Zwei Reiter vor Rot
   
 

Sitzende Mdchen
   
 

Kopie von Kandinsky, Bogenschtze
   
 

Drei Reiter in Rot, Blau und Schwarz
   
Das Kunstmuseum Bonn zeigt in der Ausstellung Wassily Kandinsky: Das druckgrafische Werk die gesamte Entwicklung seiner Kunst von 1902 bis 1942. Neben den ber 200 Holz- und Linolschnitten, Radierungen, Lithografien und Plakaten Wassily Kandinskys finden ebenso seine theoretischen Schriften ihren Platz in der Ausstellung. Seine Werke bieten einen Streifzug durch seine frhen Jahre in Mnchen und Paris, die Zeit des Blauen Reiter , des Bauhauses sowie der spteren Pariser Jahre. Sie zeigen seine intensive Auseinandersetzung mit der Druckgrafik, die er sich autodidaktisch aneignete. Ganz besonderes Augenmerk sollte der Besucher auf die frhen Drucke mit ihrer mrchenhaften Thematik, die differenzierten Farben, die berhmten Holzschnitte aus der Zeit des Blauen Reiter und die Mappe Kleine Welten aus den zwanziger Jahren legen.

Wassily Kandinsky, geboren am 4. Dezember 1866 in Moskau, findet seine Leidenschaft zur Kunst ber Umwege. Er studiert Rechtswissenschaften und Nationalkonomie und nimmt 1893 seine Dissertation auf. Zwei Jahre spter beschliet er jedoch, seine wissenschaftliche, juristische Karriere aufzugeben und beginnt 1896 ein Studium der Malerei in Mnchen. Dort besucht er die private Malschule des Slowenen Anton Ab. 1911 organisiert er zusammen mit Franz Marc und Gabriele Mnter die Erste Ausstellung der Redaktion Der Blaue Reiter. Nach intensiven Jahren seiner Schaffenszeit erscheint im Jahr 1942 seine letzte Druckgrafik. Am 13. Dezember 1944 stirbt er im Alter von 78 Jahren in Neuilly-sur-Seine, nachdem er die Sommermonate trotz Krankheit weiter gearbeitet hat

Bei der Fertigung von Radierungen und Holzschnitten kann man dem Knstler leider nicht mehr ber die Schulter schauen. Interessant ist jedoch, dass die Ausstellung neben den Farbholzschnitten, bei denen der Knstler mit bis zu sechs Farbzustnden pro Blatt experimentierte, die Entwicklung der Schnitte zeigt. Neben dem ungeschnittenen Holzstock mit Zeichnungen sind zustzlich die Pauszeichnungen fr den Holzschnitt ausgestellt. Wer sich direkt ins Atelier versetzt fhlen mchte, sollte sich manche Bilder genauer ansehen. Kandinsky hat seine berlegungen zu Farbexperimenten manchmal mit Bleistift auf den Werken dokumentiert, wie z.B. im Fall des Holzschnitts zu dem Gemlde Weisser Klang aus dem Jahre 1911 (ein Holzschnitt, erster Zustand). Interessant erscheint auch die Entwicklung der Motivwahl. Angefangen mit mrchenhaft anmutenden Szenen, findet sich hufig das Motiv des Reiters, das der Legende nach Einfluss auf die Namensfindung des Knstlerkreises Der Blaue Reiter hatte.

Kandinsky und seine Werke erfreuen sich heute noch immer groer Popularitt. Zu Lebzeiten war er ein herausragender Cosmopolit, mit einem Gespr fr Farben, dem Streben nach Abstraktion und nach einer fachlichen Auseinandersetzung mit der Kunst. Sein theoretisches Hauptwerk ber das Geistige in der Kunst erscheint im Jahr 1912. Das Grundprinzip seiner Arbeit besteht aus dem Anspruch, eine seelisch-innerliche Erfahrung von Wirklichkeit zu gestalten, die einer Kunst, die nur eine uerliche Sicht der Wirklichkeit wiedergibt, verborgen bleiben muss. Insbesondere die Grafikmappe der Kleinen Welten, die im Auftrag des Berliner Propylen-Verlags entstanden ist, zeigt die mannigfaltige Umsetzung des Geistigen in der Kunst. Dies unterstreicht ein Zitat des Knstlers: Jedes Werk entsteht technisch so, wie der Kosmos entstand - durch Katastrophen, die aus dem chaotischen Gebrll der Instrumente zum Schluss eine Symphonie bilden, die Sphrenmusik heit. Werkschpfung ist Weltschpfung.

Wer das Interesse versprt, sich einmal persnlich von der knstlerischen Entwicklung Wassily Kandinskys zu berzeugen und ein Bild ber die Grundprinzipien seiner Arbeit erhalten mchte, kann sich noch bis zum 12. Juli 2009 die Ausstellung Wassily Kandinsky: Das druckgrafische Werk im Kunstmuseum Bonn ansehen. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit der Stdtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau Mnchen erarbeitet, die das nahezu vollstndige Werk Kandinskys besitzt. Ergnzend zur Ausstellung ist eine kostenlose Nutzung von Audiofhrungen mglich. Wassily Kandinsky: Das druckgrafische Werk vermittelt ein lebendiges Bild eines der wichtigsten Knstler des 20. Jahrhunderts und ist einen Besuch wert.



Ausstellung: Wassily Kandinsky: Das druckgrafische Werk
2.4.-12.7.2009
Kunstmuseum Bonn, Museumsmeile, Friedrich-Ebert-Allee 2, 53113
Bonn, www.kunstmuseum-bonn.de
ffnungszeiten: Di-So 11-18 Uhr, Mi 11-21 Uhr
Eintritt: Erwachsene 6 Euro, ermigt 3 Euro, Kinder bis 6 Jahre frei. Im
Eintrittspreis ist die kostenlose Nutzung der Audiofhrung enthalten.

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