Vom Alter haben wir eher eine verschwommene Vorstellung. Ist es irgendwann da, freut das die Wenigsten. Oli, ein akkurat gekleideter Mann mit Seitenscheitel und Brille, sieht seinem nahenden vierzigsten Geburtstag mit Argwohn entgegen. Noch weniger, als alt zu werden, mchte er diesen Anlass feiern ein vergeblicher Wunsch dank der euphorischen Freunde des Geburtstagskindes. Die tauchen bald mit reichlich Bier und altersgemen Geschenken wie Nasenhaartrimmern und Funktionskleidung bei Oli auf, um seinen Jahrestag angemessen zu zelebrieren.

In diesem Monat wird Gibt's ein Leben ber 40 im Theater am Sachsenring in Kln inszeniert. Das Stck stammt aus der Feder des Kabarettisten Thomas Reis. Er wurde durch Produktionen wie Als die Mnner noch Schwnze hatten und Machen Frauen wirklich glcklich?. So wird dem Zuschauer Kabarett geboten, locker eingebettet in die Handlung der ausufernden Geburtstagsfeier. Reis' Figuren liefern sich einen pointierten Schlagabtausch ber die Themen, die den Menschen des 21. Jahrhunderts bewegen. Sie philosophieren ber das Alter, die Sinnlosigkeit ihres Lebens, die Angst vor Schulden und dem Dickwerden.

In der Inszenierung des Theaters am Sachsenring legt Regisseur Joe Knipp den Fokus auf die schauspielerischen Leistungen seiner Besetzung. Die Bhne kommt mit wenigen Requisiten aus: Ein provisorischer Balkon und ein paar Bierksten kennzeichnen Olis Wohnung auf der ansonsten schwarz gehaltenen Bhne. Drei Schauspieler spielen Geburtstagskind und smtliche weiblichen und mnnlichen Freunde. Was auf den ersten Blick umstndlich wirkt, funktioniert wunderbar dank des berzeugenden Spiels der Darsteller.

Karikaturen unserer Gesellschaft

Auf der Geburtstagsfeier des 40-jhrigen Oli finden sich von der verhuschten Oma bis zum schluffigen Halbwchsigen Dennis die verschiedensten Typen, die wir aus Familie und Bekanntenkreis nur zu gut kennen. Genussvoll werden spieige Kleinbrger mit Rollkragenpulli parodiert, betrunkene Exfreundinnen laufen zu Hchstform auf und das Geburtstagskind Oli verzweifelt an seinem eigenen verkorksten Leben genauso wie an seinen Mitmenschen. In dieser Komdie kommt niemand gut weg: Die Figuren verschonen bei ihren Frotzeleien weder den Papst, noch die aktuelle Frauenpolitik oder die Finanzkrise. Im Verlauf des Stcks gehen die Gags zunehmend unter die Grtellinie sind dabei aber immer intelligent.

Die Komdie verbleibt jedoch nicht bei einer bloen Aneinanderreihung gelungen umgesetzter Sketche. Ohne seinen Humor zu verlieren, lsst Regisseur Joe Knipp die Inszenierung zum Ende hin zunehmend nachdenklicher werden. Seine Figuren taumeln durch eine Alptraumwelt ihrer ngste, getrieben von der Frage, wohin all dieser Schwachsinn sie fhren soll. Wozu eigentlich denken, wenn ich doch schon bin? Und wozu sein, wenn nichts wird?, fragt sich Oli. Sein Leben scheint mit dem Altern abgeschlafft, er beklagt, dass aus frheren Hausbesetzern und Idealisten nun Einbaukchen-Besitzer mit Besucherpantoffeln geworden seien. Ich bin faul geworden, ideologisch verhrmt, stellt Oli resigniert fest. Seine Mutter nimmt ihn indes immer noch nicht fr voll. Lass dir doch mal wieder die Haare wachsen, fordert sie ihren Sohn auf.

Von Hausbesetzern zu Hausbesitzern

Doch wer ist in diesem Stck der Spieer? Und wer die rebellische Generation? Sind es Oli und seine Freunde, die sich ihrer frheren Taten rhmen und heute vor Kapitalismus und Brgerlichkeit einknicken? Wie hart Kapitalismus ist, merkst du erst, wenn du Geld hast, sinniert Olis Freund Jrgen. Wir wollten die Gesellschaft noch ndern, wirft er seinem desinteressierten, stndig am Handy klebenden Sohn vor. Na, das ist euch ja super gelungen!, kontert dieser.

Gibt's ein Leben ber 40 hlt dem Zuschauer einen Spiegel vor. Das Stck parodiert von der antriebslosen Jugend bis zu der hyperaktiven Generation der Alten, die Weltreisen unternehmen und noch ein Studium beginnen, alle Generationen schonungslos. Und legt dabei viele Sinnlosigkeiten, Vergeblichkeiten und groen Irrsinn offen. Sind wir zu lasch? Waren wir jemals besser? Hat, nach alledem, der ganze Schwachsinn berhaupt einen Sinn? Das Leben ist immer das Richtige!, rufen Oli und Partygste. Also: Auf das Leben!


Weitere Spieltermine: 24., 25., 31. Mai, 1. Juni
Beginn: 20 Uhr
Mehr Informationen gibt auf der Homepage des TAS

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