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Jahrelang schlummerten große und kleine Schätze in schwarz-weiß in der Schatztruhe von L. Fritz und Renate Gruber. Schätze, die heute einzeln mehr wert sind als ein dickes Goldnugget. Vieles blieb der Öffentlichkeit bislang verborgen und mit dem Eintritt in die hellen Räume der SK Stiftung Kultur Köln im Mediapark ist es als tauche man in eine faszinierende Welt des Geheimnisvollen und Skurrilen ein. Es handelt sich um Photographien des im November 1976 in Paris verstorbenen Künstlers Man Ray. Gruber und ihn verband von 1956 bis zu Rays Tod eine lange Freundschaft. Grund genug, um die schwarz-weißen Schätze zumindest vorübergehend an ihren wahren Platz zu führen. An helle, weiße Ausstellungswände. So wurde am 15.5. die Ausstellung „Man Ray und L. Fritz Gruber – Jahre einer Freundschaft 1956 bis 1976“ in den Räumen der SK Stiftung Kultur Köln im Mediapark 7 eröffnet. Diese konnte L. Fritz Gruber leider nicht mehr miterleben. Am 30. März 2005 verstarb er im Alter von 96 Jahren, kurz nachdem das Projekt der Ausstellung verabschiedet worden war. In einem Nebenraum der Ausstellung ist ein Film über Gruber, seine Freundschaft zu Man Ray und beider Leidenschaft zur Photographie zu sehen. Er dient, wie die zahlreichen Photographien, mehr als Spiegel der Freundschaft als einer bloßen Ausstellung großartiger Kunst. Das Projekt besticht durch Details und eine Mischung aus Kunst und Techniken sowie Einblicke in das Leben der beiden Freunde. So erfährt man im Film von Gruber, während dieser zahlreiche Hüte auf seinem Kopf präsentiert, „Ich habe immer Hüte getragen. Sie sind Ausdruck von Kultur und Eitelkeit. Leider hat uns das Auto die Hüte abgewöhnt“. Ungewöhnliche Blickwinkel sind das versteckte Motto der Ausstellung. Eine ganze Wand wurde Rays Porträtaufnahmen gewidmet, die nicht nur Ästhetik, sondern auch Zeitgeist reflektieren. Schade nur, dass die Aufnahmen nicht beschriftet sind, denn viele Porträtierten werden gerade den jüngeren Besuchern unbekannt sein. Doch die Aufnahmen wirken auch als pure Fotoobjekte und die Notiztafel neben den schwarz-weißen Schätzen zeigt wieder diesen Blickwinkel. Ray bewertete die Personen seiner Porträts. Auf den Rückseiten, von denen einige exemplarisch dargestellt sind, finden sich unter den Namen kurze Bemerkungen und ein Punktesystem von 0 bis 20. Seine Frau Juliet erhielt natürlich die Bestnote 20. Interessant seine Beziehung zum Maler John Augustus, der „also as interesting to me as I am to him“ ist. Und dafür glatte 0 Punkte bekommt. Marcel Proust, fotografiert auf dem Sterbebett, kommt ebenso schlecht weg. Und Renate Gruber weiß zu berichten „Proust und Ray konnten sich absolut nicht ausstehen.“ Rays Vorliebe für skurrile und geheimnisvolle Personen mit einer Geschichte zeigt sich besonders deutlich an den Porträts von Salvador Dali, Meret Oppenheim, Virginia Woolf und Pablo Picasso. Auch im Alltagsleben liebte Ray es, geheimnisvoll und auch ein bisschen verrückt zu sein. „Er liebte es, Jahreszahlen zu verdrehen und Geschichten falsch zu erzählen, nur um zu überprüfen, ob sein Gegenüber aufgepasst hat“, berichtet Renate Gruber lachend und fährt fort „Ray war von beiden Freunden der Ältere, doch von seiner Art sich auszudrücken war er definitiv der Jüngere“. Das spiegelt sich auch in Rays Experimentierfreudigkeit wieder. Exzentrische Formen und Objekte kriegen auf Rays Photographien ein neues Gesicht, darunter Straußeneier, Pfirsiche und der „Baum an der Böschung“, ein dünner Baum mit einem alten verlassenen Schlitten. Sehr intensiv. Wie alle von Rays Werken. Ein besonderer Anziehungspunkt ist jedoch ein separater Raum, in dem Bilder von Rays Atelier in der 2bis rue Ferou ausgestellt sind, in dem er von 1951 bis 1976 lebte und künstlerte. „In diesen Räumen war es so feucht und kalt, das können sie sich nicht vorstellen“, weiß der Kunsthistoriker Herbert Moldering, der die Photographien im Frühjahr 1979 in Paris aufnahm. Auch hier finden sich ungewöhnliche Detailaufnahmen, die den Betrachter gefangen nehmen. So afrikanische Skulpturen, ein Tigerteppich auf dem Stuhl oder Zigarettenstummel neben einem Uhrwecker. Es war 15:33 Uhr. Begleitend zur Ausstellung von „Man Ray und L. Fritz Gruber – Jahre einer Freundschaft 1956 bis 1976“ werden photographische Arbeiten von Sigmar Polke aus der Privatkollektion von Ute und Eberhard gezeigt. Hier zeigen sich große Schnittmengen mit der Hauptausstellung, denn auch Polke hat einen Blick für ungewöhnliche Motive und Details, die an Virtuosität grenzen. Besonders beeindruckend sind seine riesigen Himmelsbilder, die den Betrachter förmlich aufsaugen. „Mit diesen Aufnahmen öffnet Polke einen Assoziationsraum auf der Grundlage natürlicher Phänomene, der sich nur mit der Phantasie des Betrachters individuell erschließen lässt“, heißt es im Pressetext. Seine Werke tauchen fast nur „in Rudeln“ auf, mehrere Exponate zu einem Thema erschließen ein Gesamtwerk, so die fantastische Umsetzung von „Rheingold“ und „Angst“. Beide Ausstellungen ergänzen sich hervorragend und bieten einen umfassenden Einblick in ganz individuelle und doch so ähnliche Künstlergeschichten und –freundschaften. Ganz wichtig: Man sollte sich für diese Ausstellungen Zeit nehmen, denn nicht alle Details und Geschichten hinter den Werken eröffnen sich gleich auf den ersten Blick. Schwer ist das aber nicht, denn die Zeit verfliegt in diesen Räumen im Nu. Ein Besuch, der sich lohnt. Die Ausstellung läuft bis zum 31. August, täglich von 14 bis 19 Uhr (Mittwochs geschlossen). Es werden regelmäßig öffentliche Führungen sowie Kinderführungen angeboten. Für weitere Informationen siehe www.sk-kultur.de
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