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Christine Steiner zählt schon jetzt zu den ganz Großen der Fotografie. Das bestätigen nicht nur die vielen nationalen und internationalen Auszeichnungen, sondern auch ihre Leidenschaft für ihr Fach. Anne Schumacher hat die gebürtige Bonnerin im Ruhrgebiet getroffen. campus-web: Du wurdest 1978 in Bonn geboren. Was hat dich ins Ruhrgebiet verschlagen? Christine Steiner: Der ersehnte Studienplatz hat mich 2003 nach Dortmund geführt. cw: Du studierst Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie an der FH Dortmund. Wolltest du das schon immer machen? Christine Steiner: Vor einigen Wochen habe ich ein kleines selbstgemachtes Album wiederentdeckt, das ich mit ungefähr zwölf Jahren angelegt habe. Es ist gefüllt mit fotografischen Notizen meines Umfelds: Der Baum auf der gegenüberliegenden Straßenseite, Füße einer Tischgesellschaft und die Stromleitung, die man aus meinem Zimmerfenster sieht und die das Blau des Himmels in harmonierende Flächen teilt. Unterbewusst hat die Fotografie mich also schon sehr früh interessiert. Ich habe aber als Kind eigentlich überhaupt nicht über das Erwachsensein nachgedacht. Jedenfalls kann ich mich an keinerlei Berufswünsche oder kindliche Lebenspläne erinnern. cw: Was haben deine Eltern zu deinem Berufswunsch gesagt? Christine Steiner: Meine Eltern hätten es vermutlich lieber gesehen, wenn ich mich einem etwas "konventionelleren" Studienfach zugewandt hätte. BWL oder ein Lehramtsstudium, das hätte ihnen bestimmt sehr gefallen. Vielleicht liegt das daran, dass viele Menschen – so auch meinen Eltern – mit dem Begriff "Kommunikationsdesign" erstmal nicht viel anfangen können. Sie verbinden mit dieser Disziplin weder Studieninhalte, noch haben sie ein genaues Berufsbild vor Augen, das sich aus dem Studium ergibt. cw: Du bist im Rheinland geboren. Was gefällt dir am Ruhrgebiet? Christine Steiner: Besonders fasziniert bin ich von der räumlichen Struktur des Ruhrgebiets. Die fließenden Übergänge zwischen den einzelnen Städten und ihre Vernetzung untereinander beeindrucken mich sehr. Wenn die S-Bahn mich in lauen Sommernächten von C nach S trägt, kommt das der Vorstellung von Urbanität, die ich mir als Jugendlicher ersehnt habe, und die mir meine Heimatstadt nicht bieten konnte, ziemlich nah. cw: Du wurdest schon mit vielen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem "Epson Art Photo Award" und dem "Canon-ProfiFoto Förderpreis", und hast an zahlreichen Projekten teilgenommen. Was für einen Anspruch hast du an die Fotografie? Christine Steiner: Ich glaube, es verhält sich genau umgekehrt. Die Fotografie hat jede Menge Ansprüche an mich, wie ja an jeden Betrachter. Wenn man Fotos betrachtet, muss man eine Menge Dinge im Auge behalten, denn eine Fotografie zeigt ja nie die Wirklichkeit, sondern ist nur ein Versatzstück. Sie ist ein unglaublich komplexes Medium und genau das fasziniert mich. Daraus ergeben sich für mich vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten. cw: Du hast den Fotowettbewerb des Rhein-Sieg-Kreises 2009 gewonnen zum Thema "Identität und kulturelles Erbe". Dort wurde deine Arbeit von der Jury so beschrieben: "Eine präzise und moderne Bildsprache, eine hohe ästhetische Reife sowie ein untergründiges Spiel mit Symbolen und Momenten der Tradition." Gibt es Traditionen, die du selber pflegst? Christine Steiner: Spontan fällt mir jetzt keine Tradition ein, die ich pflege. Aber bestimmt bin ich unterschwellig durch gewisse Traditionen beeinflusst. Manchmal beneide ich Freunde, die schon Kinder haben, darum, dass Bräuche oder Ereignisse wie Sankt Martin, die das Jahr strukturieren, in ihren Alttag zurückkehren. An mir huschen die Monate manchmal einfach so vorbei. Können Erinnerungen mit Fotos wirklich bewahrt werden? Oder tötet die Fotografie den Augenblick? Und vor allem: wer wird dieses Jahr Weltmeister? Christine Steiner gibt Antworten im zweiten Teil .
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