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"Ich will die Revolution, aber ich habe keine Ahnung, was ich tun soll." Simon, Mitglied der Theatergruppe Gob Squad, forderte am Mittwoch im Schauspiel Köln die große und gesamte Revolution. Zusammengekommen sind hier 500 Zuschauer und die 5 Schauspieler der deutsch-englischen Gruppe Gob Squad. Das Ziel ist Veränderung! Die Revolution wollen sie. Das ist klar. Aber wie genau läuft so etwas eigentlich? Von den Darstellern scheint das wirklich niemand zu wissen. Aber sie versuchen es trotzdem. Sie beginnen damit aufzuzählen, worin sie einzigartig sind. Das größte Potential hat wohl Laura. Schließlich ist sie die einzige mit Eltern, die in der 68er Revolution aktiv waren. Wenn das nicht genau die richtigen Voraussetzungen sind... Das Herzstück der Revolte, die heute in ihrer Köln-Premiere von der Hauptstadt in die Dom-Stadt schwappt, ist der Camcorder. "Vergesst das Theater – das einzige, was zählt, ist die Kamera!" fordert Birte. Und tatsächlich ist die Kamera ein elementares Objekt im Gob Squad Stück "Revolution now!". Alles was auf der Bühne oder auch auf der Straße stattfindet, wird festgehalten. Zum Glück, denn für den Zuschauer im Saal wäre es sonst sehr aufwendig nachzuvollziehen, wie die Revolution auf der Straße um sich greift. An der Ecke Brüderstraße/Krebsgasse hat die Gruppe einen Monitor mit integrierter Kamera aufgestellt. Aus dem Saal wird jetzt um Aufmerksamkeit gerufen. Mit Erfolg. Eine Gruppe englischer Mädchen bleibt stehen. Scheinbar verstehen sie nicht wirklich, was im Schauspiel vorgeht, obwohl die Aufführung teils auf Englisch ist, aber dennoch halten sie ihre pickeligen Gesichter in die Kamera. Sie strecken die Zunge raus, zeigen breit grinsend ihre Zahnspangen und wünschen sich vor versammeltem Publikum kleinere Nasen und größere Brüste. Das ist ihre Vorstellung der Dinge die verändert werden müssen – die Generation Facebook... Revolution now! ist eine Art Improvisationstheater. Die Gruppe Gob Squad bezeichnet sich selbst, als Kollektiv, in dem niemand das Sagen hat – oder: Jeder ist hier Boss. Zwar gibt es eine Rahmengeschichte, viele Handlungen und Gespräche werden aber improvisiert. Dabei gehen die Darsteller auf ihre Gesprächspartner und das Publikum ein und zeigen sich kreativ und wandelbar. Leider sind manche Aktionen und Gespräche zu lang. Und in das knapp zwei Stunden dauernde Stück schleicht sich der ein oder andere Publikum-Gähner. Dennoch ist Revolution Now! sehr witzig und verfügt über die Situationskomik, die viele Fans des Improvisationstheaters bei Fernseh-Formaten wie der "Schillerstraße" längst vermissen. Der große Held des Abends ist ein 11jähriger Junge, der wegen seines unaussprechlichen Namens und der damit verbundenen Komik auch "das Volk" genannt wird. "Das Volk" war gerade mit seiner Mutter auf dem Nachhauseweg, als er kopfüber in die Revolution geriet. Ob er Lust dazu hätte, etwas zu verändern? Ob er bleiben und sehen will, was im Saal bewegt wird? Ein unschlüssiges Schulterzucken. Nach einigem Bitten lässt er sich dann aber zu einem "Joar" herab. Das bringt im großen Applaus im Saal ein und die ehrenvolle Aufgabe einen Molotowcocktail (unter den strengen Sicherheitsauflagen, die bei einer Revolution gelten) an die Wand des Schauspielhauses zu werfen. Etwas von der Situation verwirrt, schwenkt er schlussendlich sogar auf der Bühne die gold-glitzernde Fahne die für Veränderung und Freiheit steht. Die Zuschauer sind allerdings voll dabei. Sie stehen auf, wenn darum gebeten wird, jubeln und singen und spielen vereinzelt sogar auf Aufforderung auf den E-Gitarren die extra im Publikum verteilt wurden. Einzig ein älterer Herr in der Mitte der ersten Reihe weigert sich starrköpfig dagegen, sich an der Revolution zu beteiligen. Stocksteif sitzt er da, im weißen Leinen-Anzug, verzieht keine Miene und bewegt sich nicht, wenn das Publikum neben ihm tobt – das ist wohl die wahre Revolution!
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