Levantine P.M.
   
 

Ecstatic with Eunice
   
 

I'm talking to you Bob
   
Jim Dine verkrpert Vielfalt! Als Vertreter der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts wird er heute mit keinen geringeren als Pablo Picasso, Max Ernst und Joseph Beuys verglichen. Der frhere New Yorker Performance-Knstler ist Maler,Poet, Bildhauer und Fotograf zugleich- This is how I remember, now. Portraits vereint diesen Facetten-Reichtum. Warum Portrtfotos? Sie verhelfen Dine dazu, die Vergnglichkeit eines (Augen-)Blickes zu umgehen, ja auszutricksen. Denn Erinnerungen sind vergnglich, doch eine Photografie hlt einen nie wieder kehrenden Ausdruck fest. Diese Gruppe von Portraits [...] sind Bilder von Menschen und meiner Selbst, doch mehr noch sind es Bilder, die zeigen, wie ich das Gesicht betrachte, das ich aus Bronze, Holz oder Ton geschaffen habe, um es mit dem okkulten Werkzeug der Kamera zum Leben zu erwecken., so Dines zu This is how I remember, now. Portraits.

In der Fotoausstellung greift Dines auf diverse zentrale Motive und Themen zurck, die er stets neu interpretiert: Er zeigt seine Frau und enge Freunde, sein Atelier und seinen Wohnraum. Dine scheut sich auch nicht, selbst als Motiv aufzutreten. Insofern gewhrt die aktuelle Dine-Ausstellung freien Zugang zu seiner Welt und seinem Wirken. Mit von der Partie sind auerdem Dines bliche Verdchtige: sein alter Ego, die Krhe, genannt Jimmy, und dessen Gefhrtin die Eule sind wiederkehrende Motive. Auch der Affe und der hlzerne Pinocchio erscheinen vielfach und in Variation. Letzterer ist von besonderer Bedeutung: Fasziniert von der literarischen Figur des Pinocchio, der sich wundersam von der hlzernen Marionette in einen Menschen wandelt und durch schlechtes Betragen wieder zur Holzpuppe erstarren kann, integrierte Dine ihn in seine Bilder, um verschiedenste Gefhle auszudrcken.

Die etwa 80 Exponate umfassende Ausstellung ist sehr expressiv, kurzweilig und kontrastreich. Durch die geschickte rumliche Bild-Anordnung und die Wiederkehr wechselnder Motive sind Aha-Erlebnisse vorprogrammiert. Dine spielte hier mit seinen Werkzeugen und lie eine fordernde Dynamik entstehen. Er stellte Schrfe Unschrfe und Farbenfreude Grautnen gegenber und kollagierte dabei viel und oft. Groe Fotodrucke scheinen einer inhaltlichen Linie folgend. Zugleich wird der Zuschauer schnell von einem Thema ins nchste gerissen. Durch die Bild- und Motivgre wird der Betrachter einserseits mit Fakten konfrontiert, doch Dine scheint gleichzeitig Fragen zu stellen. Die zentralen Motive und Figuren vermitteln Werte wie Familie, Treue, Tradition, Liebe, Vertrauen und spiegeln dabei die Gesellschaft. Durch eine ironische Komposition hinterfragen sich die Motive aber oft selbst. Insgesamt transportieren die (Selbst-) Portraits ein greifbares Gefhl von Nhe. Unmittelbar entsteht Intimitt und Dines emotionaler Kunst-Zugang geht auf den Zuschauer ber.

Ist der einzige Kritikpunkt der, dass die Ausstellung umfangreicher sein knnte, so ist dies gleichzeitig ein Kompliment. Die Fotoaustellung This is how I remember, now. Portraits macht neugierig auf mehr Jim Dine. Und wer bis zum 14. Dezember nicht in die Photographische Sammlung der SK Stiftung Kultur kommt, dem ist gedruckte Abhilfe geschafft: Zu der Ausstellung erschien im Steidl-Verlag der gleichnamige Bildband This is how I remember, now. Portraits. Photographs by Jim Dine. Der Bildband beinhaltet neben einer vervollstndigten Portrt-Sammlung zwei weiterfhrende Texte, die Jim Dines Leben und Wirken umreien und seine Ideen vermitteln. Der Verkaufspreis von 48 Euro reit jedoch ein recht groes Loch ins Studentenbudget. Ein weiterer Grund sich die sehenswerte Ausstellung zum fairen Eintrittspreis von 4,50 Euro (ermigt: 2 Euro) zu gnnen. Montags entfllt der Eintrittspreis sogar komplett.

Die SK Stiftung Kultur bietet gegen einen Aufpreis von 2 Euro bis einschlielich 14. Dezember 2008 an den Wochenenden ffentliche Fhrungen durch die Photographische Sammlung an, auch speziell fr Kinder. Weiterfhrende Infos und die Termine der Fhrungen gibt es unter www.sk-kultur.de. Und hier die wichtigsten Daten: Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Im Mediapark 7, 50670 Kln, Tel.: 0221 / 226 5900, Email: photographie@sk-kultur.de, ffnungszeiten: tglich von 14.00 19.00 Uhr (auer mittwochs, da ist geschlossen). Montags zum freien Eintritt!

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