Da suhlen sich vier Mittfnfzigerinnen in Sticheleien, Klischees und zuletzt im eigenen Erbrochenen. Am Anfang war da doch nur eine Einladung zu einem Wellness-Center anlsslich des Weltfrauentages, der die gestandenen Damen nachkamen. Diese Einrichtung entpuppt sich nach und nach als von der Auenwelt vllig isoliert, in der Frauen tun und lassen knnen was sie wollen. Sie haben hier aber auch keine Chance, in der Welt und in ihrem Leben wirklich etwas zu verndern. Mit bemitleidenden Worten prsentiert der Inhaber der Schnheits-Oase die Frauen dem Publikum gleich zu Anfang. An den Wnden des Salons hngen ausnehmend Konterfeis und Ganzkrperabbildungen jngerer Damen mit Modelausmaen. Die vier Frauen lassen das Mitleid und aufwendige Prozeduren ber sich ergehen, wie sie sich auch schon zuvor ihrem Schicksal gefgt haben. Es ist weniger die Hoffnung auf mehr Attraktivitt und eher die Neugierde, die sie beim Wellnessprogramm antreibt. Am Anfang gruppieren sie sich als desillusionierter Sprechchor um Modepuppen, die ihr eigenes Dasein monologisch Revue passieren lassen. Das ist ein starkes Bhnenbild. Irgendwann erklrt ihnen der Saloninhaber, dass sie sich dem Alter sowieso nicht widersetzen knnen. Aber dann ist es auch schon zu spt.


ber den Austausch und Krperflssigkeiten

Das Schwelgen der vier Damen in Plattheiten und Boshaftigkeiten nimmt nun ungeahnte Ausmae an. Frustrationen ergieen sich ber die Zuschauer. Vllig distanzlos unterhalten sich die Frauen nicht nur ber eigene Krperflssigkeiten. Die beiden Mtter, Frau Merz-Dulschmann (Tatjana Pasztor) und Frau Luhmann (Elisabeth Auer), tauschen sich auch abfllig ber ihre Shne aus. Sie beklagen, dass diese stndig Pornovideos auf Youporn schauen und dabei onanieren. Unter den Betten ihrer Shne finden sie so regelmig abgestandene Socken. Frau Luhmann meint konsterniert ber den eigenen Sohn: Wenn ich aufrume, dann schaut er mir sogar noch auf den Arsch. Eine der Damen, Frau Grau (Cornelia Kempers), ist eine vergeistigte Professorin. Ihr sexuelles Interesse am anderen Geschlecht hlt sich in Grenzen. Das demonstriert sie durch das Vortuschen eines Orgasmus, wenn man sie auch nur auf das andere Geschlecht hin anspricht. Auerdem schwrmt sie bevorzugt fr Innereien, die sie in Glsern zuhause aufbewahrt. Schlielich gibt es noch Frau Tss (Susanne Bredehft), die ihre angebliche Bulimie-Krankheit durch eine Liebe zu ihren Pflanzen kompensiert. Wenn die vier Damen Bierkrge schwingend ein Klagelied auf die eigenen Mtter singen, wirken die Figuren recht theatral berzogen. Doch das ist nur ein Vorspiel. Spter wird uns noch ein gemeinschaftlicher Hexentanz prsentiert, der dem Nachleben der Heldinnen gewidmet scheint.

Verbitterung und hellsichtiger Zynismus

Die Frauen geben viel ber sich preis. Dem Zuschauer stehen ihre Leidensgeschichten irgendwann bis zum Hals. Die Gewissheit naht: Der Einsamkeit im Alter knnen die Damen auch nicht durch Schnheitspeelings oder Operationen entfliehen. Warum nur mgen Mnner keine reiferen Frauen? Der einzige Mann im Stck ist Horst (Falilou Seck), der dienstbeflissene Masseur, Hormonexperte und Therapeut der Damen. Irgendwann wird er zum deutlichen Widerpart seiner Schtzlinge, wenn er ihnen ihren baldigen Untergang voraussagt. Im aufkeimenden Krieg zwischen den Geschlechtern gibt er auer seinem Hass auf das schne Geschlecht wenig Privates preis. Neben den Frauen, die nicht nur ihren Umgang mit gekrnkter Eitelkeit und dem Altern thematisieren, bleibt er so etwas farblos. Doch unnahbar ist auch er nicht. Nachdem er eine imaginre Katze brutal maltrtiert, weil sie ein so unntzes Schmusetier der Frau darstellt, wird er selber zur Genugtuung der Zuschauer von den Stckelschuhen der Damen totgetreten und sogar -gebissen. Ein starkes Stck. Zu guter Letzt gibt es in der neuen Urauffhrung von Sibylle Berg am Bonner Theater wenig Erhellendes, Erkenntnisse oder Einsichten.
Es bleibt nur die Gewissheit, dass ein Hass auf das jeweils andere Geschlecht, mag er nun im Wissenschaftsjargon Misogynie oder Misandrie lauten, borniert, eitel und niemals zeitgem ist. Neben den guten Schauspielleistungen und dem Bhnenbild von Martin Kukulies ist besonders der Bezug zu politischen Fragen, wie der Quotierung in Fhrungsebenen, erwhnenswert.

Weitere Spieltermine: So. 13.01., Sa. 19.01., Fr. 25.01., So. 27.01., Fr. 01.02., Di. 05.02., Sa. 23.02. und Mi. 27.02. jeweils ab 19:30 Uhr in der Halle Beuel, Siegburger Strae 42. Zustzliche Infos gibt es auf der Homepage des Bonner Theaters.

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