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Alexander & Katja Taratynova, Malerei und Bronzeskulpturen.
Künstler an sich gelten ja gemeinhin als exzentrische Eigenbrödler, die in ihrer eigenen Welt aus Kreativität und Wahnsinn leben. Und doch finden sich immer wieder Paare, die gemeinsam arbeiten, schaffen, leben. Als "Duo" in allen Lebenslagen. Einige von ihnen, sowohl rheinische wie internationale Künstler, haben sich nun in einer Ausstellung des Künstlerforums Bonn zusammengefunden, um unter eben diesem Aspekt "Duo" einen Einblick in ihr Werk zu geben.

Künstlerischer Ausgleich

Bei "Künstlerpaaren" denkt man an Frida Kahlo und Diego Rivera, die Modersohns oder Cristo und Jeanne-Claude. Sie schufen zusammen, liebten und stritten, inspirierten einander und zogen selbst im völligen Disput eine enorme Kreativität aus ihrem Zusammenspiel. Ob feinstimmige Einheit oder bitterste Abstoßung – Paare, die gemeinschaftlich aktiv sind, scheinen die viel beschworene "perfekte Balance" auch auf ihre Schaffenskraft anwenden zu können.

Zumindest ist das der Eindruck, den man auch in der Bonner Ausstellung schnell gewinnt. Unter den verschiedenen Genres – von Malerei über Medienkunst bis hin zur Bildhauerei ist wieder einmal alles vertreten – finden sich wohl aufeinander abgestimmte und scheinbar in Diskussionsloser Einigkeit entstandene Paarwerke. Aber auch vollends antonyme Positionen, die sich geradezu radikal voneinander abzustoßen scheinen und doch gleichzeitig einen unverkennbaren Bezug zueinander herstellen.

Marita Windemuth-Osterloh/Franz-Josef Osterloh, Stempelbilder und Tonskulpturen.
Ein Beispiel für ersteres sind etwa Marita Windemuth-Osterloh und Franz-Josef Osterloh. Sein Part der Arbeit bildet aus Stempelbildern exakt jenen wärmenden Hintergrund, den die von seiner Frau entworfenen Tonköpfe brauchen, um nicht als substanzlose Plastiken leer im Raum zu schweben. Die beiderseits genutzten Pastelltöne lassen ein Bild von fließender Harmonie entstehen, die einen eleganten Glanztupfer darzubieten vermag. Mit gleicher Anmut, doch dank Mops-Skulptur aus seinem Atelier weitaus burlesker, tendieren Alexander Taratynov und Katja Taratynova in dieselbe Richtung.

Klare Doppelblicke

Neben den Gegenüberstellungen von Werken zweier eigenständig tätiger Künstler finden sich auch Gemeinschaftswerke, so etwa die mit Vorsicht zu genießende Installation "Das Gleichgewicht der Welt". Eva Töpfer und Janko Arzenšek aus Remagen haben mitten auf der Empore des Künstlerforums ein überdimensionales, fragil wirkendes Kartenhaus aufgestellt, dessen Karten allerdings statt Bube und König Bilder zieren, die nur allzu bekannt erscheinen: Soldaten im Krieg, eine Frau mit Burka, ein atomarer Supergau, die Marionette Angela Merkel und Touristen im Urlaub. Die Welt von heute, in all ihren Paradoxien – "Vorsicht Einsturzgefahr" klingt da gar nicht so verkehrt.

Eva Töpfer/Janko Arzenšek, "Das Gleichgewicht der Welt".
Erschreckende Visionen erschaffen auch Tomasz Pietrek und Marlena Promna: er mit Graphiken, sie mit Malerei; er mit düster-verzerrten Visionen vom sprichwörtlich "bösen fremden Mann", sie mit strukturierten Netzwerken, die wie eine Blaupause des übermächtigen Cyberspace anmuten. Das ist so ein Paar, das sich vollends abzustoßen scheint – und doch lässt sich dank der räumlichen Nähe ein unmittelbarer Kontext erkennen.

Bei den Landschaftsmalern Marina Poljakowa und Michail Poljakow aus Nischnij Nowgorod lässt sich dieser auf den ersten Blick erkennen, entführen sie doch beide mit impressionistischer und naiver Malerei und Zeichnungen in die beruhigende Ebenerdigkeit einer dörflicher Idylle. Die kann man ob Irina und Jürgen Enss' Werk im Nachbarraum auch gut gebrauchen, denn "New York City Diary" bringt in Form einer 4teiligen Collagen-Serie ein eher bewegend-urbanes Flair in die Ausstellung, dessen Vibrationen man regelrecht zu spüren vermeint.

Allen Freunden zeitgenössischer Kunst sei ein Blick in dieses Potpourri, diese Liebe und den Kampf von Kunstwerken, daher nur wärmstens ans Herz gelegt.


"Duo. Internationale Künstlerpaare"
ein Ausstellungsprojekt des BBK Bonn, Rhein-Sieg e.V.

Ort: Künstlerforum Bonn
Dauer: 3.– 24. April 2011
Öffnungszeiten: Di – Fr 15 – 18 Uhr / Sa 14 – 17 Uhr / So 11 – 17 Uhr

Homepage des Künstlerforums Bonn.

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