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"Ahh!" Der junge Mann auf der Bühne fasst sich erneut an den Kopf. Mit schmerzverzerrtem Gesicht schaut er seinem Peiniger in die Augen. Dieser entschuldigt sich beim Publikum, es tue ihm leid, doch sein kleiner Bruder könne diesen Namen nicht mehr hören. Es bereite ihm Schmerzen, wenn man ihn ausspricht. Es sei einfach zu viel, seit Guido Westerwelle Außenminister und Vizekanzler sei. "Ahh!" Diese seltene "Guido-Phobie" ist Teil des Polit-Kabaretts "gegen()SÄTZE" der Hengstmann Brüder. Sebastian und Tobias Hengstmann aus Magdeburg gastierten am 10. / 11. April für zwei Auftritte im Bürgerhaus Stollwerck und redeten sich dabei jeden Frust von der Seele, den die Politik ihnen aufgeladen hat. Und das war sehr viel. Vom Wählerrückgang der SPD bis hin zu Angela Merkels Politikphilosophie sprachen die beiden Brüder alles an, was in den letzten Jahren politisch brisant war. Dabei wurden auch Randthemen wie die EU-Ratspräsidentschaft der Tschechoslowakei angesprochen. Gegensätze Obwohl eine große Bandbreite an politischen Themen im Programm vorkam, musste man kaum Vorkenntnisse haben, um die Pointen zu verstehen. Den Hengstmann Brüdern gelang es, komplizierte Themen in die passenden Worte zu hüllen, sodass auch Laien wussten, worum es in der aktuellen Politik geht. Doch nicht nur Politik wurde in diesem Stück durch den Kakao gezogen. Auch Stereotypen wie der bestechliche Beamte aus dem Finanzamt oder der unter Leistungsdruck geratene Langzeitstudent hatten ihren Auftritt. Hier zeigten sich jedoch erste Schwächen des Programms: manche Szenen waren zu aufgedreht und wirkten eher wie Füllwerk. Dabei war der humoristische Grundton zwar angemessen, intelligente Unverschämtheiten wechselten sich ab mit Wortspielen oder "Stand-Up"-Elementen, dennoch litt besonders der Mittelteil unter einfallslosem Klamauk, der mit Satire nicht viel zu tun hatte. Einen Höhepunkt des Galgenhumors stellten dagegen die im Programm enthaltenen Lieder dar. Selten gab es so eine gute Mischung aus eingängiger Musik, treffenden Texten und komödiantischem Anspruch. Leitsätze Der Humor steht und fällt mit der Art und Weise, wie er dem Publikum vermittelt wird. Und auch hier gilt das Prinzip "Kritik auf hohem Niveau". Fast immer gelang es den Brüdern Hengstmann ihre Rolle überzeugend und mit der nötigen Übertreibung zu spielen. Besonders Tobias Hengstmann konnte mit seiner Wandlungsfähigkeit überzeugen. Aber auch hier gab es Schwächen: Eine durchwachsene Anfangsphase und kleinere Aussetzer in den überdrehten Szenen trübten leider das ansonsten klare Bild des Hengstmann‘schen Polit-Kabaretts. Vielleichte rührte daher auch das etwas getrübte Interesse, welches das Kölner Publikum (jeweils rund 40 Besucher) dem Programm entgegen brachte. Sieht man von der ausbleibenden Resonanz des Publikums ab, so waren die Aufführungen der Hengstmann Brüder im Ganzen betrachtet ein voller Erfolg. Mit viel Charme, zielsicheren Pointen und einer nötigen Portion Komik sorgten die Magdeburger Kabarettisten für einen informativen und erheiternden Abend zugleich, dem die kleinen Schönheitsfehler letztlich keinen Abbruch taten. Weiter Informationen zu „gegen()SÄTZE“ und den Hengstmann Brüdern gibt auf deren Homepage.
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