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Heidis riesige Kulleraugen rennen freudig strahlend dem Besucher entgegen, kaum dass er die neue Ausstellung der Bundeskunsthalle betreten hat. Unter dem Titel "Anime! High Art – Pop Culture" beweist die Schau, dass der japanische Zeichentrickfilm weit mehr ist als ein vergnüglicher Zeitvertreib für Kinder – nämlich facettenreiche Kunst, die manchmal ganz und gar nicht vergnüglich und auch nicht immer Kindgerecht ist.

Anime-Helden als Konsumobjekte

Mit dem Hinweis, dass die Anime-Szene mittlerweile "ähnlich prägend wie die amerikanische Pop-Art" ist, hat Intendant Robert Fleck nicht unrecht, wie man gleich im ersten Raum bemerkt. Zum einen aufgrund überdimensionaler Film- und Serienausschnitte, die in einer Collage dank ihrer farbenfrohen Gestaltung sofort den Blick auf sich ziehen. Zum anderen beweist die Zusammenstellung diverser Merchandise-Artikel aber auch, dass Animes zu einem echten Wirtschaftsfaktor mutiert sind. Videospiele und Japanischkurse, die von Anime-Figuren geleitet werden, laden vor allem die jüngere Generation zum interaktiven Test ein.

Doch auch wenn Kuratorin Susanne Kleine darauf hinweist, dass "Eltern ihre Kinder hier abgeben können", ist die Ausstellung uneingeschränkt auch für Erwachsene nur wärmstens zu empfehlen. Originalskizzen, etwa vom "Gott des Manga", Urgestein Tezuka Osamu ("Astro Boy", "Kimba, der weiße Löwe"), Celluloid-Folien und Original-Anschauungsmaterial auf vielen Bildschirmen geben einen vielseitigen Einblick in die Geschichte, die Arbeit und letztlich auch in die Ergebnisse dieser Welt der bewegten Bilder.

Von Biene Maja bis Cosplay

Dabei stößt der Besucher oft auf Bekanntes. Vieles ist aber dem Uneingeweihten fremd. So kommen bei "Heidi", "Wickie" oder der "Biene Maja" wohl bei so manchem lebhafte Kindererinnerungen auf, hielten mit ihnen die japanischen Zeichenstudios doch in den 70er Jahren erstmals Einzug in Deutschland. Dass es auch direkte Verbindungen zu Disney gibt, dürfte dagegen weniger bekannt sein.

Die Schau basiert auf einer bereits 2008 im Frankfurter Filmmuseum gezeigten Ausstellung, jedoch wurde sie nun erweitert und ist laut Kuratorin Jessica Niebel vom Kooperationspartner "8mal so groß wie die Ursprüngliche". Neben vielen weiteren Sekundärmaterialen, die die Leihgeber kostenlos zur Verfügung gestellt haben, bereichern so auch Cosplay-Kostüme das Aufgebot. Diese meist in mühevoller Handarbeit kreierten Kostüme werden von Jugendlichen angefertigt, die ihren gezeichneten Helden auch in der Realität nacheifern wollen. Wie surreal diese Subkultur im realen Raum wirkt, demonstrieren Werke des Fotografen Oliver Sieber, die als weiteres Topping eindrücklich beweisen, dass Animes längst im Alltag angekommen sind.

Shojo, Shonen, Seinen, Pink

Nach einem Einblick in die Geschichte durchläuft man verschiedene Subgenres der Anime-Welt. Shojo animes wie die Sailor Moon- oder die Wedding Peach-Clique richten sich mit starken, und gleichzeitig kindlich naiven Mädchenfiguren an die ebenso zu umreißende Zielgruppe. Dass die Stoffe dabei jedoch den Fantasy-Rahmen übersteigen können, und wie etwa bei Lady Oscar historische Fakten zum Vorbild haben, dürfte den ein oder anderen jedoch wieder überraschen.

Der "Pink Room", der ausdrücklich erst ab 18 empfohlen wird, demonstriert jedoch auch, dass Animes nicht nur Mädchenträume, sondern auch die einer gewissen Art von Männern bedienen: in plüschiger Atmosphäre kann man hinter Deckeln leicht bis gar nicht bekleidete Damengestalten mit verschiedensten Proportionen in ebenso diversen Sex-Positionen begutachten.

Weitaus Kinderfreundlicher, aber auch eher für Jungen gedacht sind die Shonen anime, zu denen etwa Pokémon, Ranma ½ oder Dragonball gehören. Doch nicht nur die Kassenschlager, sondern auch in Deutschland eher unbekanntere Serien werden vorgestellt, wie etwa "Jojo’s bizarre Adventure". Und letztlich zeigen die Seinen anime, die sich meist mit Fantasy- oder Science-Fiction-Thematik vorrangig an Jugendliche und Erwachsene richten, dass die Themenpalette weit über eine lustige, heile Welt hinausgeht.

Insbesondere hier sowie in den Filmen aus Miyazaki Hayaos Ghibli-Studio (einem der erfolgreichsten Anime-Studios Japans) zeigt sich eindrücklich der künstlerische Charakter der Bilderwelten. Gleichzeitig die philosophischen und gesellschaftkritischen Botschaften ihrer Macher. Gekonnt haben die Kuratoren der Bundeskunsthalle schlussendlich den Bogen zum Jahr 2011 gespannt, dessen frühjährliche Ereignisse in bedrückender Präzision vorhergeahnt wurden. Großformatige Malereien von Amano Yoshitaka runden den ästhetischen Rahmen ab.


Filme und mehr

Die Ausstellung "Anime! High Art – Pop Culture" bietet neben Informationen auch ein Entertainment-Programm. Dazu zählen ein täglich wechselndes Filmprogramm, getrennt für Kinder und Erwachsene, sowie ein breites Rahmenprogramm, das sich mal an Kinder und mal an Erwachsene richtet. Auch eine Kooperation mit der Bonner Brotfabrik gehört dazu.

Die Schau ist bis zum 8. Januar 2012 zu sehen.


Zum Rahmenprogramm.

Zur Museumshomepage.

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