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"Die Lustige Witwe" gehört wohl unumstritten zu den beliebtesten Operetten der Musikgeschichte. Kein Werk wurde und wird so oft auf die Bühne gebracht wie Franz Lehárs Meisterstück, es machte die Wiener Operette Anfang des 20. Jahrhunderts wieder salonfähig und begeisterte die Menschen rund um den Globus. Auch die Inszenierung der Kammeroper Köln feierte in der Spielzeit 2009/10 großen Erfolg; am Sonntag, 11. April, fand nun die vorerst letzte Aufführung statt. Zur Zeit der Uraufführung 1906 in Wien sorgte das Stück noch für einigen Wirbel, da es sich bewusst von der klassischen Wiener Operette absetzte und jene veränderte, freizügige gesellschaftliche Wirklichkeit auf die Bühne brachte, die sich um die Jahrhundertwende entwickelt hatte. Das war auch sein Erfolgsrezept, traf es damit doch genau den Nerv der Zeit. In unser'm Gelde liegt unser Wert Es ist die Geschichte einer starken Frau, der pontevedrinischen Adligen Hanna Glawari , die durch (un)glückliche Umstände früh zur reichen Witwe wurde und nun von sämtlichen Männern ihres Geldes wegen umgarnt wird. In Paris trifft sie bei einem Ball in der pontevedrinischen Gesandtschaft ihre Jugendliebe Graf Danilo Danilowitsch wieder, dem einst verboten war, sie zu heiraten. Die alte Liebe flammt wieder auf, doch Danilowitsch will nicht unterstellt bekommen, auch er sei nur am Geld interessiert und verweigert so jegliche Annäherungsversuche. Mit Wolf H. Latzel und Sabine Laubach hat man die ideale Besetzung für das Tändelspiel des Paares gefunden. Sie agieren und singen in gewohnt virtuoser und harmonischer Form, er mit herausragendem Bariton, sie mit lautstarkem Sopran, der selbst den gesamten Männerchor ohne Schwierigkeiten in Schach halten kann. Das darf sie denn auch mehr als einmal unter Beweis stellen, denn die Männerriege ist zäh. Und dann ist da ja auch noch Baron Mirko Zeta, pontevedrinischer Gesandter in Paris, der das Vaterland vor dem Staatbankrott retten will und als Rettung eine Vermählung von Danilowitsch mit der reichen Hanna vorgesehen hat. Seine Frau Valencienne jedoch versucht ihrerseits ihre eigene außereheliche Liebelei Camille de Rosillon als potentiellen Gatten zu vermitteln, damit sie sich nicht länger mit ihrem schlechten Gewissen herumschlagen muss. Antonio Rivera und Lisa Maria Laccisaglia bilden als heimliche Affäre ein ebenbürtiges Gegenstück zu Danilowitsch und Hanna. Emanuel Pichler interpretiert daneben mit innigem Bariton einen treudoofen Baron Zeta, der mit seiner Beschränktheit für einige Lacher sorgt. Im Garten unter Lampions (ein sehr ansehnliches, romantischen Bühnenbild von Florian Angerer) kommt schließlich eins zum anderen, Verwirrungen und Verwicklungen verstricken sich. Hanna gibt schließlich vor, nach einer Heirat zu verarmen und kann Danilow damit doch ein Liebesgeständnis abringen. Baron Zeta kann das Vaterland- und Valencienne dank seiner Trotteligkeit die Ehe retten. Ganz nach Pariser Art Obwohl- oder vielleicht gerade weil- es sich um die letzte Vorstellung handelte, gaben die Darsteller noch einmal alles und lieferten eine grandiose Bühnenshow, die alle Sinne aufs Höchste erfreute. Nicht umsonst gilt „Die Lustige Witwe“ auch als Tanzoperette, Lehár legte größten Wert auf fulminante Tanzszenen, die sowohl Walzer wie auch Tänze des Balkans in den Mittelpunkt rückten. Das Ensemble der Kammeroper schuf daraus mit viel Esprit und Spaß an der Arbeit ein buntes Treiben, bei dem feierliches Vergnügen und Ausgelassenheit schnell auf das Publikum übersprangen. Einen wesentlichen Beitrag leisteten dazu auch Jürgen Hahn und Joseph Szalay als clowneske Untertanen, die immer wieder aus der Handlung heraustraten und versuchten, die Geheimnisse aufzudecken- was freilich nie zum Ende gebracht wurde. Ihre Dialoge sorgten für großes Amüsement, ebenso wie ihr tollpatschiges Auftreten, das sich auch durchweg bei allen Chormitgliedern beobachten ließ. Der sorgte mit perfekter Stimm-Synchronie dafür, dass sämtliche alte Gassenhauer in neuem Glanz erstrahlen. Die bekannten Lieder „Wie die Weiber man behandelt“ oder das „Grizettenlied“ trafen beim Publikum offenbar noch immer genau den richtigen Nerv, fühlte sich der ein oder andere doch gar zum Mitsingen animiert. Man kann also ohne Zweifel von einem gelungenem Abend sprechen, der Appetit auf mehr macht. Die Kammeroper Köln präsentierte eine Tanzoperette genauso wie sie sein sollte: mit viel Schwung, Spaß und fabelhaften Stimmen. Schade, dass dies schon die letzte Aufführung der "Lustigen Witwe" war, doch für Nachschub ist gesorgt: Ab dem 24. Juli 2010 steht Ralph Benatzkys "Im weißen Rössl" auf dem Programm, es gilt also nur noch eine kurze Wartezeit zu überstehen. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Kammeroper Köln.
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