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Wer war Rosa Luxemburg? Als kompromisslose Verfechterin des Sozialismus ging sie in die Lehrbücher ein, kaum jemand sonst kämpfte derart verbissen für die „Große Idee sozialer Gerechtigkeit für die Gemeinschaft“. Doch daneben gab es noch eine andere Seite: die Humanistin Luxemburg. Eine Frau, die auch den Blick für das kleine Glück eines jeden Menschen nicht verlor. Die ihren menschlichen und zeitweilig sogar sensiblen Charakter zwar gekonnt unterdrückte- ihn aber niemals ganz vergaß. Genau diesem Wesen widmet sich das Bonner Theater „Die Raben“ in seinem aktuellen Stück „Rosa Luxemburg und das Glück“. Für ihre politische Überzeugung war Rosa Luxemburg kein Risiko zu groß, selbst diverse Inhaftierungen brachten sie nicht von ihrer radikalen Einstellung ab. Eine Unmenge an Briefen und Schriften zeugen noch heute von ihrem eisernen Glauben an die Herrschaft des Proletariats. Gerade diese Briefe, die sie aus dem Gefängnis an Freunde schrieb, geben darüberhinaus das Bild einer starken Frau wider, die mit Hilfe von Poesie und einem schier unbändigen Lebenswillen ihre eingeschränkten Möglichkeiten zur politischen Aktivität absorbieren konnte. Eure glückliche Rosetta Eben diesen Briefen hat sich Regisseurin Renate Brüne angenommen und sie in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt. In einer Art szenischer Lesung lässt sie die Kommunistin in ihrem zweischneidigen Wesen lebendig werden, Rosi Stolz und Claudia Rodemann bringen dies gekonnt anschaulich auf die kleine Bühne in der Beueler Tapetenfabrik. Dabei steht die gefühlvolle Rosa klar im Vordergrund und offenbart Gedanken, die ob der allgemein bekannten Luxemburg erstaunen lassen. „Gestern war ich dem Entschluss nahe, auf die gesamte Politik zu pfeifen“ schrieb sie etwa in einem Brief an eine Freundin. „Ich fühle mich in der ganzen Welt zu Hause, wo es Wolken und Vögel und Menschentränen gibt“. Die Pflege ihrer Freundschaften stand an erster Stelle, hier offenbarte sie auf offene Art und Weise ein Gemüt, das von Liebe und feiner Anfälligkeit für kleine Glücksboten gezeichnet war. Zwitschernde Vögel, die sich frei außerhalb ihres Käfigs bewegen können, und intensive Naturimpressionen dienen Rosa Luxemburg dabei immer wieder als Grundlage für poetische Ergüsse, mit denen sie sich die Zeit der Haft überwindbar werden ließ. „Ein bisschen kühles Blut könnte nicht schaden“ War Rosa Luxemburg ein Opfer ihrer Zeit, das schlichtweg in die falschen Kreise geraten war? Mitnichten. Die Darstellerinnen sorgen in der Rolle der politischen Kämpferin dafür, dass auch die zweite Seite der Persönlichkeit nicht zu kurz kommt. In der intimen Atmosphäre des Ein-Raum-Theaters lassen sie mit primitivsten Mitteln das Deutschland des ausgehenden Kaiserreiches auferstehen. Sie hissen die rote Fahne, verkünden lauthals Parolen und zitieren Reichstags-Ansprachen. Bambusstangen dienen mal als Gefängniszellen-Begrenzung, mal als Geräuschkulisse für die aufmarschierenden Truppen. „Clara (Zetkin, Anm. d. Red.) und ich sind die einzigen Männer in der Partei!“ Der kompromisslose Kampf für die Ideen des Sozialismus stand weit über der Auslebung „weiblicher Schwächen“, wie man seinerzeit wohl gesagt hätte. „Ich lebe am fröhlichsten im Sturm“. Der immerwährende Wechsel von resolutem „Anpacken“ und empfindsamen Ruhephasen lässt erkennen, dass die Kommunistin ihre beiden Mentalitäten nur schwerlich miteinander vereinbaren konnte und die Unterdrückung der zarten Besaitung vorziehen musste, wollte sie als ernsthafte Politikerin anerkannt werden. Rosi Stolz und Claudia Rodemann unterstreichen dies zusätzlich durch ein freies Rollengefüge, in dem jede der beiden sowohl in die Rolle der leisen- als auch in die der aufbegehrenden Rosa schlüpft. Den Schatten der harten Sozialistin wird Rosa Luxemburg freilich niemals verlieren, doch schafft es das Stück von Renate Brüne, ihr Bild transparenter werden zu lassen und neue, noch relativ unbekannte Seiten aufzuzeigen. Es erinnert daran, dass hinter jedem großen Namen auch ein Mensch steckt, der ebenso viel Aufmerksamkeit verdient wie die Rolle, für die er berühmt wurde. Und es erinnert daran, dass kleine Glücksmomente eine große Wirkung haben können, eine Tatsache, die man in der heutigen schnelllebigen Zeit nicht oft genug vor Augen geführt bekommen kann. Die nächste Aufführung von „Rosa Luxemburg und das Glück“ findet am Samstag, 1. Mai 2010 um 20 Uhr statt. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage.
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