Kopf-Studie zur Leda
   
 

Leda mit dem Schwan von Francesco Brina
   
 

Florentinische Festung
   
Bildhauer, Maler, Baumeister und Dichter Michelangelo ist einer der bedeutendsten Knstler der italienischen Renaissance. Seine Werke, wie die kolossale Skulptur des David und seine Decken- und Wandgemlde in der Sixtinischen Kapelle in Rom, sind weltberhmt. Das Rheinische Landesmuseum widmet nun eine Ausstellung der Zeichenkunst des Universalknstlers und zeigt sechs seiner Originalzeichnungen.

Thematischer Mittelpunkt der Ausstellung ist ein Gemlde Michelangelos, das es gar nicht mehr gibt: Das l-Gemlde Leda mit dem Schwan wurde zwischen 1642 und 1643 von Anna von sterreich, der Mutter des franzsischen Knigs Ludwig XIV aufgrund seines obsznen Gehalts verbrannt. Das Bild zeigte die nackte Frauengestalt der Leda in inniger Umarmung mit dem in einen Schwan verwandelten Gott Zeus. Wenn man bedenkt, dass auf dem ca. 1,61 m hohen und 2,50 m breiten Originalgemlde die muskulse, unbekleidete Gestalt Ledas berlebensgro zu sehen war, und dann noch im scheinbaren Liebesspiel mit dem Federvieh, kann man erahnen, welchen Eindruck das Gemlde auf die feinen Damen am Hofe Ludwigs gemacht haben muss. In der Ausstellung zu sehen ist nun eine Kopf-Studie Michelangelos, die dieser zu seinem Gemlde angefertigt hatte, sowie Kopien und Stiche verschiedener Knstler, die sich mit dem Leda-Thema auseinander gesetzt haben. Ihr Zusammenspiel lsst das zerstrte Werk Michelangelos vor dem geistigen Auge entstehen.

Den zweiten Teil der Ausstellung bilden vier groformatige Entwrfe zum Florentiner Festungsbau. Dies Zeichnungen sind ein wichtiges Zeugnis der florentinischen Geschichte und reprsentieren die brisante Situation, in der sich Michelangelo zu der Zeit befand, denn der Knstler hatte sich gegen seine wichtigsten Auftraggeber, die Medici, entschieden und sich der aufstndischen Heimatstadt Florenz als Festungsbaumeister zur Verfgung gestellt. Eine virtuelle Animation zeigt, wie die Entwrfe Michelangelos htten aussehen knnen und macht das abstrakte Thema fr die Besucher greifbar.

Die Ausstellung ist vom Umfang her zugegebener Maen sehr klein gehalten, lsst einem aber gerade im Zusammenspiel mit dem Audio-Guide einen spannenden Blick auf die Irrungen und Wirrungen Italiens im 16.Jahrhundert werfen: Von der Flucht der Medici bis zur Ausrufung der zweiten florentinischen Republik, zwischen Machtkmpfen und Knstlerkult.

Die Ausstellung geht vom 12. September bis zum 28. Oktober.
Mehr informationen zum Museum und dem Rahmenprogramm gibt es unter www.rlmb.lvr.de.


Artikel drucken