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Thilo Seibel ist zwar in München geboren, er lebt aber seit 1990 in Köln und das Stollwerck ist seine Lieblingsbühne. Die Vorstellung seines Programms "Hurra! Hurra! Das Öl ist aus!" am 16. April war also eine Herzensangelegenheit, die er sauber über die Bühne brachte. Dazu trug das Stollwerck mit Sicherheit seinen Teil bei. Schließlich kann man diesem Theater ein besonders gemütliches Ambiente nicht absprechen. Runde Tischchen in der ersten Reihe verbreiten eine familiäre Stimmung, in der ein Kabarettist das Publikum schnell auf seine Seite ziehen kann. Zudem gehört das Stollwerck zu jener seltenen Gruppe von Theatern, in denen Getränke erlaubt sind. So zerbrach das erste Weinglas, bevor Thilo Seibel mit seinem Programm starten konnte. Als Bruce Willis, den er seit 2005 parodiert, wurde Thilo Seibel bekannt. In seinem aktuellen Programm ist kein Platz mehr für den Actionheld, mit dem Soloauftritte des Kabarettisten zuvor untrennbar verbunden waren. Aus dem alten Programm sind lediglich Anmerkungen zur Geburtenrate nach einem Stromausfall übrig geblieben. Statt der Bruce-Nummer parodiert er nun diverse Politiker von Roland Koch, über Guido Westerwelle und Gerhard Schröder bis hin zu Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin vergleicht Thilo Seibel mit einer Energiesparlampe: "Unheimlich praktisch, will man aber nicht zuhause haben!" Sein Programm ist politisch anspruchsvoll, dabei aber verdaulicher als etwa das eines Hagen Rether. In Seibels gesunder Mischung aus politischem Kabarett und Comedy überwiegt Letzteres phasenweise, was durchaus positiv ist. Durch kindische Kalauer und alberne Witzchen verschafft er dem Publikum in regelmäßigen Abständen Verschnaufpausen von seiner Weltuntergangstheorie. Konkret geht es um die Ausbeutung von Ölressourcen, wie bereits der Titel "Hurra! Hurra! Das Öl ist aus" verrät. Da er selbst gerade mit einem überfüllten ICE aus Berlin angereist ist, greift Seibel zu Beginn den Vulkanausbruch von Island und die damit verbundenen Flugverbote spontan auf und amüsiert sich über die Schlagzeile "Wir werden verascht!". Direkt im Anschluss leitet er seinen so genannten "wissenschaftlichen Vortrag" zum Thema Öl ein, in welchen er das Publikum durch "Frage-Antwort-Spielchen" einbezieht. Es gelingt dem Mann mit der sympathischen Halbglatze schnell, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Laut Thilo Seibels Ausführungen besteht die ganze Welt nur aus Öl. Ohne Öl gäbe es keine Kosmetika, keine Klamotten, keine Farben, keine Autos und so weiter. Es dauert nicht lange, da findet er auch schon einen Sündenbock für das Ende des Ölzeitalters: "Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg schmiert sich die allerletzten Ölreserven ins Haar." Ein Exkurs zur guten alten Zeiten bringt ihm einen extra Pluspunkt des im Schnitt 50-jährigen Publikums ein. Anekdoten über Autoquartett, Tri Top, Autosex und die Fahrt in den Italienurlaub mit bis zu fünf Mann in einem VW-Käfer packen die Zuschauer. Erinnerungen werden geweckt, die in Form von zustimmendem Nicken und Tuscheln einen soliden Erfolg bescheren. Die Pause nach etwa der Hälfte des Programms zieht leider auch eine qualitative Zäsur mit sich. Nach der Unterbrechung erweckt Thilo Seibel fast schon den Eindruck, ihm gehe langsam das Material aus. Die politischen Inhalte lassen nach und plötzlich geht es weniger um das Thema Öl als vielmehr um ein ermüdendes Fantasiegebilde, das sich in Dubai abspielt und in dem er selbst die Hauptrolle spielt. Den wachrüttelnden Effekt löst erst seine Metapher des Wunders von Bern aus. Thilo Seibel imitiert keinen Geringeren als den Sportkommentator Herbert Zimmermann, der 1954 ganz Deutschland mitriss: „"Der Hahn, der Hahn!". Bei Herbert Zimmermann ging es damals natürlich nicht um den Hahn, durch den der letzte Tropfen Öl fließt, sondern um den Fußballspieler Helmut Rahn. Mit diesem Gleichnis gelingt Seibel, was man nach dem langatmigen Reisebericht über Dubai kaum noch gedacht hätte - ein Ende, das der ausgesprochen unterhaltsamen ersten Halbzeit seiner Show würdig ist. Die nächste Aufführung findet am 29. April in Ochtrup statt. Im Kölner Stollwerck tritt Thilo Seibel am 27. Mai ein weiteres Mal mit seinem aktuellen Programm "Hurra! Hurra! Das Öl ist aus!" auf. Weitere Informationen gibt es auf Thilo Seibels Homepage.
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