Selten schien der Nahe Osten so in Reichweite wie vom 30. April bis zum 10. August in der Bonner Bundeskunsthalle. Hier wurde eine Ausstellung zu Max von Oppenheims Entdeckung des Orients, seiner Kultur und ganz konkret einer prhistorischen Siedlung am syrischen Hgel Tell Halaf prsentiert.

Von Kln nach Kairo...

Oppenheim, dem als Klner Bankierssohn ursprnglich eine bodenstndige Karriere im Bereich der deutschen Rechtswissenschaften zugedacht war, wendet sich von blichen Konventionen ab. Orientalische Mrchen la Tausendundeine Nacht wecken in ihm Sehnschte, die sich der Rheinlnder als Forschungsreisender zu erfllen sucht. Der westliche Wunsch nach exotischen Abenteuern im eigentlich so entfernten Orient wird in seiner Reise vortrefflich skizziert.

Der Zufallsfund einer vergessenen Stadt in Syrien erweist sich als Erfllung seines Verlangens. Fantastische Geschichten von furchteinflenden Steinbildern, die sich Beduinen untereinander erzhlen, wecken das Interesse des unerschrockenen Entdeckers. Max von Oppenheim bernimmt die Ausgrabung des Tell Halaf und dessen vollstreckende Entdeckung.

... und von Berlin nach Bonn

Trotz Oppenheims ungewhnlich weltoffener Umgangsweise mit der fremden Kultur und seinem engen Kontakt mit den Einheimischen, ganz ohne diese arrogante Kolonialherrenattitde, beutet auch er die faszinierende Fremde aus. Immer im Namen der deutschen Orientwissenschaften. In westlicher Manier wird der unbekannte Orient dem Westen nicht nur nahe, sondern tatschlich nach Deutschland gebracht. Die Fundstcke seiner Ausgrabungen sammelt Oppenheim im Berliner Tell Halaf-Museum.

Und ob orientalischer Fluch oder deutsche Politik die ohnehin uralten Exponate werden in der Berliner Bombennacht zerstrt. Was im syrischen Sand seinen Frieden fand, muss fr westlich wissenschaftliche, und politische, Zwecke herhalten. Dank aufwendiger Restaurationen gelingt es jedoch die Funde zu retten und somit auch dem Bonner Publikum zugnglich zu machen. So lsst sich nicht nur eine visuelle Rekonstruktion des Stadtzentrums, sondern sogar ein Nachbau der beeindruckenden Eingangsfassade, sowie ein Modell des gesamten Palastes des Tell Halaf bewundern.

Ein uerst naher Osten

Dass sich Ost und West gar nicht so fremd sind, zeigen die einzelnen Exponate aus Syrien und der Trkei.
Neben Flschchen und Flakons, die dem Schminken und Parfmieren dienten, existierten bereits Brautkleider und Hosen fr Frauen. Die groe Menge an verzierten Waffen, die auf Oppenheims Sammelleidenschaft trifft, ist sicher nicht nur ein Zeichen fr deren Popularitt in beiden Kulturen. Sie spiegelt vor allem wieder, was bei jeder westlichen Darstellung orientalischer Kultur zu beachten ist: Es handelt sich immer um den Blick und die Akzentuierung aus unserer Perspektive. Ob es sich um eine Ausstellung ber orientalische Abenteuer oder ber die westliche Entdeckungs- und Eroberungsmanie(r) handelt, bleibt zu entscheiden.



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