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"Für Sie heute Abend: Die Egoisten aus Berlin, aus Berlin – die Egoisten" In bester V.I.P.-Manier dröhnte die großspurige Ansage aus den Lautsprecherboxen im kleinen Bühnenraum der Pauke. An Großmut mangelte es also offensichtlich nicht. Das Kabarettduo „Die Egoisten“ beehrte am Freitag, 23. April, die Bonner Pauke und versuchte dem selbstgesetzten, hohen Anspruch gerecht zu werden.

Ein Grieche, Dimitrios, am Keyboard und Wolf, der deutsche Sänger. Klar, dass da nationale Differenzen bestehen, die immer wieder zu Spannungen führen, auch wenn die beiden eigentlich "beste Freunde, richtige Kollegen" sind. Doch der Grieche fühlt sich unterdrückt, möchte mehr ins Programm integriert werden und vor allem will er eins: mehr Geld! Immerhin muss in der aktuellen Lage die Familie zu Hause unterstützt werden (auch wenn es sich dabei um Kreter handelt – nicht um Griechen!).

Wolf dagegen hat ganz andere Sorgen, allem voran will er irgendwie das Publikum überzeugen. Die überschaubare Zuschauerzahl ist schließlich ein anspruchsvolles Publikum, das entsprechend niveauvolle Unterhaltung präsentiert bekommen soll.

Das Bemühen ist beiden auch durchaus anzumerken, doch irgendwie will der Funke einfach nicht überspringen. Irgendwo zwischen Bühne und Zuschauerraum scheint eine unsichtbare Barriere zu stehen, die weder Wolf noch Dimitrios zu überwinden wissen. Und irgendwie steht dieselbe Schranke auch zwischen ihnen selbst.

Es entsteht kein Fluss, Songs und Dialoge schweben zusammenhanglos im Raum. Statt einen Streitpunkt wirklich auszureizen, werden aufkochende Emotionen schon im Keim erstickt. Schade, denn in der aktuellen, wirtschaftlichen Situation Griechenlands und der Rolle, die Deutschland bei der Rettung des Staates spielen soll, bietet sich der Konflikt zwischen den beiden Parteien für zynische Schlagabtausche geradezu an.

Doch Wolf erzählt lieber mit viel Enthusiasmus in selbstkomponierten Liedern freimütig aus seinem Leben: von "Heten, die beten", über das Leben mit Nachbarin Renate in der Platte, bis hin zur ersten Freundin mit dem längsten Achselhaar. Nichts scheint banal genug, um nicht davon zu berichten. Vor allem die Liebe hat es dem Duo angetan. Die Liebe zu Frauen und Tieren. Erste führt Wolf auf eine Rundreise durchs Publikum, bei der er den Frauen Tipps zur Verschönerung gibt, letztere findet ihren Ausdruck in einer Ode an das Schnitzel.

Derlei Einwürfe, ebenso wie Dimitrios Verwandlung in Nana Mouskouri oder Wolfs Auftritt als Charles Aznavour, lockern die Atmosphäre zwar etwas auf, sind aber auch keine Eisbrecher. Die Lacher bleiben verhalten, auch ein plötzliches Abrutschen in die Internationale trägt nur zur kurzweiligen Erheiterung bei.

Dass der Abend von Grund auf nicht dem Anspruch der leichten Unterhaltung gerecht werden will, ist spätestens bei der Rezitation eines Buckowski-Gedichtes klar. Okay, Kabarett darf anspruchsvoll sein und zeichnet sich auch gerade dadurch aus, doch sollte man dabei schon darauf achten, nicht zeitweilig eine regelrecht depressive Stimmung heraufzubeschwören.

"Wir sind Egoisten, wir streben nach Macht, Ruhm und Geld". Ein schöner Wunsch als Opener, der sicherlich in Erfüllung gehen könnte. An guten Ideen und Kompositionstalent mangelt es den beiden auf keinen Fall, doch ein stimmigeres Zusammenspiel und flottere Bühnenpräsenz würden dem Programm etwas mehr Esprit und Witz verleihen.


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