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Korea ein Gebiet in Ostasien, bestehend aus zwei Teilstaaten, von denen der eine insbesondere durch eine aggressive Atompolitik auf sich aufmerksam macht. Im Norden flankiert von China und Russland, im Sden nur durch das Japanische Meer von Japan getrennt, zhlt es heute zu den 20 fhrenden Wirtschaftsnationen der Welt: fr Deutschland gar einer der wichtigsten Handelspartner. Soweit zu den Eckdaten, die jedermann zu Korea bekannt sein drften.

Das Korea auf eine Jahrtausende alte Geschichte zurckblicken kann, die einzigartige Kunstwerke hervorbrachte, ist dem westlichen Betrachter hingegen bislang kaum bewusst. Die Ausstellung Entdeckung Korea! Schtze aus deutschen Museen, die seit Samstag, 26.Mrz 2011 im Museum fr Ostasiatische Kunst in Kln zu bewundern ist, hat sich nun zum Ziel gesetzt, genau diese Wissenslcke zu fllen und bietet einen facettenreichen Einblick in die Tradition und Kultur Koreas.

Vielfltiger Einblick in die Welt Koreas

Das Gemeinschaftsprojekt von zehn deutschen Museen versammelt erstmals eine Auswahl von rund 100 Objekten aus deutschen Sammlungen koreanischer Kunst. Die Vielfalt der beteiligten Museen von reinen kunstorientierten, ber ethnologische bis hin zu Spezialmuseen wie etwa ein Missions- oder das Mainzer Gutenberg-Museum ermglichte es dabei einen weiten Bogen durch die koreanische Kunstgeschichte zu spannen, der sowohl die Bereiche Religion und Ritual, als auch Alltagswelt prsentiert. Dass es in solch einem Rahmen einiges zu entdecken gibt, versteht sich von selbst.

Bewacht von guten Geistern

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Mystisch und mythisch muten die Relikte des Schamanismus und Buddhismus an, jenen zwei vorherrschenden Glaubensrichtungen. Letzterer wurde im Mittelalter zur Staatsdoktrin erhoben, hatte sich bis dahin jedoch mit ersterer bereits hinlnglich vermischt. In detailreichen Seidenmalereien auf Hngerollen spiegelt sich die Weiterbenutzung ursprnglicher Motive in Verbindung mit nachfolgenden Schutzgeistern deutlich wider.

Mit angsteinflenden Fratzen wachen zwei Dorfwchter ber die Kunstwerke: berlebensgroe Holzskulpturen, aus einem einzigen Baumstamm geschnitzt, die koreanischen Drfern noch bis ins letzte Jahrhundert hinein als Schutzgeister und Wegweiser dienten. Der Weg an ihnen vorbei fhrt nun geradewegs zum hauseigenen Schwerpunkt der Schau, der in diesem Umfang nur in Kln zu sehen sein wird: buddhistische Malereien, in denen leuchtende Farbflchen in unmittelbaren Kontrast mit gedmpften, detaillierten Ritualbildern erscheinen, die von filigranen Goldverzierungen untermalt werden.

Traumwelten offenbaren sich

Die Feinarbeit, die koreanische Knstler dabei an den Tag legten, lsst sich auch im zweiten Sammlungsschwerpunkt der koreanischen Abteilung des Ostasiatischen Museums in Kln wiederentdecken, der sich mit der Seladonkeramik der Goryeo-Dynastie (10.-14. Jahrhundert) befasst. Doch die Kannen und Schalen, die wahrlich Tpferware auf hchsten Niveau darstellen, bestechen weniger durch ihre Intensitt als vielmehr durch pure Schlichtheit, die mit ebenmigen, blaugrnlichen Glasuren oder reinstem Wei mit eleganten, feinen Strichzeichnungen zu verzaubern wissen.

Ebenso anmutig stellen sich Lackksten in unterschiedlichsten Formen, Gren und Ausarbeitungen dar, deren Besonderheit in edlen Perlmuttverzierungen liegen, welche die Objekte in schillernden Regenbogenfarben schimmern lassen. Im Zusammenspiel mit der Vornehmen Versammlung im Westgarten, einer Tuschezeichnung auf einem achtteiligen Stellschirm, die als eine von mehreren Beispielen die Literaturkunst der Joseon-Dynastie (14.-19. Jahrhundert) reprsentiert, fhlt man sich beinahe in eine Art Traumwelt versetzt.

Unter fremder Herrschaft

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Dass diese jedoch im Verlauf der koreanischen Geschichte keineswegs so allgegenwrtig war, wie sie in ihrer sthetischen Ausprgung erscheinen mag, wissen die Kunstwerke ebenso zu berichten. Im 17.Jahrhundert wurde Korea chinesischer Vasallen-Staat und schottete sich infolgedessen vollkommen gegenber der restlichen Welt ab. In den Alltagsgegenstnden der Keramikkunst klingt dieser Einfluss durch Motive aus der Ming-Zeit noch bis heute an.

Erst rund zwei Jahrhunderte spter sollte sich das Land wieder ffnen und Annherungen zum Westen suchen, unter Mithilfe eines gewissen Paul Georg von Mllendorff, einem deutschen Sprachwissenschaftler, der Ende des 19.Jahrhunderts als Diplomat am koreanischen Knigshof ttig war. Als privater Sammler, insbesondere von Schmuck- und Alltagsgegenstnden, hat er nun posthum wesentlich zur Ausstellung beitragen knnen.

Groartige Entdeckungen

Korea ein Gebiet in Ostasien. Welche Ausmae dieser Bereich geographisch umfasst, fhrt die Ausstellung zum Abschluss noch einmal berdeutlich vor Augen: die Daedongyeojido, die Groe Karte des stlichen Knigreichs aus dem 19.Jahrhundert, welche, bestehend aus 23 Einzelblttern (die nur abwechselnd gezeigt werden knnen und im Ganzen lediglich in einem stark verkleinerten Nachdruck zu sehen sind), eine Gesamtgre von etwa 660x400 cm erreicht. Mit bewundernswerter Genauigkeit zeigt sie so ein Bild des gesamten Landes.

Eine kleine Zugabe hat sich nun das Ostasiatische Museum noch extra fr seine einheimischen Besucher aus dem Rheinland ausgedacht, das jedoch allen Kunstfreunden gefallen drfte: eine Hommage auf Nam June Paik, einen der wichtigsten Vertreter der frhen Medienkunst in den 60er-Jahren, dessen knstlerischen Wurzeln in der rheinlndischen Szene rund um Karlheinz Stockhausen und Joseph Beuys liegen. Die Leihgaben stammen aus dem Fundus des Museum Ludwig und zeigen unter anderem eine seiner Videoinstallationen.

So findet man behutsam aus der koreanischen Geschichte wieder zurck in die Gegenwart, allerdings nun mit dem Gefhl, dass das kulturelle Korea zu Unrecht im ffentlichen Interesse untergraben wird. Mgen China und Japan auch noch so faszinierend sein: die nun gezeigte Entdeckung Koreas lohnt mindestens ebenso!

Entdeckung Korea! Schtze aus deutschen Museen
26.03.2011 17. Juli 2011-03-26

Ort: Museum fr Ostasiatische Kunst Kln
ffnungszeiten: Dienstags bis Sonntags, 11-17 Uhr, Montags geschlossen
Eintritt: 7,80 / 4

Homepage des Museums mit umfangreichem Begleitprogramm zur Ausstellung.

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