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Zwei Freunde unterhalten sich bei einem Feierabendbrandy plus Zigarre. Die beiden kennen sich schon lange, sie arbeiten zusammen, es wird gescherzt. Art ist verheiratet mit Anne, und Ben mit Catherine. Zwei Paare um die vierzig des gehobenen Mittelstandes. Die beiden Herren verdienen in schicken Anzügen das Geld, während sich die Frauen zu Hause um die Kinder kümmern und bei einem Glas Rotwein auf ihre Ehemänner warten. Alles ist wie immer. Das heißt, fast. Denn an diesem Abend erzählt Art etwas Ungewöhnliches: Er hatte Sex. "Wilden", "phantastischen" Sex in einem strahlenden Raum voll weißen Marmors, und zwar mit Bens Frau Catherine. Das Ganze sei nur ein Traum gewesen, er kenne Bens Frau ja noch nicht einmal, habe insgesamt höchstens drei Minuten mit ihr gesprochen – und überhaupt – das alles sei kein Grund für Ben, sich etwas dabei zu denken. Eigentlich. Würde nicht Catherine zu Hause erzählen, sie habe zur gleichen Zeit genau dasselbe geträumt. Und los geht die Misere. "Wir hängen alle drin. Was hier passiert liegt im Niemandsland der Freundschaft." Plötzlich gehen Ben und Catherine regelmäßig im Traum fremd. Und plötzlich ist auch gar nicht mehr alles so locker und unkompliziert. Ben geht seinem Freund aus dem Weg. Er fühlt sich bedroht, bittet Art sogar allen Ernstes darum, nicht mehr von seiner Frau zu träumen. Die aber geht derweil völlig in ihrer neuen Phantasiewelt auf. Die Träume von Art werden zum Mittelpunkt ihres Lebens, das sie nur noch in Dunkelheit und träumend leben möchte. Alle Versuche von Ben, sich ihr wieder anzunähern, scheitern. Als er sie eines Abends im dunklen Haus antrifft, eskaliert die Situation. Catherine eröffnet ihrem Mann, dass sie unglücklich sei. Ben ist für sie nur noch ein Störfaktor. Ihr Alltag ist längst bloße Fassade, die spätestens jetzt mächtig zu bröckeln beginnt. Aber nicht nur bei Catherine und Ben, auch das Leben von Art und Anne ändert sich schlagartig. Anne hat sich, anders als Catherine, perfekt an ihre Situation angepasst. Sie hält sich mit strikten Plänen und einem durchorganisierten Alltag über Wasser. Daran hat sich auch Art penibel genau zu halten. Ob er das will oder nicht, das ist für Anne Nebensache – mitgehangen mitgefangen. Zwischen drei obligatorischen Gläsern Rotwein am Abend und dem Kauf des unzähligsten Sofas ist ihrem Leben mit Art einem Leben neben Art sowie einem ausgeprägten Zynismus gewichen. "Deals unter Fremden, das ist die Liebe". Dass Art allerdings inzwischen auch im wahrsten Sinne von einem anderen Leben träumt, und was diese Sehnsucht nach einem anderen Leben schlussendlich mit allen Beteiligten macht, das gilt es bei einem Besuch in den Kammerspielen herauszufinden. Ein gutes Gesamtkonzept Das Stück der irischen Dramatikerin Marina Carr, übrigens bereits das dritte ihrer Werke, das Generalintendant Klaus Weise inszeniert, legt das verschlossene Intimleben der beiden Paare im Verlauf der Handlung auf eine Art frei, die den Zuschauer selbst Teil des Geschehens werden lässt. Zuweilen ist es schwierig, sich nicht unbehaglich im Sitz zu winden, weil das Gefühl entsteht, unfreiwilliger Voyeur zu sein, der höchst unangenehmen menschlichen Abgründen beiwohnt. Die Welt der beiden Paare ist nicht nur durch das intensive Spiel der Schauspieler, sondern auch durch die steril-moderne Bühne von Manfred Blößer zum Greifen nah. Dunkelgrauer Teppichboden, ein großes ebenfalls milchgläsernes Konstrukt, das an eine überdimensionale Version eines beliebten schwedischen Kleiderschranks erinnert und viele Abgänge, unter anderem über eine hinterleuchtete weiße Treppe, schaffen eine kühle Atmosphäre, in die die Charaktere jederzeit von allen Seiten unverhofft eindringen können. Die Bühne stellt so problemlos Büro, Bar und Haus dar und ermöglicht einen schnellen Szenenwechsel. Den großen Vorhang, den Anne per Fernbedienung betätigt, und mit dem sie versucht, Unliebsames auszublenden, ist ebenso wie die konkave Rückwand, die Catherines Innerstes mit Hilfe eines darauf projizierten vorbeiziehenden Wolkenhimmels verbildlicht, ein einfaches, aber wirksames Mittel. Besonders das Spiel Christine Schönfelds als Anne, die sowohl die harte zynische Schale, aber auch gleichzeitig das Tieftraurige ihres Charakters wunderbar ausspielt, sticht aus der lobenswerten Ensembleleistung heraus. Aber auch Yorck Dippe als Art und Falilou Seck als Ben sind hervorragend besetzt und stellen mit viel Feingefühl jede Gemütslage bis in die kleinste Nuance dar. Birte Schrein wirkt als Catherine im Gegensatz zu ihren drei Kollegen leider an manchen Stellen etwas blass. Im großen und ganzen aber ist die Leistung aller den Kauf eines Tickets wert und das Stück ein gutes Abendprogramm, das den Zuschauer am Ende noch mit dem ein oder anderen Gedanken in die nächsten Tage begleiten wird.
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