Lakewood, 2010.
   
 

Endymion #82, 2009.
   
 

Kultivultur 2 (Gletscher), 2010 (Detail).
   
1847 zog es den amerikanischen Philosophen Henry David Thoreau in die Stille. Er errichtete sich eine Holzhtte am Walden Pond, einem See unweit Boston. Zweieinhalb Jahre nutzte er dieses Refugium, um ungestrt ber das Subjekt und dessen Beziehung zur Gesellschaft nachzudenken. Schlielich entstand ein Buch: "Walden of Life in the Woods" erschien 1854.

2009, ber 150 Jahre spter, reiste der Bonner Knstler Alexander Braun ebenfalls an den Walden Pond nach Massachusetts. Der Gewinn des Bonner Kunstpreises machte es mglich. Er bewegte sich auf den Spuren Thoreaus, allerdings ohne die Absicht, ihn knstlerisch illustrieren zu wollen. Vielmehr empfindet Braun eine Art von Geistesverwandtschaft mit dem Philosophen.

Im Anschlu an die Amerika-Reise hlt sich der Knstler drei Monate in Wien auf. Hier waren es der Walzer von Johann Strau aus dem Jahre 1868 und das Theaterstck von dn von Horvth aus dem Jahre 1931, die jeweils mit dem Titel "Geschichten aus dem Wienerwald" fr Braun sozusagen eine europische Dimension der Auseinandersetzung Thoreaus lieferten.

Heraus kam "WienerWalden" eine Art Zyklus aus Zeichnungen, Miniskulpturen, Videoinstallationen und Photographien (die teils auch aus Archiven stammen). Hier geht es um den Menschen vor der Natur und in der Natur, sowie um diese selbst in einem dialektischen Spannungsfeld zwischen salopp gesprochen Sein und Sollen.

Bemerkenswert tief ist der Hintergrund, vor dem Alexander Braun seine Arbeiten geschaffen hat. Aus ihm erwchst die beeindruckende sthetik der Zeichnungen und Tuschearbeiten auf Holz. Die Photographie-Reihe und das zugehrige Video "Endymion", die einen Mann aus Filz in verschiedenen Hotelbetten zeigen, stehen ebenfalls auf dem Fundament jenes "Thoreau-Komplexes". Sie greifen jedoch durch ihr antikes Motiv noch weiter und wirken so beinahe wie ein Bindeglied zwischen amerikanischem, "neu-weltlichen", und europischem, "alt-weltlichen", Kunst- und Denkkosmos. Das Projekt besteht seit 1999 und ist auf Lebenszeit angelegt.

Angesichts der Ausstellung erscheint der neuausgerichtete Bonner Kunstpreis lobenswert. Mit einer Dotierung von 20.000 Euro durch die Stadt Bonn gibt er Knstlern die notwendige Freiheit, ihre Projekte auch im Ausland flexibel und unabhngig zu verfolgen. Darber hinaus ermglicht die Kooperation mit der Firma IVG Immobilien AG den Preistrgern, fr das 3- oder 6-Monatsstipendium in 13 europischen Hauptstdten eine Atelierwohnung zu finanzieren. Alexander Braun zeigt eindrucksvoll, da sich unter diesen Bedingungen groartige und faszinierende Kunst bestens entwickeln kann.

Die Ausstellung luft von heute, dem 18. November, bis zum 9. Januar 2011.

Informationen zum Bonner Kunstpreis.

Homepage des Kunstmusems.

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