In einer ungewhnlichen Retrospektive prsentiert das Museum Ludwig Arbeiten Tobias Rehbergers aus ber 15 Jahren. Der 1966 in Esslingen geborene Knstler ist nicht nur Maler, sondern ebenso Bildhauer und Architekt. Davon zeugen auch seine Arbeiten, die ein Cross-Over aus Kunst, Design und Architektur darstellen. Rund 40 Werke werden in einer 70 Meter langen Installation zur Schau gestellt. Lampen aus Klettband, Videoregale, Blumenvasenportraits sowie Objekte aus Plexiglas sind nur einige ausgewhlte Arbeiten dieser Installation. Aus verschiedenen Winkeln beleuchtet, werfen die alten Werke schwarze wie auch farbige Schattenbilder auf die gegenberliegende weie Wand, auf der ein neues Kunstwerk entsteht und zwar aus Licht, Schatten und Farbe, whrend das alte Werk in neuem Glanz erstrahlt.

Mit dieser ausgefallenen Konstruktion schafft Rehberger aus seinen dreidimensionalen Arbeiten ein neues zweidimensionales Werk. Dennoch bleiben die Objekte im Raum voneinander abhngig. Zwar bedecken flchtige Skizzen die Wand, welche die projizierten Schatten ergnzen, doch mit dem Verlschen des Lichtes wrde auch das Wandbild zum Groteil verschwinden. Licht ist essentielles Material, das genutzt wird, und dies auf sehr vielfltige Weise.

Mit dieser Ausstellung geht Rehberger einigen Fragen nach, die ihn beschftigen. Was ist eine Arbeit? Woher kommt sie und wie entwickelt sie sich? Und wie gestaltet sich dabei die Rolle des Knstlers als Autor? Rehberger erklrt den Begriff Wandgemlde (wall painting) mit der Struktur der Ausstellung, whrend die Henne-und-Ei-Problematik auf das Konzept verweist, existierende Arbeiten als Ausgangsmaterial fr eine neue Produktion zu nutzen.

Aber kann man ein solches Konzept als Retrospektive bezeichnen? Oder steht vielmehr die Schaffung eines neues Kunstwerkes im Vordergrund?
Rehberger hatte im Vorfeld angekndigt, dass es keine Retrospektive geben wrde, obwohl die Aufgabe, Arbeiten aus 15 Jahren zu prsentieren, dies geradezu herausfordert. An einer historischen Herangehensweise und damit an einem retrospektiven Ansatz sei ihm aber nicht gelegen gewesen. Vielmehr habe er berlegt, was aus seiner Sicht an einer Ausstellung interessant sein knnte, die aus bereits existierenden Werken besteht, und wie er bislang nicht existierende Arbeiten schaffen knnte: Dann stellte sich die Frage, wie man daraus ein attraktives visuelles Produkt machen knnte, das anderen Menschen mein Werk verstndlich macht, aber auch mir selbst ein neues Verstndnis meines eigenen Werks vermittelt, fasst Rehberger sein Konzept zusammen.

Diese Aufgabenstellung hat zu der aktuellen Installation gefgt, die letztlich nur eine Frage offen lsst: Was war zuerst da, die Henne oder das Ei? Ist die Wandmalerei ohne die lteren Skulpturen berhaupt mglich, wie das Ei ohne die Henne? Und sind umgekehrt diese Arbeiten ohne die Wandskizzen denkbar? Ist die Henne ohne das Ei mglich? Wie Henne und Ei stehen sich Tobias Rehbergers dreidimensionales und zweidimensionales Werk gegenber.


Die Ausstellung ist noch bis zum 21.09. 2008 im Museum Ludwig zu sehen. Weitere Informationen auf www.museenkoeln.de/museum-ludwig

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