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Turandot stürzt reihenweise Verehrer ins Verderben. Die chinesische Prinzessin gibt ihren Heiratskandidaten drei Rätsel auf. Nur so können sie ihre Hand erwerben. Andernfalls verlieren sie ihren Kopf. Die Rätsel der Prinzessin sind komplex. Sie möchte an ihrer Unabhängigkeit festhalten und unverheiratet bleiben. Blut spritzt. Köpfe fallen durch den Schacht des kaiserlichen Schlosses. Sie säumen die Bühne der Bonner Oper.

Ein Mädchen lockt mit ihrer Verweigerung ins Verderben

Das grausame, persische Märchen Turandot spielt in Peking. Balkone und Erhöhungen machen das dunkle und halbkreisrunde Bühnenbild mehrebig. Sie lassen es so als Palast der Prinzessin und als Arena für Hinrichtungen erscheinen. In der Rolle des Volkes beklagen Chorsänger sanft lamentierend die Grausamkeit der Prinzessin und das traurige Schicksal ihrer Verehrer. Das Volk bittet die Prinzessin einen jungen Prinzen vor dem Beil der Henkerin zu verschonen. Turandot bleibt unerbittlich und hart. Sie singt in einer Arie geflissentlich: „Du alleine bist die Ursache deines Verderbens, da ich dich nicht dazu zwinge, dich um meine Hand zu bewerben.“

Todesdrohungen einer Prinzessin

Calaf, Sohn des Tartarenkönigs Timur, wohnt dem Schauspiel bei. Begleitet wird er von seinem Vater und der, ihn heimlich liebenden Sklavin Liú. Er verfällt dem Antlitz der Prinzessin. Er möchte sein eigenes Glück bei ihr versuchen. Die Minister Ping, Pang und Pong und der Kaiser Althoum, Vater der Turandot, versuchen ihn umzustimmen. Sie sind des Blutvergießens müde. Calaf schlägt jedoch den Gong und verlangt nach den Rätseln. Instinktiv findet er wohlüberlegte Lösungen für die drei Rätsel. Das Volk ist begeistert. Doch Turandot bittet ihren Vater, sie nicht an Calaf auszuliefern. Ihr Vater weigert sich, sein Wort zu brechen. Nun gibt Calaf als Ausweg Turandot ein Rätsel auf: Er sei bereit zu sterben, wenn sie bis zum Sonnenaufgang seinen Namen herausfinde. Das ganze Volk beteiligt sich an der Namenssuche, da Turandot in ihrer Verzweiflung nun allen mit dem Tod droht…

Starke Klangfarben und Bilder

Das Bühnenbild, die gesanglichen Leistungen des Chores und die Kostüme und Choreographien der Soldatinnen beeindrucken in starken Klangfarben oder Bildern. Die drei Burlesken Ping, Pang und Pong lenken als witzige Figuren von der vordergründigen Grausamkeit des Geschehens ab. Die Auflösungen der Rätsel der Hauptfiguren muten poetisch an. Auch die zuweilen ungewöhnliche Montage von skurriler, gefühlvoller und konventioneller Orchestrierung fordert den Zuhörer auf, eigene Hörgewohnheiten zu erweitern.
Die wohl berührendste Szene ist der Tod Liús unter der Folter. Sie stirbt, ohne den Namen ihres Geliebten zu verraten. Emotional stark verunsichert und vor dem Abgrund stehend singt Irina Oknina als Liú mit ergreifendem gesanglichen Ausdruck. Der Zuschauer fragt sich, warum Calaf die sanfte, schöne und junge Frau für die wesentlich ältere, korpulente und herrische Turandot verschmäht. Immerhin ist bereits zu Anfang klar, dass Liú Calaf hingebungsvoll liebt und verehrt.

Das Liebesbegehren überzeugt nicht

Ein Problem der Inszenierung liegt scheinbar im hohen Alter der Darstellerin der Titelfigur. Die Sopranistin Rachael Tovey überzeugt mit ihrem strengen Ausdruck als unnahbare, machtvolle und kaltherzige Furie, jedoch nicht als begehrenswerte Prinzessin. Die finale körperliche Annäherung zwischen ihr und dem ebenfalls gedrungenen George Oniani in der Rolle des Calaf wirkt unbeholfen, wenig glaubwürdig und beinahe peinlich. Hier hätte man sich mehr Tiefgang beim Ausloten der Charaktere und der szenischen Umsetzung gewünscht. Vielleicht hätte eine jüngere Darstellerin nicht die nötige Übung für das vorausgesetzte gesangliche Können der Titelfigur mitgebracht. Sie hätte jedoch wahrscheinlich ein überzeugenderes Bild als vielbegehrte Prinzessin abgegeben, für die reihenweise junge Männer ihr Leben lassen. Calaf werden in einer Szene von den Ministern wohlgeformte, nackte Frauenkörper vorgeführt. Auch hier lässt er sich von seinem reinen und ausschließlichen Begehren für Turandot nicht abbringen. So mancher Zuschauer mag klammheimlich einen Mutterkomplex vermuten. Dass die angeblich nackten Frauen fleischfarbene Nader-Stofftrikots tragen, ist ein weiteres Mankerl der insgesamt doch recht züchtigen Inszenierung.

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