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EIN STÜCK PAPIER IST EINE WEISSE FLÄCHE IST EIN BRIEF IST EINE KRONE IST EIN BRAUTSCHLEIER IST EIN STÜCK PAPIER. So setzt das Ensemble c.t. 201 den bekannten Satz Gertrude Steins „a rose is a rose is a rose is a rose“ in ein eigenes Konzept um. Worte sind für Gertrude Stein ein Spiel – das genau ist der Fluch, aber auch der Reiz ihrer oft abstrakt und konstruiert wirkenden Texte. Löst man diese jedoch aus ihrer starren Schriftlichkeit, um sie tatsächlich als Spiel auf der Bühne erlebbar zu machen, kommt ihre Wirkkraft erst richtig zum Vorschein. In einer Zusammenstellung aus verschiedenen Teilen des Werkes von Gertrude Stein hat sich das Ensemble c.t. 201 an der studiobühneköln daran versucht, der Sprache der Dichterin szenisch Gestalt zu verleihen. EIN STÜCK PAPIER IST EINE WEISSE FLÄCHE, so zum Beispiel der Bühnenboden, über den sich große Holz- und Papierwürfel verteilen. Passend zur literarischen Vorlage bleiben die Kostüme schlicht, das Bühnenbild auf Grundstrukturen reduziert. Drei Darsteller entsteigen anfangs den Würfeln und beginnen in Monologen und Dialogen zu rezitieren, die – mit geradezu komischem Effekt – oft zielgerade aneinander vorbei führen. EIN BRIEF wird verlesen, kleine Geschichten werden erzählt. Die Fülle an assoziativen Textfragmenten macht es für den Zuschauer bisweilen zur Herausforderung, den roten Faden des Stücks nicht zu verlieren. Deutlich kristallisiert sich aber die Frage nach Identität heraus, die thematisch das Stück durchzieht. Nicht immer jedoch lassen sich Darstellung und Gesprochenes in Einklang bringen. Dafür gelingt das Spiel mit dem Raum umso eindrucksvoller. Immer wieder kommt Papier als Material und Requisite zum Einsatz und setzt die humorvollen Facetten der Texte wunderbar in Szene. Ob im Hahnenkampf zweier Ritter um eine Königin, der DIE KRONE fehlt, oder in den Hochzeitsfantasien eines Mädchens, ob als Rüstung oder BRAUTSCHLEIER – das Papier lässt aus Worten Bilder entstehen. Die Abstraktion von Steins Texten geht aber auch in dieser visuellen Umsetzung nicht verloren. Besonders in der zweiten Hälfte des Stücks, die im Vergleich zu dem etwas schleppenden ersten Teil deutlich an Schwung gewinnt, kommt die Symbolhaftigkeit von Sprache zum Ausdruck. Das gedruckte Wort „Pinguin“ auf einem Stück Papier genügt, um das Tier auf der Bühne Wirklichkeit werden zu lassen. Der Gehalt der Texte liegt nicht primär in dem, was sie erzählen, sondern vor allem in dem Wie der Präsentation, in ihrer Form. Dies setzt Heidrun Grote in ihrer Sprach-Inszenierung wirkungsvoll um. Ein Spiel mit Rhythmus und Klang entsteht, das gerade in der letzten Szene enorme Kraft hervorbringt. Die Worte wirken dahingeworfen, eingeworfen in den Satz eines anderen, die Redenden unterbrechen sich gegenseitig, und doch kreiert sich gerade so ein Ganzes. Ein Fluss, ein Sog aus Sprache entsteht und macht die Bedeutung der Worte sinnlich glaubhaft: SIE LIEBEN ES AM LEBEN ZU SEIN. Gertrude Stein. weiter anfangen. wir fangen an ist ein interessantes Experiment, die verschlüsselten Texte der Dichterin über das Spiel zu öffnen und erschließbar zu machen. Jedoch nicht immer ein leichtes Unterfangen für den Zuschauer. Gertrude Stein. weiter anfangen. wir fangen an. Mit: Christine Kättner, Aurélie Thépaut, Tobias Novo Regie & Inszenierung: Heidrun Grote Bühne & Inszenierung: Katja Butt Weitere Termine: 16.- 20. Dezember Weitere Infos unter http://www.studiobuehne.uni-koeln.de/
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