Lchelnd steht der Regisseur Tim Burton im Blitzlichtgewitter vor den skurrilen Geschpfen, die er erschaffen hat: monstrse Wesen, exzentrische Auenseiter, Aliens und Untote. Sie alle bevlkern von nun an als Skulpturen und Filmpuppen, auf Zeichnungen, Gemlden und Skizzen das Max Ernst Museum in Brhl. Der Hollywoodstar Burton wurde mit Filmen wie "Edward mit den Scherenhnden", "Big Fish" und "Alice im Wunderland" weltweit berhmt. Oft arbeitet er mit prominenten Schauspielern wie Johnny Depp, Christopher Lee und Helen Bonham Carter zusammen. Bekannt ist er fr sein Faible fr groteske Figuren, makabre Geschichten und fantastische Bilderwelten. In der Ausstellung "The World of Tim Burton" gibt er einen Einblick in sein knstlerisches Werk auerhalb des Films. Bei der Pressekonferenz vergangenen Freitag gab sich Burton enthusiastisch, selbstironisch und bescheiden.

Mit den Augen des einsamen Kindes zeichnen

"Wenn ich keine Filme gemacht htte, wre ich vermutlich im Gefngnis gelandet", bekennt Burton whrend der Pressekonferenz. Einen anderen Beruf knne er sich nicht vorstellen. Viel Inspiration fr seine Kunst schpfe er aus der Kindheit. Monster in Horrorfilmen habe er schon damals als besonders gefhlvolle, schne Kreaturen empfunden. Mit ihnen konnte er sich gut identifizieren. "Manchmal fhle ich mich wie ein Alien, der zu nichts und niemandem in seinem Umfeld Zugang hat", uert sich Burton in einem Interview im Katalog zur Ausstellung. Aufgewachsen in einer eintnigen, kalifornischen Vorstadt lernte er, dass das eigentliche Grauen oft im Normalen, das Menschliche dagegen im Anormalen und Bizarren liege. Einen kindlichen Blick zwischen Staunen und Schrecken, Mitleid und Ekel angesichts verstoener Randbewohner und deformierter Wiedergnger bewahrt sich Burton in seiner Bildkunst. Trotz melancholischer Themen wie Tod und Zerfall entsteht hufig ein komischer Effekt, zum Beispiel durch Bildunterschriften. So fahren dem schaurig gezeichneten Mann auf dem Bild "man undressing woman with his eyes" tatschlich die Augen aus den Hhlen und zerren einer entsetzten Frau buchstblich die Kleider vom Krper.

Intuitiv einem Gefhl folgen

Dass Burton solche humoristischen Kritzeleien einmal in einem Museum verffentlichen wrde, htte er selbst nie erwartet. Vor allem nicht whrend seiner Zeit bei Disney, als er anfangs noch versuchte, sich den Stilvorgaben anzupassen und niedliche Fchse fr "Cap und Capper" zu zeichnen. "Leider haben sie ausgesehen, als htte sie ein Auto berfahren", lacht Burton. Umso mehr freut es ihn heute, Kinder auch mit seinem eher dsteren, unkonventionellen Stil zu begeistern und durch die Ausstellung zum Zeichnen zu motivieren. Deshalb empfand er das Ausstellungsprojekt der Kuratorin Jenny He als eine schne Abwechslung. Andererseits hat ihn die Publikation berwindung gekostet: "Es sind alles private Dinge. Es war niemals geplant, sie zu verffentlichen." Ein bisschen sei es, sagt Burton verlegen, als knne jemand einen Blick auf seine dreckige Wsche werfen. Trotzdem bereut er seine Entscheidung nicht und rt jedem jungen Knstler, sich selbst treu zu bleiben und nicht allzu viel ber Kritik nachzudenken. Mit seiner spontanen und intuitiven Arbeitsweise steht er in der Tradition der Surrealisten rund um Max Ernst. Die beiden Knstler verbinde, dass sie unbewusst einem Gefhl folgen und den Dingen nicht allzu sehr auf den Grund gehen, erklrte der Museumsdirektor Dr. Achim Sommer.

Ein Rundgang durch die Ausstellung

Burtons unwillkrlicher Arbeitsstil spiegelt sich in der Ausstellung wider. So entstanden viele Zeichnungen im Alltag auf Zeitungen oder Servietten. Bei seiner Ankunft im Museum am Donnerstag entschloss er sich spontan inspiriert von Leuchtfarbe im Schwarzlicht-Bereich ein Bild an die Wand zu werfen, das er mit drei angeklebten Papptellern krnte. "The World of Tim Burton" gibt auerdem einen interessanten Blick auf den Entstehungsprozess seiner Filme. So sieht der Besucher zum Beispiel frhere Entwrfe der Figur "Edward mit den Scherenhnden" oder Szenen aus "Nightmare before Christmas." Darber hinaus gibt es Skizzen und Storyboards unrealisierter Projekte zu sehen. Schade ist, dass es an Zusatzinformationen zum Werk fehlt, da es weder eine Beschilderung noch einen Audioguide gibt. Einzig ein dnner Ausstellungsguide liefert sporadisch Hintergrundwissen. Abgesehen davon ist die traumartige Ausstellung "World of Tim Burton" faszinierend wie unterhaltsam und nimmt sich im Sinne des Regisseurs niemals ganz ernst. Auf die Frage, welches Werk Burton fr das wichtigste der Ausstellung halte, antwortete er demgem lachend: "Den Ausgang".

Vom 16.08-03.01.2016 knnen sich Besucher vom Gegenteil berzeugen.

Tickets im Vorverkauf zum Selbstausdrucken inklusive VRS-Fahrausweis: bonnticket (Tel: 0221 2801 bzw. 0228 502010) und allen bekannten Vorverkaufsstellen: 12 / 7,60 ermigt

Max Ernst Museum


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