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Etwa fnfzehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg prallen die Generationenverstndnisse in den USA aufeinander. Die Jngeren werden aufmpfig, die Brgerrechts- und Freiheitsbewegung nimmt ihren Lauf und erreicht 1968 ihren Hhepunkt. Vier Jahrzehnte nach 1968 rckt San Francisco nun in den Mittelpunkt der Retrospektive. Die Stadt war ein Hauptaktionsort der Revolte gegen die brgerliche Nachkriegsgesellschaft und vereinigte Akteure jeder Art: Hippies, Studenten, Musiker, Schriftsteller, (Lebens-) Knstler und irgendwie waren wohl alle auch etwas vom anderen. Immerhin, eine vielfltige Ausstellung braucht einen umfassenden Titel:Looking for Mushrooms. Auf der Suche nach... Beat Poets, Hippies, Funk und Minimal Art. San Francisco 1955-1968. Und der Titel ist Programm, denn die Ausstellung transportiert die Vielfalt und das Lebendige ihrer Protagonisten.

Als Mekka experimenteller Lebens- und Kulturformen ist San Francisco in den revolutionren Sechzigern Treffpunkt der Knste. Die Stadt verbindet Kunst, Film, Tanz, Theater, Literatur, sowie Beat- und Popkultur und ist damit die wichtigste Destination fr alle 'Suchenden'. Der seit Mitte der Fnfziger bekannte Filmemacher Bruce Connor will genau dies festhalten und dreht zwischen 1959 und 1967 den Film Looking for Mushrooms, dessen Titel er nun unverkennbar der Ludwig-Ausstellung leiht. Der Titel assoziiert magic mushrooms, also die Drogenkultur der Sechziger und die damit verbundenen Sehnschte. Besonders in und um San Francisco gewinnen Brgerrechtsbewegungen und studentischer Protest gegen die Politik des Kalten Krieges, gegen den Vietnam-Krieg und gegen gesellschaftlich veraltete Normen an Kontur. Diese sogenannte Countur Culture verfestigt sich und hlt vor allem in der Berkeley-University Einhalt. In den Sechzigern differenzieren sich die unterschiedlichen Counter-Gruppen mehr und mehr, sodass beispielsweise hedonistisch-psychedelische Lebensanstze neben der radikalen Black Panther Bewegung existieren.

Die Ausstellung Looking for Mushrooms. Auf der Suche nach... greift nun das bewegte San Franciso der Sechziger Jahre auf und vermittelt seine gewaltige Kraft und Bewegung aus dem Blickwinkel der Zweitausender. Die politischen, gesellschaftskritischen und knstlerischen Strmungen werden geballt dargestellt und lassen den Betrachter die bewegte Zeit erahnen. Doch es geht nicht primr darum, die damalige Zeit umfassend abzubilden. Vielmehr sollen die Kreuzungen der verschiedenen Bewegungen aufgezeigt und vermittelt werden. Politischer Protest beeinflusste Kunst, Musik und Tanz und im Zusammenspiel entstanden neue Lebensvorstellungen. Aus dieser Situation des Umbruchs entwickelten sich schlielich neue Kunstformen, die die Ausstellung aufgreift: Wir haben Bild- und Textdokumente ausgewhlt und kommentiert, die sowohl die gesellschaftspolitischen Vernderungen der Zeit als auch die knstlerischen Experimente (...) anschaulich machen. Bewusst liegt der Schwerpunkt auf den kooperativen Arbeiten., so Barbara Engelmann, Frederieke Wappler und Hans Winkler, die Kuratoren im Vorwort zum begleitenden Ausstellungs-Katalog.

Mit etwa 200 Werken und Dokumenten offenbart Looking for Mushrooms somit die Vernetzung diverser Knste und Knstler im San Francisco der Fnfziger und Sechziger Jahre. Auerdem wird die Ausstellung von einem mehrteiligen Filmprogramm untersttzend begleitet: Aufgegriffen werden Filmemacher, die die Zeit mitgeprgt haben und nachhaltigen Einfluss auf die Fortentwicklung der Knste hatten. So z.B. Bruce Connor (11.12.2008, 19 Uhr), Gunvor Nelson und Dorothy Wiley (15.01.2009, 19 Uhr), Robert Nelson (22.01.2008), Bruce Naumann (12.02.2008). Weitere Infos und Termine gibt es hier.

Die Ausstellung ist geschickt ausgewhlt und vermittelt einen umfassenden Einblick in die knstlerischen und politischen Umbrche der Fnfziger und Sechziger Jahre. Anschaulicher Geschichtsunterricht, der Lust auf mehr macht! Bis zum 1. Mrz 2009.

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