Zu sehen sind die Arbeiten von 10 jungen Knstlern aus umliegenden Kunsthochschulen, die den Dialog mit den Altmeistern der Konzeptkunst aufnehmen und die Ideen hinter dieser Kunstrichtung weiterentwickeln und in das 21.Jahrhundert transportieren.

Wer mit dem Sujet vertraut ist, wird eine Vielzahl von Zitaten entdecken, die auf Werke der Konzeptkunst der 60er/70er Jahre verweisen. So beispielsweise der Stuhl von Monika Stricker, der direkt zu Beginn der Ausstellung den Bogen zu Konzeptgromeister Joseph Kosuth schlgt. Der amerikanische Knstler gilt als einer der Mitbegrnder und Hauptvertreter der Conceptual Art und schuf im Jahre 1965 mit seinem Werk "One and three chairs" ein Schlsselwerk, mit dem er gleichsam den Stuhl zum Symbol der Konzeptkunst schlechthin erhob. Whrend Kosuth in seiner Arbeit das Thema Stuhl in dreierlei Weise vorfhrt, indem er einen echten Stuhl mit einer Fotografie desselben Stuhles in Originalgre sowie einem abfotografiertem Lexikoneintrag zum Begriff Stuhl miteinander kombiniert, schafft Stricker mit Ihrem lila-metallic-glnzenden Klappstuhl, der lediglich von Satinschleifen zusammen gehalten wird, ein Objekt, welches zwar die Idee Stuhl visuell transportiert, aber von jeglicher Funktion eines Sitzmbels enthoben scheint.

Wem hingegen der Terminus Konzeptkunst bislang ein Fremdwort war, hat in dieser Ausstellung die Chance, sich mit ihren Grundideen und Eigenschaften vertraut zu machen.
Sei es zum einen das Verfolgen einer strikten Ordnung und Regelhaftigkeit, wie es Marjolijn Dijkman in ihrem "Theatrum orbis Terrarum" zelebriert, indem sie in einer Diainstallation eine schier unerschpfliche Masse an Fotografien mit scheinbar alltglichen Motiven in Kategorien von A bis Z einordnet. Oder sei es die Bedeutung von Wort und Schrift, wie sie Karolin Meunier in ihrem John Baldessari Zitat "Description" im Siebdruckverfahren auf Reflexfolie bannt, oder Katharina Pethke in ihrer dreiteiligen Videoinstallation in Form von Gedankenfetzen nach dem Zufallsprinzip Filmsequenzen aus dem Grostadtleben gegenber stellt.
Ebenso das Spiel mit dem Unfertigen, dem Skizzenhaften, welches Vesko Gsel in der Reihe "New Photography Pleasures" in 19 Zeichnungen vorfhrt, die auf nahezu liebevolle Art und Weise Motive aus einer Welt des Fotografierens jenseits des Digitalen aufgreifen.

Die Rolle des Knstlers und seine Funktion bei der Schaffung eines Kunstwerks beleuchtet schlielich Hanna Hildebrand mit ihrer Installation. Die Basis bildet hierbei eine mit blauem Klebeband abgetrennte Flche von ca. 2 qm an einer Trennwand des Ausstellungsraums und ein kleines Brett mit einem Nagel. Die Knstlerin, die sich derzeit in einem Auslandssemester in Japan befindet, beauftragt via Mail alle zwei Tage die Mitarbeiter des Bonner Kunstvereins, eine Vernderung in der Installation vorzunehmen, sie durch einen selbst gewhlten oder kreierten Gegenstand zu erweitern oder mit einer ausgefhrten Handlung kurzfristig zu beleben. Sie whlt fr Ihre Aufforderungen die Gedichtform des japanischen Haiku, vermittelt somit aber keinen direkten Arbeitsauftrag, sondern vielmehr eine Art Bild, welches der betreffende Ausfhrende nach eigenen Vorstellungen interpretiert und bildlich oder szenisch umsetzt. Die Installation befindet sich also whrend der gesamten Laufzeit der Ausstellung im Werden, sie wchst, und dieses Wachsen liegt nur zu einem gewissen Teil in den Hnden der Knstlerin Hanna Hildebrand. Die Haikus, auf winzigen Zetteln ausgedruckt, werden nach ihrer Umsetzung auf das Nagelbrett aufgespiet, so dass fr den Betrachter immer nur das aktuellste Haiku zu sehen ist. Die Gegenstnde im Inneren der abgetrennten Flche funktionieren also nicht lnger in Bezug auf ihr Haiku, sondern korrespondieren miteinander und lassen Freiraum fr die Gedankenarbeit des Betrachters.

Die Ausstellung "Neue Konzepte" ldt die Besucher zu einer gedanklichen Reise in die Ideenwelt hinter den Kunstwerken ein. Assoziieren und Philosophieren, einen neuen Blick auf Alltgliches gewinnen, staunen und sich inspirieren lassen. Konzeptkunst fr Anfnger und Fortgeschrittene.

Zu sehen sind neben den bereits genannten Arbeiten Werke von Elmar Hermann, Jonas Leihener, Stphane Querrec und Benedicte Sehested.

Die Ausstellung geht bis zum 6. Oktober. Mehr Informationen zur Ausstellung, dem Bonner Kunstverein und weitern Veranstaltungen rund um die Ausstellung gibt es unter www.bonner-kunstverein.de

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