Beeindruckend, berwltigend, faszinierend. Die Napoleonausstellung in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn (kurz: Bundeskunsthalle) strotzt nur so von Relikten, Accessoires und Bildern. Mit ihrer Hilfe will sie dem Besucher den "Mythos Napoleon" plastisch nherbringen. Napoleon: der Herrscher, Beherrscher, Unterdrcker Europas. Die Besucher knnen in ber 400 Exponaten versinken, durch die Gnge wandern und versuchen zu entdecken, was ihr Napoleon ist.

Gespannt auf die Umsetzung der Materie fehlen dem Historiker allerdings die klaren Bezge. Vom gyptenfeldzug bleibt nur der Stein von Rosetta im Replik, statt Daten gibt es nur vage Zeitbezge. Goyas Bilder ber die Greuel des spanischen Unabhngigkeitskrieg gehen zwar unter die Haut, eine zeitliche Abgrenzung aber fehlt an dieser Stelle. Die Ausplnderung und Neugestaltung Italiens? Das "Prokonsulat"? Fehlanzeige. Woran biss sich der Herrscher in Russland die Zhne aus? Ungewiss.

Zwar gibt es einen kurzen Abriss der Schlachten. Allerdings sind diese nicht in eine logische Abfolge gebracht. Sie stehen nebeneinander, gegeneinander, werden in Verlustzahlen, Schlachtengegner und -sieger aufgebrselt. Sie bleiben Staffage fr einen Menschen, der Europa mit einem Meer aus Flammen berzog.

"Ich wurde geboren, als das Vaterland verreckte", urteilte der selbstgekrnte Kaiser spter ber sich. Er bleibt dem Besucher fremd, wie er auch den Historikern immer fremd blieb. Trotz aller Exponate, aller persnlichen Gegenstnde. Der Mythos Napoleon ist vor allem auf die Propaganda des kleinen Franzosen zurckzufhren, und diese wird in der gelungenen Ausstellung ansprechend aufbereitet. Der Kunstraub, deklariert unter dem Motto "Dem Frsten genommen, dem Volke gegeben2, spricht Bnde. Die Flugbltter mit gehssiger Satire erzeugen noch heute Lacher.

Dass die Geschichte etwas zu kurz kommt ist natrlich schade. Gelungen aber ist die Ausstellung, weil sie das Zeitgeschehen, das Leid der Kriege, bei den Besuchern blendend zur Geltung bringt: Dass mehr Soldaten an Krankheiten denn an Gewehrschssen starben. Da ist auch verzeihlich, dass nicht alle historischen Bezge deutlich gekennzeichnet sind. Auch als Historiker vergisst man beim Anblick eines zerfetzten Brustpanzers gerne die Opferzahlen, die Schlachten, Die Bedeutung des Code Napoleon.

Napoleon ist und bleibt Traum und Mythos. Auch und besonders ohne die klaren Daten und Fakten.

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