genauer definierte Augen oder Gesichtszge darstellt, ferner bieten diese Wandtexte eine genauere Skizierung des Knstlers, der auf seinen Werken eben nur durch seine Pinselfhrung prsent ist.
In seinem umfangreichen Werk von ca. 420 Gemlden, rund 1000 Zeichnungen und 25 Skulpturen zeigt der 1884 in Livorno geborenen und bereits 1920 in Paris verstorbenen Knstler Amadeo Modigliani eine hchst individuelle, oft uerst melancholische Kunst, die sicherlich durch seine unzhligen Krankheiten, aber auch durch seinen exzessiven Drogen- und Alkoholkonsum geprgt wurde. Seine wichtigsten Sujets sind weibliche Akte und Portrts, die er in einer ganz eigenen Mischung aus den vorherrschenden, zeitgenssischen Kunststilen Kubismus, Fauvismus, Expressionismus und Symbolismus formal und malerisch umsetzt. Obwohl er engen Kontakt zu einigen Knstlern, wie Pablo Picasso oder auch Constantin Brncusi pflegte und dieser zudem deutlich in einzelnen Werken erkennbar ist, lassen sich seine Werke keiner Stilrichtung eindeutig zuordnet. Dies, wie auch sein ausschweifendes Leben und seine provozierende Art sind sicherlich Grnde warum er zu Lebzeiten nur recht verhalten Erfolg hatte, gemessen an seiner heutigen Popularitt.

Durch das Konzept der Wandbeschriftungen und der weiteren Ausstellungsprsentation, die sich eng an Modiglianis Leben orientiert und seine wichtigsten Lebensabschnitte widerspiegelt, ist eine eindrucksvolle Werkschau mit 40 Gemlden, 70 Zeichnungen und einigen Skulpturen in der Bundeskunsthalle gelungen, auf die das Zitat des Schriftstellers Ilya Ehrenburg (1891-1967) wie zugeschnitten passt: Niemals reizt ihn irgend welches Zubehr oder sonstige uerlichkeiten - seine Bilder schlieen die Natur des Menschen auf. [...] Er hat eine groe Galerie von Menschen geschaffen; ihre Trauer, ihre Benommenheit, ihre schwermtige Zrtlichkeit und Verfallenheit erschttert die Besucher dieser Museen.


ffnungszeiten: Di und Mi 10-21 Uhr, Do-So und Feiertage 10-19 Uhr

Eintrittspreise: 8 , 5 ermigt und 14 Familienkarte

Der Ausstellungskatalog: Modigliani Ein Mythos der Moderne, Christoph Vitali (Hg.), mit ca. 224 Seiten ist bei DuMont, Kln erschienen und kann sowohl in der Bundeskunsthalle, wie im Buchhandel fr 39,95 erworben werden.

Nhere Informationen auch zu den Fhrungen und dem umfangreichen Begleitprogramm unter www.kah-bonn.de oder telefonisch unter 0228-9171200.

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