Man Ray: Kiki, 1926
   
 

Man Ray: Solarisation, 1931
   
 

Man Ray: Rayographie 1962-1963
   
 

Man Ray: Rayographie, 1923, 1958/1959
   
Jahrelang schlummerten groe und kleine Schtze in schwarz-wei in der Schatztruhe von L. Fritz und Renate Gruber. Schtze, die heute einzeln mehr wert sind als ein dickes Goldnugget. Vieles blieb der ffentlichkeit bislang verborgen und mit dem Eintritt in die hellen Rume der SK Stiftung Kultur Kln im Mediapark ist es als tauche man in eine faszinierende Welt des Geheimnisvollen und Skurrilen ein. Es handelt sich um Photographien des im November 1976 in Paris verstorbenen Knstlers Man Ray. Gruber und ihn verband von 1956 bis zu Rays Tod eine lange Freundschaft. Grund genug, um die schwarz-weien Schtze zumindest vorbergehend an ihren wahren Platz zu fhren. An helle, weie Ausstellungswnde. So wurde am 15.5. die Ausstellung Man Ray und L. Fritz Gruber Jahre einer Freundschaft 1956 bis 1976 in den Rumen der SK Stiftung Kultur Kln im Mediapark 7 erffnet.

Diese konnte L. Fritz Gruber leider nicht mehr miterleben. Am 30. Mrz 2005 verstarb er im Alter von 96 Jahren, kurz nachdem das Projekt der Ausstellung verabschiedet worden war. In einem Nebenraum der Ausstellung ist ein Film ber Gruber, seine Freundschaft zu Man Ray und beider Leidenschaft zur Photographie zu sehen. Er dient, wie die zahlreichen Photographien, mehr als Spiegel der Freundschaft als einer bloen Ausstellung groartiger Kunst. Das Projekt besticht durch Details und eine Mischung aus Kunst und Techniken sowie Einblicke in das Leben der beiden Freunde. So erfhrt man im Film von Gruber, whrend dieser zahlreiche Hte auf seinem Kopf prsentiert, Ich habe immer Hte getragen. Sie sind Ausdruck von Kultur und Eitelkeit. Leider hat uns das Auto die Hte abgewhnt.

Ungewhnliche Blickwinkel sind das versteckte Motto der Ausstellung. Eine ganze Wand wurde Rays Portrtaufnahmen gewidmet, die nicht nur sthetik, sondern auch Zeitgeist reflektieren. Schade nur, dass die Aufnahmen nicht beschriftet sind, denn viele Portrtierten werden gerade den jngeren Besuchern unbekannt sein. Doch die Aufnahmen wirken auch als pure Fotoobjekte und die Notiztafel neben den schwarz-weien Schtzen zeigt wieder diesen Blickwinkel. Ray bewertete die Personen seiner Portrts. Auf den Rckseiten, von denen einige exemplarisch dargestellt sind, finden sich unter den Namen kurze Bemerkungen und ein Punktesystem von 0 bis 20. Seine Frau Juliet erhielt natrlich die Bestnote 20. Interessant seine Beziehung zum Maler John Augustus, der also as interesting to me as I am to him ist. Und dafr glatte 0 Punkte bekommt. Marcel Proust, fotografiert auf dem Sterbebett, kommt ebenso schlecht weg. Und Renate Gruber wei zu berichten Proust und Ray konnten sich absolut nicht ausstehen.

Rays Vorliebe fr skurrile und geheimnisvolle Personen mit einer Geschichte zeigt sich besonders deutlich an den Portrts von Salvador Dali, Meret Oppenheim, Virginia Woolf und Pablo Picasso. Auch im Alltagsleben liebte Ray es, geheimnisvoll und auch ein bisschen verrckt zu sein. Er liebte es, Jahreszahlen zu verdrehen und Geschichten falsch zu erzhlen, nur um zu berprfen, ob sein Gegenber aufgepasst hat, berichtet Renate Gruber lachend und fhrt fort Ray war von beiden Freunden der ltere, doch von seiner Art sich auszudrcken war er definitiv der Jngere. Das spiegelt sich auch in Rays Experimentierfreudigkeit wieder. Exzentrische Formen und Objekte kriegen auf Rays Photographien ein neues Gesicht, darunter Straueneier, Pfirsiche und der Baum an der Bschung, ein dnner Baum mit einem alten verlassenen Schlitten. Sehr intensiv. Wie alle von Rays Werken. Ein besonderer Anziehungspunkt ist jedoch ein separater Raum, in dem Bilder von Rays Atelier in der 2bis rue Ferou ausgestellt sind, in dem er von 1951 bis 1976 lebte und knstlerte. In diesen Rumen war es so feucht und kalt, das knnen sie sich nicht vorstellen, wei der Kunsthistoriker Herbert Moldering, der die Photographien im Frhjahr 1979 in Paris aufnahm. Auch hier finden sich ungewhnliche Detailaufnahmen, die den Betrachter gefangen nehmen. So afrikanische Skulpturen, ein Tigerteppich auf dem Stuhl oder Zigarettenstummel neben einem Uhrwecker. Es war 15:33 Uhr.

Begleitend zur Ausstellung von Man Ray und L. Fritz Gruber Jahre einer Freundschaft 1956 bis 1976 werden photographische Arbeiten von Sigmar Polke aus der Privatkollektion von Ute und Eberhard gezeigt. Hier zeigen sich groe Schnittmengen mit der Hauptausstellung, denn auch Polke hat einen Blick fr ungewhnliche Motive und Details, die an Virtuositt grenzen. Besonders beeindruckend sind seine riesigen Himmelsbilder, die den Betrachter frmlich aufsaugen. Mit diesen Aufnahmen ffnet Polke einen Assoziationsraum auf der Grundlage natrlicher Phnomene, der sich nur mit der Phantasie des Betrachters individuell erschlieen lsst, heit es im Pressetext. Seine Werke tauchen fast nur in Rudeln auf, mehrere Exponate zu einem Thema erschlieen ein Gesamtwerk, so die fantastische Umsetzung von Rheingold und Angst.

Beide Ausstellungen ergnzen sich hervorragend und bieten einen umfassenden Einblick in ganz individuelle und doch so hnliche Knstlergeschichten und freundschaften. Ganz wichtig: Man sollte sich fr diese Ausstellungen Zeit nehmen, denn nicht alle Details und Geschichten hinter den Werken erffnen sich gleich auf den ersten Blick. Schwer ist das aber nicht, denn die Zeit verfliegt in diesen Rumen im Nu. Ein Besuch, der sich lohnt.

Die Ausstellung luft bis zum 31. August, tglich von 14 bis 19 Uhr (Mittwochs geschlossen).
Es werden regelmig ffentliche Fhrungen sowie Kinderfhrungen angeboten. Fr weitere Informationen siehe www.sk-kultur.de


Artikel drucken