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Der Vorstand der Theatergemeinde BONN e. V., mit ca. 9.000 Mitgliedern eine der bundesweit größten gemeinnützigen Besucherorganisationen und der größte Bonner Kulturverein, beobachtet mit Sorge, dass die kulturpolitische Diskussion in Bonn dominiert wird von den Auseinandersetzungen um das geplante Beethoven-Festspielhaus. Er begrüßt ausdrücklich die Bemühungen der Stadtverwaltung, offene Fragen zur Finanzierung und Rentabilität des Projekts zu klären.

„Wir halten es für unwahrscheinlich, dass sich die Zahl der Konzertbesuche in Bonn durch die Errichtung eines spektakulären Festspielhauses – selbst nach der Fertigstellung des WCCB – dauerhaft so steigern lässt, dass eine stetige Auslastung gewährleistet ist. Angesichts der Konkurrenz von Konzertsälen in der Umgebung und der internationalen Reisetätigkeit berühmter Orchester dürfte der glückliche Umstand, dass Beethoven in Bonn zur Welt kam, dafür kaum hinreichen.

Außerdem befürchten wir, dass eine einseitige Fixierung auf die Profilierung als Musikstadt die verfügbaren Mittel für andere Künste weiter einschränkt“, erklärt die TG-Vorsitzende Elisabeth Einecke-Klövekorn.

Angesichts der schwierigen kommunalen Haushaltslage hält der TG-Vorstand ein Gesamtkonzept zur kulturellen Substanzerhaltung für dringlich. Das Theater Bonn habe seit 2003 bereits Etatkürzungen von mehr als 15 Millionen Euro verkraften müssen. Eine weitere Reduzierung der Mittel für Oper, Schauspiel und Orchester um ca. 4 Millionen Euro bis 2013 würde die künstlerischen Spielräume so drastisch beschneiden, dass die Leistungen für das Bonner Publikum nicht mehr auf qualitativ und quantitativ angemessenem Niveau erbracht werden könnten. Damit entfiele ein wichtiger Faktor für die kulturelle Bildung breiter Bevölkerungskreise. Der TG-Vorstand fordert die im Koalitionsvertrag der politischen Ratsmehrheit versprochene Erhaltung der jeweiligen Ensembles und der Spielstätten des Schauspiels in Bad Godesberg und Beuel.

„Wir haben außerdem mit großer Sorge die Pläne zur Kenntnis genommen, die Mittel für die anderen Bonner Kultureinrichtungen bis 2013 ebenfalls um ca. 4 Millionen Euro zu kürzen. Insbesondere die privaten und freien Theater, die einen entscheidenden Beitrag zur Vielfalt und Lebendigkeit der Kultur in Bonn leisten, wären dadurch in ihrer Existenz bedroht. Einen Kahlschlag der Szene können wir nicht akzeptieren“, so Einecke-Klövekorn.

Nach Ansicht des TG-Vorstandes sollte der Vorschlag der Personalversammlung des Theaters Bonn ernsthaft diskutiert werden, das sanierungsbedürftige Opernhaus durch einen hochwertigen Neubau zu ersetzen oder so umzugestalten, dass dort – in idealer Lage am Rhein und nahe am Stadtzentrum – Räume für Konzerte, Tanz und Musiktheater entstehen. Ein solches Haus könnte Beethovenfest und Oper unter einem Dach vereinen, das ganze Jahr hindurch bespielt werden und damit die finanziellen Risiken für die Stadt vermindern.

Die Bonn zugefallene Pflege des großen Erbes Beethoven bleibe darüber hinaus eine nationale Aufgabe, die allein aus dem städtischen Haushalt nicht erfüllt werden könne und entsprechender Unterstützung bedürfe. Die in Bonn ansässigen großen Wirtschaftsunternehmen könnten sich international auch mit einem Gebäude hervortun, das weltweite Ausstrahlung exemplarisch mit einem hohen Stellenwert für die kulturelle Grundversorgung der Menschen in Bonn und der Region verbinde.

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