Wie reagieren Menschen angesichts eines bevorstehenden Weltuntergangs? Und vielleicht die interessantere Frage: Wie steht Gott eigentlich dazu? Suse Wchter inszenierte am Klner Schauspiel eine Komdie, in denen zwei Schauspieler Menschen spielen, Gott-Vater und Jesus aber von Puppen dargestellt werden.
Im Expo XXI hat das Schauspiel Kln neben der Halle Kalk ein weiteres Ausweichquartier gefunden. Diese beiden Spielsttten, wie brigens auch das Ausweichquartier der Oper im Palladium, punkten mit einem besonderen Charme. Grozgige Rumlichkeiten in alten Fabrikgebuden, viel Platz in den Vorhallen und in den Publikumstribnen, die bequeme Pltze und gute Aussichten bieten. Mit Der Abend Aller Tage fand nun im Expo XXI ein Theatervergngen der besonderen Art statt. Nicht nur, dass Suse Wchter Regie fhrt, das Stck selbst stammt von ihr und sie spielt selbst die Handpuppen und spricht fr sie. Als Puppenspielerin hat sie in den vergangenen Jahren schon an renommierten Theatern ihr Knnen gezeigt. Mit Stimme, technischen Tricks und durch geschicktes Handling haucht sie ihren Puppen Leben ein.

Therapeuten-Guru Gott fordert menschliche Akzeptanz frs Weltenende


Hauptdarsteller ist kein geringerer als Gott-Vater persnlich, der zu Beginn der Auffhrung erst mal vergessen hat, wie der Anfang der Welt war. Dann aber beginnt der Bhnenzauber mit der Erschaffung des Lichts und den ersten Lebewesen. Pltzlich sind auch schon die Menschen da. Allerdings kommt das Stck damit auch schon zu seinem Thema Der Abend aller Tage, will heien: der Weltuntergang. Gott will die Menschen auch da hindurchfhren, wie durch alle anderen greren oder kleineren Herausforderungen, die das Leben fr uns bereithlt. Immer mehr geriert sich Gott dabei wie ein Therapeuten-Guru, der einiges von den Menschen verlangt, ihnen auf ihrem Weg aber auch weiterhelfen will und dabei aber auch selbst ganz toll dastehen mchte. Als dann aber der kleine Jesus Christus auftaucht, eine schaurig-niedliche Baby-Puppe, steigert sich der Anspruch ins Groteske, den Menschen so helfen zu wollen, wie Gott es sich denkt und dabei auch noch geliebt zu werden. Was dem Zuschauer fehlt, das ist die dritte Person der Dreifaltigkeit: der Heilige Geist. Dieser soll den Menschen das Verstehen und das Erleben von tiefem Sinn vermitteln. Die beiden Puppen-Gottheiten erscheinen nmlich in ihrem Bemhen und ihrem Ego allzu menschlich.

Humorvolle Groteske ber den Untergang, ohne allzuviel Tiefgang

Die Menschen werden von menschlichen Darstellern gespielt. Maik Solbach, der angesichts des bevorstehenden Weltuntergangs eigentlich die gttlich vorgesehenen drei Phasen Wut, Depression, Akzeptanz durchlaufen sollte, aber schon die Wut nicht sprbar rberbringt, die Depression nur mal leicht streift und in der Akzeptanz vordergrndig bleibt. Sachiko Hara singt als weibliche Reprsentantin des Menschengeschlechts den Part der Maria Magdalena aus Andrew Lloyd Webbers Musical Jesus Christ Superstar. Auch unter Rckbezug auf Schlager von Karel Gott oder den White Stripes versteht es die Inszenierung, humorvoll die ngste und Sehnschte der Menschen kurz vor dem Untergang zu zeigen. Dabei wechselt sich Banal-Alltgliches mit Tiefgrndigem ab, ohne dass es dabei um wirkliche Antworten geht. Vielmehr trifft ein antiquiertes Gottesbild eines alten brtigen Mannes auf Menschen, die in ihren ngsten und Hoffnungen gefangen sind. Begleitet wird das Szenario auf der Bhne von erdbebenhnlichem Erzittern, durchbrennenden Scheinwerfern und einstrzenden Bhnenbildwnden. Eine tatschliche Apokalypse oder ein Armageddon wird jedoch nicht in Anstzen auf der Bhne nachgestellt. Allzu Bedeutsames ber das Leben, das Ende der Welt und ber Gott sollte der Zuschauer bei diesem Stck nicht erwarten. Es bleibt meist doch trashig und den schnellen Pointen verpflichtet. Wer allerdings eine ungewhnliche, humorvoll-einfallsreich-groteske Komdie mit ungewhnlichen Darstellern ber das Ende aller Zeiten sehen mchte, wird bei diesem experimentellen Stck gut unterhalten und nicht enttuscht sein.

Weitere Spieltermine: Sa. 03.11., So. 04.11., Di. 06.11., Fr. 09.11. und Sa. 10.11. jeweils ab 19:30 Uhr auf dem Expo XXI-Gelnde, Gladbacher Wall 5. Zustzliche Infos gibt es auf der Homepage des Klner Schauspiels.

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