Ob ihn Macht fasziniert? "Nein", beteuert Konrad Rufus Mller in einem Fernsehinterview. Dabei hat er die mchtigsten Politiker Deutschlands vor der Linse gehabt: Von Konrad Adenauer bis hin zu Angela Merkel hat er als einziger Fotograf alle deutschen Bundeskanzler portraitiert diese Aufnahmen sind es, die ihn berhmt gemacht haben. Mllers fotografisches Oeuvre hat aber weit mehr zu bieten, wie eine Ausstellung im Landesmuseum Bonn zeigt.

Eine Buerin, ein Urologe und der Dalai Lama

Im Ausstellungsraum dominiert schwarz-wei. Mller ist Purist: Er arbeitet grundstzlich nicht in Farbe, alle seine Aufnahmen entstehen ohne knstliche Beleuchtung und werden von ihm selbst entwickelt. Mit dieser dezidiert handwerklichen Herangehensweise nhert sich Mller den unterschiedlichsten Motiven: Einsame Telefonzellen irgendwo in England sind da zu sehen, eine Flohmarkt-Szene in Berlin, Stilleben und natrlich Portraits sowohl von Menschen wie Tieren.

Diese Vielfalt an Sujets fhrt die Ausstellung in Bonn dem Besucher auf sehr plastische Art und Weise vor Augen: Bis auf wenige Ausnahmen sind die Bilder nmlich durchweg nicht thematisch, sondern alphabetisch geordnet. So hngt Willi Brandt neben einer Aufnahme der "Bravo-Super-Show" und der Dalai Lama neben Karl Dall dessen rechtes und linkes Auge Mller brigens in zwei separaten Aufnahmen festgehalten hat. Irgendwo dazwischen eine Buerin namens Rosa Obermayer und ein Urologe, der einen Penishalter des Papua-Volks prsentiert.
Stellenweise kommentiert und erlutert Mller die Sujets seiner Aufnahmen in beigefgten Texten und gewhrt so erhellende Einblicke in den jeweiligen Entstehungshintergrund der Bilder.

Macht: Faszination, Erotik oder beides?

Immer wieder aber sind auch politische Gren zu sehen: Neben den deutschen Kanzlern beispielsweise Mitterrand, Sadat oder Putin um nur einige wenige Namen zu nennen. ber alle drei sind Bildbnde mit Mllers Fotos erschienen. Fr den 2003 erschienenen Band ber Putin hat er den damaligen russischen Prsidenten ein ganzes Jahr lang mit der Kamera begleitet. Schwingt da nicht doch ein bisschen Faszination fr die Macht mit? "Nein", erklrt Mller standhaft. Eines aber gibt er in bezug auf die Macht dann doch zu: "Macht macht erotisch." Habe man diese Phase berschritten, mache sie aber nur noch eines: Einsam. Soviel habe ihn die Beobachtung all der Mchtigen, die er kennengelernt habe, gelehrt.

"Ich bin da so reingewachsen"

Den Kontakt zu Putin hat er brigens Gerhard Schrder zu verdanken, der ihn beim damaligen russischen Prsidenten empfohlen hatte. Solche Mund-zu-Mund-Propaganda durchzieht Mllers gesamte Karriere; immer neue Kontakte haben sich ihm so erschlossen. Und so antwortet er denn auch auf die Frage, wie er eigentlich zum berhmten "Kanzlerfotografen" geworden sei, ganz schlicht: "Ich bin da so reingewachsen".

Angefangen hat alles 1965: Per Anhalter reist Mller von Berlin nach Bonn, wo er zum erstenmal Konrad Adenauer fotografiert. Noch einige Male begegnet der damals 25jhrige dem 90jhrigen Adenauer und hlt ihn im Bild fest. Dass nach dessen Tod auch sein Nachfolger Ludwig Erhard portraitiert werden musste, erscheint in Mllers retrospektiver Schilderung wie eine Selbstverstndlichkeit.

Berhmtheiten einmal ganz persnlich

Was Mllers fotografische Praxis so besonders macht? Unter anderem seine Diskretion. Meist begleitet er die von ihm Portraitierten ber einen langen Zeitraum hinweg, baut Vertrauen zu ihnen auf. Oft haben sich so schon Freundschaften entwickelt. Mller gelingt es, von Personen, die bereits hunderte Male fotografiert worden sind, Bilder zu schieen, die ungewohnt persnlich wirken. Und so wundert es nicht, dass seine Fotos schon die Titelseiten vom Time Magazine oder dem Stern geziert haben. Auch diese Zeitschriftencover sind in Bonn in einer kleinen Vitrine ausgestellt. Zusammen mit einer Reihe von Briefen, Widmungen und gezeichneten Portraits entsteht so ein sehr persnliches Bild vom Fotografen und seiner eindrucksvollen Karriere.

Wer angesichts all der Berhmtheiten, die einen da von den Wnden herunter anblicken, aus dem Staunen kaum noch herauskommt, den holen Portraits von Dackel-Cockerspaniel "Biene" oder besagter Rosi Obermayer schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurck. Mller beschftigt eben doch weit mehr als nur die Macht.

Wer die Ausstellung "Konrad Rufus Mller. Lichtgestalten. Fotografien 1960-2010" im Landesmuseum Bonn noch sehen will, muss sich sputen: Die Retrospektive luft nur noch bis zum 30. Mai. Der Eintritt fr Wechsel- und Dauerausstellung kostet fr Studenten 5 Euro.

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