"Das Paar" von Renoir (um 1868) mit Rntgenbild,
das eine andere Komposition sichtbar macht
   
 

Heuschober von Claude Monet ,
Effekt bei Raureif (1891)
   
 

Die Lichtung von Henri-Edmond Cross (1906-7)
mit Kartierung des bermalten Rasternetzes
mit Mikroskopaufnahme
   
 

Restauratorin bei Stereomikroskopie
im Atelier Restaurierung im Wallraf Richartz Museum
   
Was ist eine Impression? Wie vermag der Maler diese Impression einzufangen? Und hat er wirklich im Freien gemalt? Dies sind nur einige Fragen, mit denen sich die Ausstellung Impressionismus Wie das Licht auf die Leinwand kam auseinander setzt. Anhand von rund 130 Exponaten der impressionistischen und postimpressionistischen Malerei begibt sie sich auf die Suche nach Entstehung und Besonderheiten dieser Gemlde. Caillebotte, Gaugin, Manet, Monet, Pissarro, Renoir, Signac und Van Gogh mit Hilfe modernen Techniken wie Stereomikroskopie, naturwissenschaftlicher Materialanalyse sowie Rntgen-, Ultraviolett- und Infrarotstrahlung werden die Kunstwerke dieser impressionistischen Meister unter die Lupe genommen und Erstaunliches zutage gefrdert. Dabei orientiert sich die Ausstellung an sechs Leitfragen, nach denen sie in einzelne Stationen gegliedert ist und den Besucher von der Produktion bis hin zur heutigen Rezeption des Impressionismus fhrt.

Zunchst stellt sich die grundlegende Frage: Was ist eine Impression? Wem verdankt diese populre Kunststrmung ihren Namen? Die zunchst geringschtzige Bezeichnung durch den zeitgenssischen Kritiker Louis Leroy, der sich damit auf ein Gemlde Monets mit dem Namen Impression, soleil levant (Impression, aufgehende Sonne, 1872) bezog, sollte erhalten bleiben und die Vermittlung des flchtigen Sinneseindrucks namentlich ins Zentrum stellen. Eine ungewohnt Farbgebung und die intensive Beschftigung mit Licht bildeten die wesentlichen Charakteristika der neuen Strmung. Der Besucher findet die Gelegenheit, an ausgestellten Beleuchtungsmodellen die Bestrahlung von direktem Licht und Streulicht nach eigenem Gutdnken einzustellen und die farblichen Vernderungen der angestrahlten Objekte zu beobachten. Die zur Seite gestellten Bilder Monets, die allesamt einen Heuschober zu unterschiedlichen Jahres- und Tageszeiten darstellen, geben bildliches Zeugnis fr das Interesse des Malers an diesem Phnomen.

Doch welches Material stand ihm und seinen Knstlerkollegen damals zur Verfgung? In einem zweiten Abschnitt prsentiert die Ausstellung die Malutensilien des 19. Jahrhunderts und hebt insbesondere den Einfluss des technischen Fortschritts auf die Malerei hervor. Neu entdeckte Farbtne, die Erfindung der Tubenlfarben sowie der neu erfundene Borstenpinsel erweiterten die knstlerischen Mglichkeiten. Einige illustrierende Kunstwerke allerings verweisen auch auf ungewhnliches Arbeitsmaterial: So nutzt van Rysselberghe eine Zigarrenkiste statt einer Leinwand, whrend Courbet nur mit Hilfe eines Spachtels einen Meeresstrand (1865) erschafft.

Die dritte Leitfrage beschftigt sich mit dem Ort des malerischen Geschehens. Kann man bei den Impressionisten berhaupt von Freiluftmalerei sprechen? Setzten sich die Knstler wirklich Wind und Wetter aus? Oder wurde doch innerhalb des immer trockenen und warmen Ateliers gemalt? Untersuchungen, die beispielsweise Sandkrner oder Pappelknospen in die Farben der Gemlden eingetrocknet fanden, besttigen zumeist die Pleinairmalerei. Auch der aufmerksame Betrachter kann diese gesicherten Spuren bei genauerem Hinsehen in den Bildern erkennen.

Eng verbunden mit diesem Problem ist der Aspekt spontan oder strategisch. Haben die Maler ihre Bilder wirklich nur in wenigen Stunden auf die Leinwand gezaubert oder liegt den Werken eine ausgefeilte Komposition zugrunde? Mittels Infrarot- und Rntgenstrahlen wird den Bildern buchstblich auf den Grund gegangen und so manches Kunstwerk als akribische (Vor-) Studie entlarvt.

Die zumeist skizzenhafte Malweise, Resultat der Pleinairstudien, fhrte bei den zeitgenssischen Kritiker oft zu der Frage: Wann war ein Bild fertig? Der Verzicht auf Signatur und Firnisauftrgen erschwerte zudem die Bestimmung nach der Abgeschlossenheit des Werkes. Zum visuellen Vergleich der damaligen kontrren Kunststrmungen werden in diesem Abschnitt der Ausstellung neben impressionistischen Kunstwerken auch Gemlde gezeigt, die noch der klassischen Malerei verhaftet sind. Ausgesuchte Komposition und Ausarbeitung kontrastieren mit den flchtigen Bildern des Impressionismus.

In einem letzten Schritt widmet sich die Ausstellung der Frage, wie wir die Bilde heute rezipieren. Farbvernderungen an den Bildern durch Nachdunkeln der Farben, Schmutzablagerungen oder gar Nachbesserungen fremder Hand hindern uns daran, die Bilder und das in ihnen eingefangene Licht so zu sehen, wie der Knstler sie gemalt hat. Anhand von Produktionen wird dem Besucher ein Eindruck der ursprnglichen Leuchtkraft mancher Gemlde vermittelt.

Wer sich ber die genussvolle Betrachtung impressionistischer Bilder hinaus fr Geschichte und Rezeption dieser Kunststrmung interessiert, dem ist diese Sonderausstellung nur zu empfehlen. Naturwissenschaft als Hilfsmittel fr malerische Umsetzungsmglichkeiten sowie moderne Techniken zur Bestimmung von materiellen und produktionssthetischen Besonderheiten zeugen von einer spannenden und fruchtbaren Verbindung zwischen Kunst und Forschung. Zudem profitiert die Ausstellung von zahlreichen Leihgaben bekannter Museen, wie des Pariser Muse d`Orsays oder des Art of Institute of Chicago. Eine Fahrt nach Kln lohnt sich fr den Kunstliebhaber auf jeden Fall.


Die Ausstellung ist noch bis zum 22.06.2008 zu sehen.
Weitere Informationen gibt es auf der
Homepage des Wallraf-Richartz-Museums

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