Universe
   
 

Ink drawing-No.10, 1986
   
 

Under see series, 2002
   
Unter Tuschmalerei kann man sich in Europa vielleicht im ersten Moment nicht viel vorstellen. In Asien jedoch hat diese Kunstform eine lange Tradition. Zhou Jun ist ein chinesischer Tuschmaler und herausragender Reprsentant der Post-Traditionalisten. Sein Stil ist von Vernderungen und Umbrchen geprgt, ebenso wie die neuere chinesische Geschichte.

Wer die Ausstellung betritt und einen Blick auf das Bild im Stil des sozialistischen Realismus, das einen Arbeiter, einen Jugendlichen und eine Gebildete bei der Optimierung der Produktion in einer Fabrik zeigt, wirft, wird wohl staunen, wenn er spter die groformatigen Universen erblickt, die keinen real existierenden Ort darstellen. Es ist derselbe Knstler, aber es liegen Jahrzehnte dazwischen.

Der Knstler wurde 1955 in Shanghai geboren. Whrend der Kulturrevolution arbeitete er in einer Fabrik. Von den Werken Zhou Juns aus dieser Zeit sind nicht viele erhalten geblieben, aber er malte damals viele groformatige Portrts von Mao Zedong. In dem Bild Daten, an die ich mich erinnere (1976) stellt Zhou Jun markante Ereignisse der Kulturrevolution dar.
Nach der Kulturrevolution studierte und lehrte der Tuschmaler zunchst in Shanghai an der Shanghai Normal University und spter auch an der Zentralen Kunstakademie in Beijing. In dieser Zeit unternahm er auch Studienreisen, auf denen er einige der vielen ethnischen Minderheiten, die in China beheimatet sind, besuchte, wie zum Beispiel in Yunnan oder Sichuan. Durch Tuschportrts dieser Menschen und von Alltagsszenen aus deren Leben, beispielsweise Wasser schpfen oder Lasten schleppen, konnte sich der Knstler ganz von der Politik abwenden. Oft sind diese Bilder nur schwarz und grau, oder haben nur wenig Farbe, mit der ein wirkungsvoller Akzent gesetzt wird. In dieser Darstellung von Figuren spiegeln sich die chinesischen Pinseltechniken der Kalligraphie wider.

Seit 1989 lebt und arbeitet er in den Niederlanden. So hat Zhou Jun auch im Austausch mit westlichen Maltraditionen seinen Stil weiterentwickelt: Seit den neunziger Jahren hat der Knstler damit begonnen, dunkle, verlassene, ja unheimliche groformatige Universen auf Papier zu bannen, die mit dem sozialistischen Realismus von einst nicht mehr viel gemein haben. In diesen geistigen Landschaften, die auf den Betrachter monumental wirken, schafft es der Knstler in expressiver Weise seiner neuen Form der Tuschmalerei Ausdruck zu verleihen. Zwar kann man auch in diesen Bildern noch Elemente der klassischen chinesischen Tuschmalerei erkennen, jedoch sind sie verfremdet.

Zhou Jun belebt die chinesische Tuschmalerei auf eine neue Weise. Es ist uerst spannend, durch die Ausstellung zu gehen, die Entwicklung von Zhou Juns Stil zu beobachten und zu gleicher Zeit den Wandel Chinas daran zu erkennen. Diese Ausstellung ist ein absolutes Highlight und ein Muss fr jeden Liebhaber moderner chinesischer Kunst.

Die Ausstellung Zhou Jun ein chinesischer Tuschmaler der Gegenwart wird vom 10. November 2007 bis zum 20. April 2008 im Museum fr Ostasiatische Kunst in Kln gezeigt.
Eintritt: 6,50 / ermigt 3,50

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