Fuabdruck Buddha mit Glckszeichen
   
 

Fingerring
   
 

Lehrender Bodhisattva
   
Der Nordwesten Pakistans ist heutzutage als einer der gefhrlichsten Orte der Welt bekannt. Die Region wird in den westlichen Medien lediglich in Verbindung mit Konflikten und Terrorismus gebracht. Die Tatsache, dass diese Region einst fast mit einem Paradies gleichzusetzen war, erscheint zunchst unglaublich. Doch belegen gerade dies rund 2000 Jahre alte auergewhnliche Exponate, die momentan in der Bonner Kunsthalle in der Ausstellung Gandhara Das buddhistische Erbe Pakistans zu sehen sind. Auergewhnlich sind diese, weil sie im starken Kontrast zur Gegenwart stehend, indem sie das friedliche Zusammenleben mehrerer Kulturen bezeugen.

Gandhara bezeichnet eine historische Region im heutigen Pakistan und Afghanistan. Das versunkene Knigreich kontrollierte einst die Seidenstrae und reichte in seiner Bltezeit (1. 5. Jh. n. Chr.) von Baktrien ber den Hindukusch bis in das zentrale Nordindien. Der Handel zwischen dem rmischen Reich sowie Ost- und Sdasien begnstigte das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen. So verbreitete sich dort beispielsweise der aus Indien kommende Buddhismus, welchem die Kunst Gandharas vorwiegend gewidmet ist. Durch die Eroberungen Alexander des Groen (330 v. Chr.) kam die Region auch mit griechischem Kulturgut in Kontakt. Aus diesem historisch komplexen, sowohl multikulturellen als auch multireligisen Umfeld kristallisierte sich schlielich eine ganz eigene Kunst heraus.

Die Ausstellung beginnt mit den Eroberungen Alexander des Groen und endet mit den Auslufern der Gandhara-Kultur in Afghanistan und Zentralasien. Insgesamt umfasst sie rund 300 Objekte, wie unter anderem kostbare Mnzen, prachtvollen Goldschmuck, diverse Steinskulpturen, exemplarische Reliquien und Kultfiguren des Buddha sowie fein ausgearbeitete und reich gestaltete Reliefs. Die Entwicklung des Buddhismus steht im Mittelpunkt, was auch die Ausstellungsarchitektur wiedergibt. Sie ist einem fr Gandhara typischen buddhistischen Klosterhof nachempfunden. Den zentralen Mittelpunkt bildet ein Stupa, ein Denkmal welches ursprnglich der Aufbewahrung der sterblichen berreste des Buddhas diente und die spirituelle Entwicklung eines Buddhas in 36 Reliefs darstellt. So kann nach einer Umgehung im Uhrzeigersinn das alte Umwandlungsritual, von seinen frheren Existenzen bis hin zur Verteilung der Reliquien, nachvollzogen werden.

Das erstaunliche an der Gandhara-Kultur ist die Anwendung und Abwandlung von importierten Motiven in einem neuen kulturellen und religisen Umfeld. Eine Vielzahl der Motive stammt aus der griechischen Mythologie und greift fr sie typische Elemente auf, wie zum Beispiel das Motiv Girlanden tragender Eroten, die Darstellung muskulser Krper, die naturalistische menschliche Gestalt oder auch Gesichter, die Emotionen zeigen. So erstaunt es nicht, dass in der Ausstellung Darstellungen der Gttinnen Athene oder Aphrodite bewundert werden knnen. Auergewhnlich sind auch die korinthischen Sulenkapitelle bzw. Szenentrenner die in den erzhlerischen Reliefs, welche Schlsselepisoden im Leben des Buddhas darstellen, zu finden sind.

Ab 305 v. Chr. herrschte in Gandhara wieder eine indische Dynastie: Die Maurya. Unter Ashoka, dem dritten und wichtigsten Herrscher dieser Dynastie wurde der Buddhismus besonders gefrdert. Angeblich sollen die Stupas von Taxila, einem wichtigen Zentrum der Gandhara-Kunst, auf ihn zurckzufhren sein. Aber den wichtigsten Einfluss nahmen die Kushanas, ein Volk welches aus den zentralasiatischen Steppen stammt. Im 1. Jh. n. Chr. wanderten sie in Gandhara ein und lernten dort auch erstmalig den Buddhismus kennen. Im nrdlichen Afghanistan grndeten sie ein Groreich und frderten anschlieend die Glaubensrichtung in groem Ausma. Aber nicht nur die buddhistische Kunst erlebte eine Bltezeit, die Kushanas, welche sehr tolerant und kosmopolitisch waren, frderten auch andere Religionen. Sie selbst hingen iranischen Religionen an und verehrten neben anderen Gottheiten beispielsweise Oesho, eine Form des indischen Gottes Siva.

