Die Welle bricht herein und begrbt ein ganzes Volk unter sich. Im Nachbeben kmpfen berlebende, zurckgebliebene Frauen um ihre Wrde, ihre Selbstachtung. Doch was bleibt, wenn ihnen die Heimat, ihre Familien und Lebensentwrfe genommen sind? Der zehnjhrige Krieg um Troja hinterlsst Opfer. Der langjhrige Kampf konfrontiert sie mit Fragen an ihre Gtter. Was sind die eigentlichen Ursachen und wer sind die Tter in diesem Krieg? Wirre Anklagen weichen einer schmerzvollen Gewissheit: Die Grundlagen der eigenen Existenz stehen endgltig infrage. Wie bewahren die Frauen Ruhe und Duldsamkeit als Leibeigene der Feinde. Wer kann sie schtzen, wenn dies die Gtter oder die frheren Ehegatten nicht mehr tun? In Die Troerinnen geht es um essentielle Fragen nach Schuld, Krieg und Tod.

Sklaverei und Menschenhandel


Euripides, einer der klassischen Dramatiker des antiken Griechenland, entwickelte diese Tragdie vor fast zweieinhalb Jahrtausenden. Dass ihre Themen bis heute aktuell sind, zeigt Karin Beiers Inszenierung auf erstaunliche Weise. Auch in der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts werden tglich Menschenrechte verletzt und wird Menschenwrde mit Fen getreten. Die Selbstbehauptung fllt schwer, wenn man zum Kriegsgewinn degradiert ist. Die berlebenden Frauen der Trojaner werden von den Griechen wie Gter behandelt und gehandelt. Zu den prominentesten Troerinnen zhlen Hekuba (Julia Wieninger), frhere Knigin von Troja, und Kassandra (Rosalba Torres Guerrero), ihre Tochter. Kassandra ist Agamemnon, dem Griechenknig von Mykene als Sklavin versprochen. Hekuba selber soll Sklavin des Odysseus, dem Knig von Ithaka werden. Zu Beginn der Vorstellung ruft Hekuba ihre Tochter und ihre frheren Dienerinnen dazu auf, nicht zu verzweifeln, standhaft und gehorsam zu bleiben. Dann werden dies die Gtter belohnen und fr das geschlagene Volk Rache ben. Doch in ihrem noch immer treuen Gefolge regen sich Zweifel, berechtigterweise.

Anklagen und ihre inszenatorische Umsetzung


Andromache (Lina Beckmann) klagt Hekuba an, den Sohn geboren zu haben, der Griechenknigin Helena entfhrte und dadurch den Krieg erst auslste. Sie habe auf eine Weissagung nicht reagiert, die das drohende Unheil durch ihren Sohn bereits vor seiner Tat ankndigte. Nun mssen die Kinder der Anhngerinnen sterben, weil Hekuba das eigene verschonen wollte. Hilflos erkennt die frhere Knigin, dass sie nichts fr ihre Getreuen mehr tun kann. Dienerinnen von einst wenden sich von ihr ab. Karin Beier lockert die Darstellung des Leids ihrer Protagonistinnen der Antike durch inszenatorische Ideen und ironische, modern anmutende Kniffe auf. Zusammen mit einigen ihr zugetanen Troerinnen singt Hekuba das jamaikanische Calypso-Volkslied Banana Boat Song, um die Klagen der Andromache zu bertnen. Kassandra vollfhrt impulsiv eine ganze Bandbreite effektvoller Choreographien, die an Pina Bausch erinnern. Mit diesem Ausdruck der eigenen Kraft versucht sie Sklaventreiber Talthybios (Nikolaus Benda) in seine Schranken zu weisen. Helena (Angelika Richter) zeigt bei einer fingierten Modenschau viele Facetten ihrer Vorzge, bevor sie unter den Troerinnen ansichtig wird. Zart haucht sie Happy Birthday, Mr. President, wie einst Marilyn Monroe, um Griechenknig Menelaos (Yorck Dippe) fr sich zurckzugewinnen. So erhofft sie vor der Rache seines Volkes verschont zu werden und nicht ein Schicksal der Troer zu teilen. Ein ganzer Klagechor, der auf den hinteren Reihen im Publikum platziert ist, unterhlt sich mit den Darstellerinnen im stimmgewaltigen, rhythmischen Wechselgesang.

Wer ist schuld? Entrckt, verrckt, erdrckt

Die Inszenierung ist von ihren Bildern her eindrucksvoll und berhrt essentielle Fragen. Wenn die Frauen ihre Gesichter hinter, an das Theater der Antike erinnernde Masken verstecken oder sich einer Modenschau hingeben, wird die Handlung jedoch leider zu artifiziell gebrochen. Die Klagen der Frauen berhren dann in ihrer Verflochtenheit leider nur noch mig. Auch wird das Bhnenbild irgendwann steril, wenn die Troerinnen dem Publikum ihre Rcken zukehrend in Sisyphusarbeit wiederholt Sandscke von rechts nach links tragen. Immerhin ist es am Ende nur noch Hekuba, die dabei von Talthybios zur Schnelligkeit angetrieben wird. Doch die Welle ist schon aufgeschlagen, ein Zweck der Sandscke fraglich.

Weitere Spieltermine: Fr. 01.02. und Sa. 02.02. jeweils ab 19:30 Uhr sowie am So. 03.02. ab 18 Uhr in der Spielsttte EXPO 1. Zustzliche Infos gibt es auf der Homepage des Klner Schauspiels. Smtliche Vorfhrungen sind bereits ausverkauft.

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