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In dieser Woche wird der Bundestag über ein neues Afghanistan-Mandat abstimmen. Der Einsatz am Hindukusch polarisiert und dominiert derzeit das Mediengeschehen. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis er auch Eingang in die Kulturszene finden würde. Lothar Kittstein hat nun mit "Haus des Friedens" ein Auftragsstück für das Theater Bonn geschaffen, das mit viel Intensität und Feingefühl das Verhältnis der Deutschen zum Krieg beleuchtet. Am Mittwoch, 24. Februar 2010, war Premiere. Ob es sich tatsächlich um den Afghanistan-Einsatz der deutschen Bundeswehr handelt, bleibt reine Spekulation, denn Kittstein nennt keine Namen. Kriegseinsatz in einem Krisengebiet, das ist alles, was der Autor verrät, doch sprechen die Details der Inszenierung für sich. Drei Soldaten sitzen in einer ehemaligen Impfstation fest, ihr Wagen ist bei einer Erkundungstour liegengeblieben: Marie (Maria Munkert) ist ein gerade angekommener Neuling und voller Euphorie für den Einsatz im Namen des Vaterlandes. Lorenz (Konstantin Lindhorst) ist ein herzensguter, aber nur selten stillschweigender Soldat. Und schließlich Truppenchef Jost (Bernd Braun), ein Altgedienter, dessen Illusionen längst von der Realität überholt wurden und ihn zum verbitterten Kriegsmüden haben werden lassen. Da Lorenz den Wagen nur schleppend wieder in Gang bringen kann (oder vielleicht auch will, da er den Chef ärgern und Marie verführen will), muss die kleine Truppe wohl oder übel einige Tage miteinander auf engstem Raum leben. Es passiert, was passieren muss, wenn drei zerrüttete Persönlichkeiten sich in einer Extremsituation nicht aus dem Wege gehen können: die Emotionen schaukeln sich hoch, schließlich eskaliert die Situation. Kriegslust trifft auf Kriegsfrust, in der dem Kriegsland entsprechenden "kahlen" Inszenierung ohne jegliches Bühnenbild. Wie auf dem Präsentierteller in einem dunklen Verhörzimmer wird jeder einzelne im Strahl des Scheinwerferlichtes urplötzlich mit den eigenen Dämonen konfrontiert und beginnt gezwungenermaßen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Das Damokles-Schwert der Selbstvorwürfe schwebt über Jost und Lorenz, sie haben ein Truppenmitglied verloren, einen der besten und engagiertesten Männer noch dazu. Jost trinkt seitdem, Lorenz flüchtet in ernstlose Kaspereien. Vergessen ist alles, was sie wollen, doch die Erinnerungen lassen sie nicht mehr schlafen. Der Kriegseinsatz hat sie bereits gezeichnet, was der gläubigen Marie keineswegs zugute kommt: der von Braun brillant als knallharter Altsoldat gespielte Jost meint seinen gefallenen Mann in Marie wiederzuerkennen, Lorenz hat ausschließlich ihren Körper im Sinn. Beide umgarnen sie, stoßen sich doch immer wieder Ihre Hörner an ihr und brechen schließlich zusammen. Beide Male muss sie sich mit vollem Körpereinsatz der gewaltsamen Übergriffen erwehren. Eine durchsetzungsstarke Soldatin, vollauf authentisch gespielt von Munkert, die aus tiefstem Herzen an den Sinn des Auftrag glaubt: "Wir verändern die Welt! Wir befreien dieses Land! Wir ändern den Lauf der Dinge!" Hinter der Maske der Selbstsicherheit steckt die dunkle Seite des Soldatentums, die sich in einem bewegenden Moment des Gebets offenbaren: Angst und Einsamkeit. Aspekte, die der von Braun liebenswert als naiver Kindskopf dargestellte Lorenz durch dauerhaftes Gerede zu verscheuchen versucht, was in der gegebenen Situation jedoch scheitert. Zwei Fernsehgeräte, die links und rechts im Hintergrund stehen, geben der Situation ein Gesicht: bedrückende Schwarz-Weiß-Dokumentationen der unkontrollierten, unzumutbaren Zustände in den Krisengebieten werden eingespielt. Auf der Wand erscheinen Aufnahmen von Soldaten, wie sie zum Einsatzort fliegen, sich einrichten, erstmals ausrücken. Bilder, die an den Vietnam-Krieg erinnern. Ja, es herrscht Krieg. In Afghanistan ebenso wie im Haus des Friedens. In einem emotionsgeladenen Theaterspiel, das aufgrund einer bestechend genauen Abbildung der Realität besticht, wird eine sehr schwere Kost ohne Ängste angegangen. Lothar Kittstein ist eine kleines Meisterstück gelungen, das auch weit außerhalb der Anti-Kriegs-Bewegung viel Anerkennung finden kann (und hoffentlich wird), und das von einem exzellenten Schauspiel-Trio beeindruckend in Szene gesetzt wurde. Der lange Applaus sprach wieder einmal für sich. Die nächste Aufführung findet am 12. März um 20 Uhr in der Werkstatt des Theater Bonn statt. Weitere Informationen zum Stück und Termine finden sich auf der Homepage.
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