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200 Francs. Damit beginnt die Geschichte von Andreas, dem „heiligen“ Trinker. 200 Francs, die er an einem Sonntag seiner Wahl zur Kapelle St. Marie de Batignolles zurückbringen soll. Doch dieses Unterfangen gestaltet sich schwieriger als gedacht. Der Obdachlose Andreas kommt wie durch ein Wunder zu Geld. Viel Geld. Doch wie man es von einem Säufer erwartet, vertrinkt er das Geld. Trotzdem erhält er es immer wieder auf wundersame Weise zurück. Der polnische Einwanderer trifft in seiner Geschichte auf Menschen, die in seinem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben. Er erlebt eine „Wandlung“, fühlt sich in seine Jugend versetzt und die Schuld seines Lebens fällt förmlich von ihm ab. Der Autor der Erzählung, Joseph Roth, bezeichnet „Die Legende vom heiligen Trinker“ als sein Testament. Er selbst verstarb noch vor der Veröffentlichung seiner Erzählung an den Folgen seiner Alkoholsucht. Andreas verkörpert in dem Stück also seinen „Alter Ego“. Unkonventionelle Besetzung Zu Anfang der Aufführung verkörtpert Ernst Konarek den „heiligen Trinker“ . Doch nach einer kurzen Zeit wird klar, dass drei der insgesamt vier Darsteller im Laufe der Inszenierung in die Rolle des Alkoholikers schlüpfen. Durch diese ungewöhnliche Besetzung werden regelmäßig neue Facetten des Charakters in den Vordergrund gerückt.Die junge Lieselotte Armbruster als Heilige Therese wird mehrmals auf eine Leinwand projiziert.Sie erscheint nur in der Vorstellung von Andreas und tritt deshalb nicht auf der Bühne auf. Während der Aufführung wechseln die Akteure einerseits zwischen verschiedenen Personen des Stückes und einer Erzählerfigur: Diese greift Vergangenes auf oder erklärt bestimmte Situationen. Die wechselnden Örtlichkeiten werden ebenfalls durch die Erzählerfigur erläutert. Der Zuschauer kann so der Handlung ohne Probleme folgen und nachvollziehen, wie Andreas in diese Situation geraten ist. Wolfgang Seidenberg, bekannt aus der ARD- Vorabendserie „Marienhof“, überzeugt in der Rolle einer aufreizenden Buchhändlerin. Ebenso übernehmen Lisa Wildmann und Ernst Konarek verschiedene Rollen des anderen Geschlechts und präsentieren diese authentisch und unterhaltsam. Schauspieler überzeugen musikalisch Die Zuschauer werden noch vor dem eigentlichen Beginn des Stücks im Vorraum des Theaters „abgeholt“: Die drei Schauspieler begleiten das Publikum mit einem musikalischen Einmarsch, gespielt auf den eigenen Instrumenten, zu ihren Plätzen und durch die typisch französischen Klänge gleichzeitig in die Kulisse von Paris. Am Ende der Aufführung greifen die Akteure noch einmal zu Posaune und Melodica und schließen somit den musikalischen Rahmen.Ob mit Acapella-Einsätzen oder als Untermalung während so mancher - sehr gelungenen - Tanzszene: Die Musik wird gekonnt und passend eingesetzt. Weniger ist mehr Während des kompletten Stücks verändert sich das eigentliche Bühnenbild, bestehend aus einem weißen Vorhang, kaum. Der anfangs eher lieblose Eindruck wird jedoch im Laufe des Abends nicht bestätigt. Denn die schlichte Szenerie wird immer wieder beispielsweise durch Beleuchtung und verschiedene Requisiten so verändert, dass sie die vielen Schauplätze der Handlung greifbar macht. Andreas' Vorstellungen der heiligen Therese werden mithilfe von einem Beamer visualisiert, das weiße Laken wird so zur Leinwand. Der Vorhang wird zwischendurch zur Bettdecke umfunktioniert, sodass eine Sicht von oben auf zwei schlafende Menschen simuliert wird. Das Stück verliert zu keinem Zeitpunkt der Inszenierung seinen hohen Unterhaltungswert. Dies ist besonders der wechselnden Rollenverteilung zu verdanken, die keine Langeweile aufkommen lässt.Ist es die fiktive Gedankenwelt von Andreas oder reales Geschehen, das auf der Bühne dargestellt wird? Eine Frage, die man sich in der Inszenierung des Öfteren stellen muss. Gerade dieser Aspekt - und dass diese Frage nicht eindeutig beantwortet werden kann - macht das Stück noch reizvoller.
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