Bachman und Celan (Helga Bakowski, Martin-Maria Vogel).
   
 

Im Briefwechsel einander nah.
   
Ingeborg Bachmann war eine schillernde Persnlichkeit. Die Liebesbeziehungen der vielleicht bedeutendsten deutschsprachigen Autorin des 20. Jahrhunderts sind legendr. 2008 erschien Bachmanns Briefwechsel mit dem Lyriker Paul Celan. Er belegt einmal mehr, dass Celan (1920-1970) und Bachmann (1926-1973) ein Liebesverhltnis und darber hinaus innige Freundschaft verband. Geprgt wurde beider Leben durch die NS-Katastrophe. Mit ihrer Sprachskepsis reagierten beide Autoren hnlich auf das Problem der Erzhlbarkeit nach 1945. Sie widmeten sich nicht nur regelmig Gedichte in ihren Verffentlichungen, sondern begegneten einander auch in ihren Briefen poetisch liebevoll.

Sprache und Sprachlosigkeit: Herzzeiten

In der Pathologie setzt Maren Pfeiffer den Briefwechsel der beiden Lyriker als Lesung szenisch um. In der intimen Atmosphre des im Keller des "Pathos" gelegenen Theaters fllt die liebevolle Ausstattung direkt ins Auge. Whrend der szenischen Lesung sitzen Helga Bakowski in der Rolle der Bachmann und Martin-Maria Vogel in der Rolle Celans meist einige Meter entfernt voneinander an zwei kleinen Tischen. Das deutet eine rumliche Entfernung an zwischen Bachmann, die unter anderem in Rom und Berlin lebte, und Celan, der bis zu seinem Tod in Paris wohnte. Die diagonal voneinander stehenden Tische sind durch ein langes rotes, glatt ber den Boden und die Tische gelegtes Samttuch miteinander verbunden. Die Distanz der beiden Liebenden und ihre gleichzeitige Verbindung kommt wirkungsvoll zur Geltung. Auf dem Boden verteilt befinden sich in Leder gebundene Bcher. An der Wand hngen zwei groe gemalte Mohnbilder, die auf Celans Lyrikwerk "Mohn und Gedchtnis" (1952) hindeuten.

Eine Stunde lang werden im Wechsel Briefe gekrzt vorgetragen, biographische Hintergrnde und Zeitangaben gegeben und einzelne Gedichte rezitiert. Beide Autoren ringen oft um die richtigen Worte, mit denen sie einander begegnen mchten. Der Zuschauer scheint bei der Niederschrift ihrer Briefe dabei zu sein. Er nimmt Anteil an mit ihnen verbundenen Hoffnungen. Der jeweilige Verfasser liest Briefe vor, whrend der Empfnger sich so verhlt, als lese er ihn gerade. Eine Annherung der beiden Autoren aneinander wird szenisch auch in kurzen eleganten Tanzimprovisationen dargestellt. Besonders Helga Bakowski sticht durch lebendigen Vortrag und mit Intensitt des Spiels hervor. Maren Pfeiffer hingegen holt mit ihrer Licht- und Sounddramaturgie gekonnt Emotionen aus dem kleinen Raum heraus. Beschwingte Klaviermusik und helles Licht unterstreicht Phasen der Liebe, am Ende erscheint der Gegenpol bedrckend und dunkel.

Nebenbuhler und Lebenskrisen

Wichtige, prominente Weggefhrten Bachmanns, wie Max Frisch, Hans Werner Richter und Hans Weigel, tauchen in der Lesung auf. Eine durch diese Verhltnisse Bachmanns motivierte Eifersucht Celans deutet sich szenisch an. Die Eifersucht auf den zeitlebens greren Erfolg der Geliebten findet ebenfalls in vorgetragenen Briefen Celans Ausdruck, wenn er sich unter anderem dafr erkenntlich zeigt, dass sich Bachmann fr die Verffentlichung seiner Lyrik im deutschsprachigem Raum einsetzt. In der szenischen Umsetzung liegt das Hauptaugenmerk des Publikums auf Bachmann-Darstellerin Helga Bakowski, die zentral vor dem Publikum plaziert ist. Martin-Maria Vogel befindet sich hingegen meist sitzend an seinem Tisch rechts seitlich vorm Publikum. Er wendet den Zuschauern manchmal sogar den Rcken zu.

In der Veranstaltung rezitierte Gedichte wie Celans "Todesfuge" (1948) und Bachmanns "Die gestundete Zeit" (1953) behandeln die Sprachlosigkeit und das Fehlen der Worte aufgrund von Traumen, ausgelst durch die NS-Katastrophe. Die anregende Lesung endet mit Beschreibungen der frhen Tode von Celan und Bachmann. Beide Autoren erhielten zu Lebzeiten renommierte Preise und verarbeiteten psychische Lebenskrisen knstlerisch. Im Zusammenhang mit den Beschreibungen ihrer frhen Tode tragen Helga Bakowski und Martin-Maria Vogel zuletzt Bachmanns vielleicht bekanntestes Gedicht "Reklame" zweistimmig vor. Es hallt noch lange nach mit den Worten "ohne Sorge sei ohne Sorge".


Weitere Auffhrungen am 25. und 26. November und am 8. Dezember um jeweils 20 Uhr im Theater Die Pathologie, Weberstrae 43, 53113 Bonn.
Kartenvorbestellung unter: 0228-222358

Theaterhomepage

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