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1988 wurde es geschrieben, aber eigentlich rennt Alan Ayckbournes Stück "Man of the Moment" gerade im Jahr 2010 offene Türen ein: Der Zuschauer blickt hinter die Kulissen einer Fernseh-Dokumentation, die trotz aller guten Vorsätze sehr frei mit der Wahrheit umgeht. Solche Sendungen gibt es heute wie Sand am Meer, und da scheint es doch sehr offensichtlich, sich dem Thema zu widmen. Die Bonn University Shakespeare Company (BUSC) versucht mit ihrer aktuellen Inszenierung jedoch keinen krampfhaften Gegenwartsbezug, sondern schafft eine zeitlose Persiflage des ewigen Dummheits-Mediums TV.

Die ehrgeizige Moderatorin Jill Rillington, irgendwie arrogant und irgendwie mitleiderweckend, träumt vom großen Durchbruch. Ihr Plan: Eine Dokumentation über zwei sehr unterschiedliche Männer, die vor 17 Jahren aufeinandertrafen, einen Moment lang sehr berühmt waren und danach sehr unterschiedliche Wege gegangen sind. Vic Parks ist offensichtlich ein prominenter TV-Star, der seine mediterrane Villa als Austragungsort des Geschehens anbieten kann; Douglas Beechey wurde dagegen direkt aus einem britischen Reihenhaus exportiert und wirkt in Jackett und Pollunder so fehl am Platz, wie man es sich nur vorstellen kann. Ayckbourne legt den ersten Akt des Stück bewusst so an, dass man sich den Hintergrund der ungleichen Männer nur langsam zusammenpuzzlen kann. Rillingtons Hoffnungen auf eine spannende Show machen aber direkt klar: das Treffen sollte mehrere Tonnen Sprengstoff in sich tragen. Sollte – aber lange Zeit passiert nichts.

Sprengstoff zwischen den Zeilen

Im zweiten Akt verrät der weltfremde Douglas, warum er für den Lauf der Dinge eigentlich ganz dankbar ist. Vic beweist, dass er sich im Kern eigentlich nie geändert hat. Und Rillington kriegt schließlich doch noch eine Story, wenn auch nicht die, die sie sich erhofft hatte – und auch nicht die, die sich in Wirklichkeit zugetragen hat. Sprengstoff gibt es am ehesten zwischen den vielen Zeilen, die in über zwei Stunden über die Bühne wandern, und neben der guten Chemie zwischen den Hauptdarstellern Emanuele Novelli und Alexander Munzig sorgen vor allem die Nebendarsteller für Auflockerung. Stichwort Zeitlosigkeit: Vics Agent Kenny Collins (Thomas Pähler) scheint weder aus 1988 noch aus 2010 zu kommen. Mit Anzug, viel Haargel und lässiger Kippe scheint man hier einen Zeitreisenden aus den Swinging Sixties vor sich zu haben, der das Showgeschäft nicht im kurzlebigen Fernsehen, sondern vielmehr bei Sinatra und dem Ratpack gelernt zu haben scheint, da, wo Stars noch wie von selbst zu Legenden geworden sind.

Aber irgendwie befindet man sich ja doch in den 80ern. "The sun always shines on TV" versprechen A-Ha aus dem Radio, soviel schlechter ist die wahre Welt aber auch nicht. Eigentlich ist die Realität mit all ihren Dramen ein sehr ruhiger Ort, an dem man sich gemütlich in der Sonne fläzen kann, genau wie Rillingtons Filmcrew. Was im Fernsehen scheint, das ist das Sternenlicht der Stars, die „larger than life“ sind und somit gar nicht mehr in die reale Welt passen. Die BUSC deckt unter der Regie von Simon-Dominik Otte und Tobias Ebel hiermit natürlich nur eine allseits bekannte Wahrheit auf. Der Weg ist aber wichtiger als das Ziel, und so findet man in der kurzweiligen Unterhaltung genauso viel Freude wie die Truppe auf der Bühne.

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