Alter Mann mit Turban
   
 

   
 

   
Man stelle sich einen zehnjhrigen Knaben vor, der beschliet, einmal einen echten Rembrandt zu besitzen. Dieser Junge sah im Amsterdamer Rijksmuseum Rembrandts die Jdische Braut und hegte fortan diesen ungewhnlichen Wunsch. Viele Jahre spter sollte sich schlielich sein Traum erfllen.

Dies ist keinesfalls der Beginn eines Hollywood-Streifens, sondern die Geschichte des Niederlnders George Kremer. Mittlerweile besitzt der Kunstsammler bereits mehr als nur einen Rembrandt. Seit 1995 hat das Ehepaar Kremer achtundvierzig Meisterwerke aus dem Goldenen Jahrhundert der Niederlande gesammelt. Glanzstck der Sammlung ist Rembrandts berhmtes Werk Alter Mann mit Turban.
Rembrandt gilt als einer der bedeutendsten Maler des 17. Jahrhunderts; neben der Malerei war er auch ein Meister der Radierung und Druckgraphik. Generell galt der Stil der niederlndischen Maler des 17. Jahrhunderts zu deren Zeit als etwas Neuartiges, auch sehen viele die Maler als Wegbereiter des erst 200 Jahre spter aufkommenden Impressionismus.
Neben Rembrandt besitzt Kremer auch weitere Werke niederlndischer Knstler wie etwa Gerrit Dou, Frans Hals, Pieter de Hooch, Hendrick ter Brugghen, Gerrit van Honthorst oder Michael Sweerts. Smtliche Bilder der Sammlung knnen nun erstmals in einer Sonderaustellung im Wallraf-Richartz-Museum besichtigt werden.

Anzusehen sind die Werke in einem eindrucksvollen Ambiente: Einerseits modern und schick mit mehreren Chesterfield-Sofas mittig positioniert, andererseits Barock-anmutend mit dicken weien Kronleuchtern zwischen den Sulen, bietet ein in wei gehaltener und in einem Rundbogen angelegter Raum eine intime Atmosphre und einen gelungenen Kontrast zu den in klassischen Rahmen eingefassten Bildern, deren krftige Farben ob des Raumkonzeptes umso eindringlicher erstrahlen. Angefangen bei dem ersten Werk Bildnis eines spanischen Grande von Adriaen Thomasz Key schreitet man spiralfrmig durch den Raum und ersieht so nach und nach die achtundvierzig Bilder der Sammlung.

Dabei erffnet sich eine Vielfalt an szenischen Motiven. So sind auch einige Portraits darunter, wie beispielsweise die Schferin von Paulus Moreelse oder Junges Hausmdchen von Michael Sweerts, die unter anderem mit einer fr diese Zeit typischen Schatten- und Lichttechnik gemalt, eine einnehmende und kaum zu erfassende Emotionalitt der Gesichter transportieren, wodurch einem auch nach lngerer Betrachtung das Gefhl beschleicht, die Szenerie nicht vollstndig erfasst zu haben. Von beinah allen Bildern der Sammlung geht diese ambivalente Atmosphre von Nhe und Distanz aus. Den Landschaftsbildern sind auch viele kleine Details eigen, die im Gesamten wie fotografiert wirken und Geschichten aus vergangener Zeit zu erzhlen vermgen. Zu nennen sind hier insbesondere die Eisszene vor einem Gasthof von Isack von Ostade und die Kstenlandschaft mit antiken Ruinen von Jan Baptist Weenix. Neben der genannten Motiven sind auch etliche eindrucksvolle Stilleben und Rembrandtsche Kupferplatten zu betrachten. Grundstzlich sollte fr die Besichtigung gengend Zeit mitgebracht werden, da man sich rasch in der Betrachtung der Werke verliert.

Wer nach dem Besuch der Kremersammlung noch Lust versprt, mehr zu besichtigen, dem bietet sich ergnzend die Mglichkeit, im Haus weitere Ausstellungen zu begehen sowie die museumseigene Sammlung von Rembrandts Radierungen und Kupferstichen anzusehen. Verbunden ist damit auch ein vom Wallraf und dem Museumsdienst Kln entworfenes Quiz, welches die Sonderaustellung mit der museumseigenen Sammlung verbindet. Die Besucher fllen verschiedenen Fragen zur Ausstellung aus und haben dadurch die Chance verschiedene Gewinne wie etwa eine Jahreskarte im Wallraf oder ein Katalog der KremerAusstellung zu gewinnen. Wer jetzt knifflige, nur den Kunstkenner lsbare Rtsel erwartet, kann getrstet werden: Mit einem Blick frs Detail knnen diese Fragen rund um die niederlndischer Malerei des 17. Jahrhunderts auch von ,,fachferneren Besuchern gelst werden.



Die Ausstellung Rembrandt, ein Jugendtraum. Die Sammlung Kremer ist vom 11. Juni - 5.Oktober 2008 im Wallraf Museum zu sehen. Weitere Infos unter www.museenkoeln.de/wallraf.

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