Obwohl der Bhuddismus schon seit den 3. Jh. v. Chr. bekannt war, wird er erst im 1. Jh. n. Chr. in Gandhara populr. Buddha selbst wird erstmals im Kushana-Reich dargestellt. Erst hier ist ein Wandel im Verstndnis des Buddha zu erkennen, nmlich von einer historischen Person zu einem bernatrlichen Wesen. Zuvor war er nur in Form von Symbolen verehrt worden, wie dem Baum, unter dem er Erleuchtung erlangte (bodhi), ein leerer Sitz (asana) oder einem Rad, welches auch die Lehre an sich reprsentiert (dharma). Auch die Darstellung eines Fuabdruckes (pada) ist typisch. Ein besonders gut erhaltener, mit diversen Glckszeichen versehener berdimensionaler Fuabdruck ist auch in der Sammlung zu bewundern. Die Darstellung von Buddha als Person hingegen weist folgende spezielle Merkmale auf: Der Schdelauswuchs, der oft durch einen Haarknoten verdeckt wird, eine Haarlocke zwischen den Augenbrauen, bis zu den Knien reichende Arme und Hute zwischen den Zehen und Fingern. Dies sind typische Merkmale Maitreyas, dem gegenwrtigen Bhodisattva (der nach Erwachen strebende Mensch) und zuknftigen Buddha.

Nicht nur die Darstellung Buddhas als Person vollzog einen Wandel, sondern auch die Elemente die aus der westlichen Welt bernommen wurden, sind fr buddhistische Darstellungen einzigartig. Buddha trgt beispielsweise Tunika und Toga und erinnert an eine rmische Gewandfigur. Jedoch zeigt dieser, untypisch fr die vorchristliche griechisch-rmische Antike, keinerlei Emotionen und nimmt eine eher strenge und meditative Haltung ein. Die Ausstellung bewegt sich in bemerkenswerter Weise zwischen Vertrautem und Fremden und lsst einen stets ber die gemeinsame Vorgeschichte staunen, die uns mit einem fr uns jetzt so fremd erscheinenden Land verbindet. Gandhara war noch Jahrhunderte nach dem Ende der Kushana-Herrschaft eine Hochburg des Buddhismus, ungeachtet der Vernderungen auf politischer Ebene. Von dort aus strahlte die Kultur in Zentralasien, China und nach Indien aus.

Ihre Kunst und Kultur rckte kurzzeitig wieder ins Zentrum des Interesses der westlichen Welt, als im Jahre 2001 zwei monumentale Buddha-Figuren im Bamiyan-Tal von den Taliban gesprengt wurden. Die Kpfe wurden vermutlich schon zu Beginn der islamischen Herrschaft herausgeschlagen um deren Beseelung zu nehmen. Im Jahre 1695 absolvierten Soldaten sogar ihre Schussbungen an den Statuen. Heutzutage zhlt diese Sttte zum Weltkulturerbe der UNESCO und ist zugleich ein Zeugnis der wechselhaften Geschichte Afghanistans. Hiermit endet auch die Ausstellung, mit einem Blick auf zwei berdimensional groe Fotos der Statuen, die einem zugleich die Ausmae der Bedeutung des Buddhismus in diesem untergegangenen Knigreich deutlich machen.

Der Besuch der Ausstellung lohnt sich allemal. Denn wenn man sich nicht von dem durch Terror geprgtem Bild leiten lsst, werden einem Einblicke in eine unbekannte Region gewhrt, die uns hinterher in vielen Aspekten berraschen wird. Vor allem durch die Rekonstruktionen und Computeranimationen nicht mehr existierender Sttten erhlt man einen uerst umfassenden berblick.

Die Ausstellung kann noch bis zum 15.03.2009 in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle besucht werden. Der Eintrittspreis betrgt 8 , ermigt 5 . Der begleitende Katalog kann fr 29 kuflich erworben werden. Erstmals wird auch der Versuch unternommen auch Blinden die Werke zugnglich zu machen. Es werden Tastfhrungen angeboten, sowie auch Objektbeschriftungen und Rahmenprogrammhefte in Brailleschrift angeboten.

Weitere Informationen auch auf der Homepage der Bundeskunsthalle.

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