Die Klner Oper und das Klner Schauspiel zeigen in dieser Spielzeit 2011 zwei zeitgleich vor 80 Jahren entstandene Werke des Knstlerduos Brecht und Weill. Die Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" und das Drama "Die Dreigroschenoper" werden jeweils auf hnliche Weise durch freche und unbarmherzige Schlager oder Jazz-Rhythmen unterbrochen. Sie sind sich von ihrer Thematik und Figurenkonstellation her hnlich. Auf zynische Art behandeln sie materielle und soziale Probleme in der Gesellschaft und eine Bereicherung an Armut. Freude ist nur durch Geld erwerbbar und wird in Exzessen genossen. In beiden Werken wird mit Armut, Gte und Schlechtigkeit kokettiert. Der mnnliche Hauptcharakter wird schlussendlich jeweils mit einer unbarmherzig sich herauskristallisierenden Pseudo-Moral der Gesellschaft konfrontiert und von vermeintlichen Freunden und Partnerinnen fallen gelassen.

Katharina Thalbach inszeniert "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny"

Die prominente Schauspielerin und Regisseurin Katharina Thalbach inszeniert Weills Oper nach dem Libretto von Brecht gewissenhaft als nostalgische Revue. Der Inhalt von "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny", eine Chronik in 20 Szenennummern, ist die Geschichte der Stadt Mahagonny. Ihre Entstehung, ihre ersten Krisen, ein entscheidender Wendepunkt in ihrer Entwicklung, ihre glanzvolle Zeit und ihr Niedergang werden an den Beziehungen der Bewohner miteinander gespiegelt.

Thalbachs mit einem groen Ensemble dargebotene Inszenierung besticht durch edle Kostme, imposante Chre und Bhnenbilder. Das Bhnenbild von Momme Rhrbein zeigt u. a. einen auf dem Trockenen liegenden Schiffsrumpf. In dem Programmheft erfhrt man, dass mit dem Bhnenbild auf die aktuell fast vollstndige Austrocknung des Aralsees in Zentralasien, einst viertgrtes Binnenmeer der Welt, angespielt werden soll. Ohne Blick in das Programmheft bleibt einem diese, durchaus interessante Verbindung jedoch verborgen.

Thalbachs Umsetzung der Oper wirkt gefllig, wie eine Show-Revue und die politischen und aktuellen Anspielungen erscheinen allzusehr hineinkonstruiert, ohne nachvollziehbaren Bezug zum Stck selbst. Der gesungene Text bleibt wegen des oftmals den Gesang bertnenden Orchesters unverstndlich und Brechts eingebetteten Wortwitz berhrt der Zuschauer teilweise. Eine ausschweifende Bordellszene wird hinter Jalousien vorgefhrt, sodass die Darsteller mit den gezeigten Sexualpraktiken wie ein Scheerenschnittbild erscheinen. Gewiss eine witzige Idee, doch wirkt auch dieser Rckgriff aufs Biedermeiersujet eher nostalgisierend, als dass damit dem Zuschauer irgendeine Idee vermittelt wrde.

Parallel zum Bhnengeschehen versuchen dann irgendwann auf seitlichen Leinwnden projizierte Filmeinblendungen aktuelle Bezge herzustellen. Abgespielte Bilder von Massentierhaltung, Schlachtungen, Hurrikans und Tsunamis wirken jedoch oftmals deplaziert und effekthascherisch. Als geschmacklose Fehlgriffe erweisen sie sich gar, wenn sie die jngste Katastrophe in Japan relativieren, indem sie sie mit demangekndigten und final ausbleibenden Sturm aus Brechts Stck gleichsetzen. Leider wirken auch die Charaktere zu glatt. Besonders Matthias Klink in der Hauptrolle des Holzfllers Jim Mahoney ist u. a. neben Dalia Schaechter, die als gewiefte Verbrecherin Leokadja Begbick durchaus mit einer facettenreichen, einnehmenden Stimme und mit raumgreifenden Gesten berzeugend agiert, leider zu gemigt und blass.

Die Dreigroschenoper und der Vergleich.
Hier geht es zum zweiten Teil

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