Die Zeit der Vlkerwanderung ist wohl eine der am schwierigsten zu fassenden Zeitabschnitte der europischen Geschichte. Aber auch eine, die ihre Schatten am weitesten warf. Es handelt sich hierbei um eine Zeit, in der die meisten Umbrche innerhalb der verschiedenen Kulturen und Religionen passiert sind. Kriege und Plnderungszge dominierten das politische und gesellschaftliche Geschehen der einzelnen germanischen Stmme und des rmischen Reiches. Die Unruhen dieser Zeit verndern die politische Karte Europas grundlegend und der Fall Roms ist unausweichlich, genauso wie die Christianisierung Europas.

Diese schwierige Zeit ist nun in Zusammenarbeit mit dem Palazzo Grassi in Venedig und der cole franVaise de Rome in der Bundeskunsthalle durch rund 1000 Objekte von fast 70 Leihgebern und allerlei Kartenmaterial, wie auch einer animierten Europakarte fr 3 Monate erlebbar. Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und umfasst die Zeitspanne vom 2. bis zum 6. nachchristlichen Jahrhundert. Der Rundgang beginnt in den ersten beiden Themenrumen bei der Konfrontation zwischen den Rmern und den Barbaren, die durch das Expansionsbestreben des rmischen Reiches hervorgerufen wurden. Denn bereits im letzten vorchristlichen Jahrhundert hatten sich barbarische Stmme an Rhein und Donau formiert um dem rmischen Heer Einhalt zu gebieten. Selbst sich eigentlich feindlich gesinnte Stmme zogen gemeinsam gegen das rmische Reich in den Kampf, angestachelt durch den groen Reichtum und Wohlstand des Nachbarn. In den Ausstellungsrumen wird diese Konfrontation der germanischen Heerscher, die sich im laufe der Zeit bildeten und der rmischen Feldherren, sehr eindrucksvoll deutlich durch die einzelnen gezeigten Portrtbsten. Die Objekte der Begierde, wie goldene und silberne Luxusgter, aber auch reichverzierte Alltagsgegenstnde und Kriegsobjekte, wie Waffen und Helme ergnzen das Bild.

Weiter geht es durch die Zeit der Plnderungszge der Germanen. Ihren neugewonnenen Status demonstrierten die germanischen Krieger durch reiche Opfergaben und prunkvolle Beisetzungen. Somit dominieren diesen Teil des Rundganges die Grberfunde und die sogenannte Barbarenschtze das Bild. Aber die Zeit des endenden dritten Jahrhunderts war auch eine Zeit des Austausches zwischen dem Barbaricum und Rom, dies wird durch das Gold des Nordens dem Bernstein deutlich und deren Handelsrute quer durch ganz Europa.

Bei dem pltzlichen Einfall der Hunnen in das rmische Reich, im Jahre 375 handelt es sich eigentlich um den Beginn der Zeit der Vlkerwanderung. Um die Grenzen gegen den immer strker werdenden Feind zu wahren, lie Rom eine gewaltige Menge Gold flieen, die sich heute durch die Grabfunde erahnen lsst. Nun befinden sich in den Kriegsgrbern neben den reichverzierten Waffen, auch Schmuckstcke und andere Statusobjekte, wie beispielsweise goldene Pferdegeschirre.

Beendet wird die Ausstellung durch Objekte welche die Vermischung der verschiedenen Kulturen und Volkstmme deutlich macht. Wie das lteste Manuskript der Stiftsbibliothek St. Gallen. Es wird auf das Jahr 793 datiert und es handelt sich um eine Abschrift der Lex Salica, der Stammesgesetzte der Saalfranken, beschlossen durch den Merowingerknig Chlodwig I., der sich als Barbarenherrscher als Erbe der rmischen Kaiser und Gesetzgeber ansieht.

Trotz der Flle an Kartenmaterial und erluternder Texttafeln muss leider bemngelt werden, dass bei den einzelnen Grber noch Erklrungsbedarf herrscht. So befinden sich zwar neben den Vitrinen Texttafeln, auf denen die Gegenstnde erlutert werden und wo man dieses Grab gefunden hat, doch leider kann man nicht alle Ortsnamen geographisch einordnen. Hier fehlt eindeutig das Kartenmaterial, auch wrde eine Planzeichnung der Grber die Ausstellung sicherlich bereichern. Sehr gut sind hingegen die Karten der Wanderungen und Kriegszge der barbarischen Volksstmme gestaltet, wie auch die Bilder zu den einzelnen Fundstcken. So wird in farbigen Zeichnungen deutlich, wie man sich die Funde an einem Pferd oder einem Krieger vorzustellen hat.

Da es sich hierbei um eine sehr komplexe Zeit in gesellschaftlicher, politischer wie auch kultureller Hinsicht handelt, wurde die Ausstellung durch ein breites Sonderprogramm zu den einzelnen Themengebieten, wie beispielsweise den Kriegsschiffen der Rmer, oder auch der Bernsteinstrasse ergnzt. Auerdem kann man das Ende der Vlkerwanderung in einer weiteren Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum mit dem Titel Die Langobarden nher vertiefen.


ffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch 10-21 Uhr; Donnerstag Sonntag 10-19 Uhr
ffentliche Turnusfhrungen: Dienstag und Mittwoch 18 Uhr; Donnerstag und Freitag 14 Uhr; Samstag, Sonntag wie Feiertags 11 und 16 Uhr.
Eintritt: 8,- ; Ermigt 5,- ; Familienkarte 14,-
Katalog zur Ausstellung 29,-

Weiter Informationen unter: www.bundeskunsthalle.de

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