Wir befinden uns im 21. Jahrhundert, einem Zeitalter, in das neuartige Geschftsideen Einzug gehalten haben. Man muss beim Einkauf nur ein Chipkrtchen zcken und schon wei der Gegenber alles von einem. Angefangen bei der Schuhgre ber die individuellen Vorlieben bei Zeitschriften bis hin zu den regelmig bentigten Medikamenten. Doch was geschieht eigentlich, wenn sich jemand in dieses System einloggt und die persnlichen Daten manipuliert?

Mit dieser Annahme beschftigt sich das Theater 1000 Hertz und Luftschiff.org seit gestern in der Urauffhrung "Maulwrfe": Drei Menschen treffen in der ehemaligen Lagerhalle eines Datenkonzerns aufeinander. Alle sind sie auf der Suche nach Spuren oder mchten die eigenen am liebsten auslschen. So hlt H. aufgrund der gesammelten Indizien ihren Ehemann fr einen Fremdgnger; Akribisch setzt sie Beweisstck fr Beweisstck zusammen und ist emprt, so hintergangen worden zu sein. Doch sind die Dinge wirklich so, wie sie scheinen? Hat nicht vielleicht alles vielmehr mit einem Komplott zu tun, wobei absichtlich Spuren in eine bestimmte Richtung gelegt wurden? Auch ein ehemaliger Angestellter der Firma Datascore, A,. taucht in der Lagerhalle auf. Er hat Zugang zu smtlichen berwachungsbndern und macht sich einen groen Spa daraus, Spuren zu verwischen oder bewusst anders zu lenken. Dies wird auch der dritten Person bewusst, CEO. Sie kehrt in die Lagerhalle zurck, um ihre eignen Spuren zu verwischen, denn sie wei selbst nur zu gut, welche Folgen es haben kann, in den falschen Statistiken aufzutauchen.

Die drei Protagonisten treffen in der Orangerie auf einer offenen Bhne zusammen und wirken in dem groen Raum verlassen. Die Kulisse ist damit gut gewhlt, spiegelt sie doch die eigene Position im Datenkosmos wider. Aus Vorsicht vor zuviel Information sind die drei Darsteller daher nur Figuren, tragen keine richtigen Namen und sind sehr vorsichtig mit persnlichen Angaben. Nicht so die Schauspieler: Regisseurin Christina Vayhinger schlpft selbst in mehrere Rollen und verkrpert unter anderem glaubhaft das ehemalige Werbemaskottchen Cyberbunny. Der revuehnliche Werbespot, welcher nochmals eindringlich auf die vermeintlichen Vorteile des glsernen Kunden hinweist, macht die Auffhrung uerst lebendig. Auerdem kann A., gespielt von Anton Weber, stellenweise fr ein paar Lacher im Publikum sorgen. Das tut bei der sonst eher ernsten Problematik auch wirklich ganz gut.

Gegen Ende des Stcks, als sich die ganze Tragweite des Missverstndnisses um H.'s Ehemann schlielich geklrt hat, endet die Vorstellung recht abrupt. In dieser Inszenierung werden die Auswirkungen der Vorgehensweise solch skrupelloser Konzerne klar. Doch insgesamt wirkt sie eher konstruiert als real und es bleibt vieles offen. Wer jedoch Lust auf ein kleines Gedankenexperiment hat, der kann sich die "Maulwrfe" noch bis in den Oktober hinein ansehen.

Weiter Auffhrungen: 23. und 24.07 um 21h; 15. 18.09. um 20h; und 21. 23.10. um 20h in der Orangerie, Volksgartenstrae 25.

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